Alba gegen Bayern: BBL-Finale der Marathonmänner

Vladimir Lucic (l.) im Kampf um den Ball mit Berlins Tim Schneider (Mitte) und Zan Mark Sisko (r.)

BBL-Finalserie

Alba gegen Bayern: BBL-Finale der Marathonmänner

Von Christian Mixa

Die zwei deutschen Basketball-Giganten Alba Berlin und FC Bayern München haben sich nach einer beispiellos strapaziösen Saison ins Finale geschleppt. Wer den Titel gewinnt, dürfte vor allem von den größeren Kraftreserven abhängen.

Ab Mittwoch (09.06.2021) kommt es zum erwarteten Showdown in den Playoffs der Basketball-Bundesliga (BBL): Mit Alba Berlin und dem FC Bayern stehen sich die Teams in der Finalserie um die deutsche Meisterschaft gegenüber, die die meisten Experten vor der Saison auch genau dort vermutet hatten. Die beiden deutschen Euroleague-Klubs, die mit ihren Monster-Kadern auch am besten die Strapazen einer eng getakteten Saison bewältigt haben.

Sieht man vom verkürzten Finalturnier im Corona-Jahr 2020 ab, als Alba den Titel gewann, spielen die zwei deutschen Baskelball-Giganten aus Berlin und München nun zum dritten Mal in Folge im Playoff-Finale den Titel unter sich aus. Der Weg dortin verlief aber nicht unbedingt geradlinig.

Alba gegen Bayern: Ein echter Klassiker Morgenmagazin 09.06.2021 01:45 Min. Verfügbar bis 09.06.2022 Das Erste

Alba und Bayern unter sich - der Weg ins Endspiel

Alba Berlin beendete die reguläre Saison in der BBL als Zweiter. Der FC Bayern, der wie die Berliner zusätzlich 34 Euroleague-Spiele absolvierte, plus eine Viertelfinalserie gegen Mailand, landete in der Abschlusstabelle sogar nur auf Platz vier.

Dennoch schafften es Berlin und München am Ende souverän ins Finale. Dabei schalteten sie jene zwei Mannschaften aus, die bis dahin als Teams der Stunde galten: Berlin gewann das Halbfinale gegen die formstarken Ulmer, die die reguläre Saison mit neun Siegen in Folge abgeschlossen hatten. Die Münchner setzten sich ebenfalls in vier Spielen gegen Ludwigsburg durch, das beste Team der Hauptrunde. Dass Alba und Bayern erneut im Finale stehen, obwohl sie zum Teil fast doppelt so viele Spiele in den Knochen haben wie ihre größten Herausforderer, zeigt, wie weit die zwei deutschen Euroleague-Klubs dem Rest der Liga enteilt sind.

Heiko Schaffartzik: "Es wird schwer, Bayern München zu schlagen" Sportschau 09.06.2021 05:48 Min. Verfügbar bis 09.06.2022 Das Erste

"Back-to-Back" - finale Belastung nach einer XXL-Saison

Angesichts von mehr als 70 Saisonspielen, schon vor dem Beginn der Playoffs, sprach BBL-Chef Stefan Holz zuletzt von Verhältnissen wie in der NBA. Dazu passt auch die besondere Ansetzung der Best-of-five-Finalserie: Die ersten beiden Partien in Berlin werden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gespielt, ebenso wie das dritte und ein mögliches viertes Spiel in München. "Back-to-Back" heißt dieses Format, das man sonst aus der NBA kennt, wo man wegen der längeren Serien und der vielen Flugmeilen auch gerne mal zwei Playoff-Spiele innerhalb von 24 Stunden abreißt.

In den BBL-Playoffs dagegen ist es ein Novum - und eine weitere Belastung für die Spieler nach einer kräftezehrenden Saison. Bastian Doreth, lange Jahre Co-Kapitän der Nationalmannschaft und ein allseits respektierter BBL-Routinier, nannte den Final-Spielplan ein "Desaster". Die "Berliner Zeitung" kommentierte das Endspielformat als "unwürdigen und zerstörerischen Höhepunkt" einer Saison, die auf Kosten der Gesundheit der Spieler gehe.

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Die Liga-Verantwortlichen verweisen auf die vielen coronabedingten Spielabsagen, vor allem aber auf die Zwänge des internationalen Spielkalenders, der kaum Luft lässt: Am 15. Juni, dem Termin für ein mögliches fünftes Finalspiel zwischen Alba und Bayern, läuft bereits die Abstellungsperiode für die Nationalspieler und die anstehende Olympia-Qualifikation Ende Juni.

Alba und Bayern schwer angeschlagen - die Ausgangslage

Die hohe Belastung in dieser Marathon-Saison hat dazu geführt, dass beide Mannschaften angeschlagen und mit zahlreichen Ausfällen in die Finalserie gehen. Beim FC Bayern fiel nach Paul Zipser und dem länger verletzten Nick Weiler-Babb nun auch Leon Radosevic aus.

Bayerns Paul Zipser (l.) im Kampf um den Ball mit Berlins Jayson Granger (r.)

Einer von zahlreichen Ausfällen: Paul Zipser (l.) gegen Albas Jayson Granger (r.)

Den Berlinern fehlten zuletzt mit Luke Sikma und Johannes Thiemann die beiden wichtigsten Big Men und Rebounder im Team, bei beiden gibt es aber Hoffnung auf ein Comeback in der Finalserie. Für Louis Olinde und Jonas Mattisseck dagegen ist die Saison wohl beendet.

Dank der tief besetzten, extragroßen Kader der zwei Euroleague-Teams gibt es aber auf beiden Seiten genügend Spieler, die diese Ausfälle kompensieren und mehr Verantwortung übernehmen können: Bei den Münchnern waren dies zuletzt Dennis Seeley und Robin Amaize, bei Alba die Spielmacher Maodo Lo und Jayson Granger sowie Offensiv-Allzweckwaffe Simone Fontecchio

Traumfinale mit Warnhinweis - die Prognosen

Eigentlich ist das Duell der beiden besten deutschen Basketball-Teams der vergangenen Jahre das Traumfinale, der auch von den Experten ersehnte Höhepunkt der Saison. Doch was man im Vorfeld aus beiden Lagern hörte, klang eher nach einem Warnhinweis für Basketball-Gourmets vor möglichen schweren Nebenwirkungen: Das Finale werde "von der Qualität nicht viel zeigen", sagte Münchens Kapitän Nihad Djedovic. "Wir sind derzeit einfach nicht in der Lage zu glänzen", sagte Bayern-Coach Andrea Trinchieri bei "Magentasport" und verwies auf die hohe Dichte vom Spielen und die fehlende die Zeit zum Regenerieren. Die Endspielserie werde ein "Survival of the fittest", meinte Berlins Kapitän Niels Giffey.

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Sportlich sind beide ohnehin auf Augenhöhe, der Ausgang ist völlig offen: Von den fünf direkten Duellen der bisherigen Saison, in der BBL, Euroleague und im Pokal, haben die Münchner drei Spiele gewonnen. Beim Pokalsieg Mitte Mai haben sie dabei erneut bewiesen, dass sie in der Lage sind, die Berliner mit ihren vielen abschlussstarken Angreifern zu stoppen, dank Trinchieris aggressiver Verteidigung.

Comeback der Fans in Berlin und München

Die Berliner wiederum gehen mit dem Heimvorteil in die Finalserie: Neben den beiden ersten Spielen würde auch ein mögliches, alles entscheidendes fünftes Spiel in der Arena an der East Side Gallery stattfinden. Dann auch mit den eigenen Fans im Rücken: Für den Auftakt der Finalserie haben die Berliner Behörden 1.400 Fans zugelassen, für das zweite Spiel sogar 2.000 Zuschauer. Auch in München dürfen wieder 1.000 Fans in die Halle.

Die Berliner durften schon das Playoff-Heimpiel gegen Ulm vor 1.000 Zuschauern spielen. Das Comeback der Fans nach mehr als einem Jahr gebe einen Extra-Schub an Energie, sagte Alba-Spielmacher Peyton Siva: "Wir freuen uns darauf, wieder vor unseren Fans spielen zu dürfen. Wir werden das genießen. Es wird wichtig sein, dass wir den Heimvorteil nutzen."
 

Stand: 09.06.2021, 06:30

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