Bayern-Basketballer schreiben Geschichte und träumen vom großen Coup

Jubel bei den Bayern-Basketballern

Euroleague

Bayern-Basketballer schreiben Geschichte und träumen vom großen Coup

Die Basketballer des FC Bayern München sind als erstes deutsches Team ins Viertelfinale der Euroleague eingezogen. Dort trauen sie sich auch in der K.o.-Phase weitere Coups zu.

Die Münchner hatten am Donnerstag (01.04.2021) durch ein 71:70 über Zalgiris Kaunas die Playoffs im wichtigsten kontinentalen Vereinswettbewerb erreicht. "Das ist riesengroß, die besten Acht in Europa, ein unglaubliches Resultat", sagte Trainer Andrea Trinchieri: "Aber warum sollten wir jetzt aufhören zu träumen?"

In den Playoffs sei der Bundesligist gegen die europäischen Basketball-Schwergewichte zwar noch mehr Außenseiter. Dennoch sei nun "alles offen", wie Sportchef Marko Pesic meinte.

Großer Erfolg für die Bundesliga

Dem kühnen Ziel der Bayern-Bosse, nach dem Fußball irgendwann auch im Basketball die Nummer eins in Europa zu sein, kommen die Korbjäger also schon in der ersten Saison unter Trinchieri ein Stück näher. Ein großer Erfolg ist der Bayern-Coup auch für die Bundesliga. Zum ersten Mal steht eine deutsche Mannschaft unter den besten Acht europäischen Mannschaften.

"Das ist etwas Großes für den deutschen Basketball", lobte auch der unterlegene Zalgiris-Coach Martin Schiller, der früher unter anderem Assistenztrainer beim Bundesligisten Ludwigsburg und der deutschen Nationalmannschaft war. Der Erfolg ist vergleichbar mit dem Gewinn des - zweitklassigen - Korac Cups durch Alba Berlin 1995. Mit Pesic-Vater Svetislav als Trainer stand Alba 1998 immerhin im Viertelfinale der damaligen Europaliga.

Erneut Comeback-Qualität bewiesen

Die Münchner verdienten sich ihr Ticket für die Top Acht mit einer überraschend starken Hauptrunde und etlichen Comeback-Erfolgen. Ein Spiegelbild war das Match gegen Kaunas, das an Dramatik kaum zu überbieten war. "Tausende Tode" sei er gestorben, sagte Pesic.

Bayern gab einen Sieben-Punkte-Vorsprung im letzten Viertel aus der Hand, doch 2,3 Sekunden vor Schluss sorgte Topscorer Vladimir Lucic (13 Zähler) mit zwei Freiwürfen wieder für die Führung. Mit der Schlusssirene hatte Zalgiris die Chance zum Sieg - aber Matchwinner Lucic blockte den Versuch. "Es hätte mir das Herz gebrochen, wenn es nicht geklappt hätte", sagte Pesic mit Verweis auf Team, Trainer und die vielen Betreuer rund um die Mannschaft in dieser Corona-Saison.

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Trinchieri stolz auf sein Team

Dass seine Spieler dem immensen Druck standgehalten haben, machte Trainer Trinchieri stolz. "Das war unser 16. Spiel in 34 Tagen. Das ist unmenschlich", sagte der extrovertierte Italiener.

Vielleicht leuchte sein Team nicht wie andere, prominenter besetzte Rivalen in der Euroleague: "Wir holen immer Rückstände auf. Wir müssen uns immer aus einem Loch ausgraben. Aber wir sterben nicht, das ist unser Schicksal. So sind wir. Und ich will keinen meiner Spieler ändern."

Andrea Trinchieri ist der Trainer des FC Bayern München.

Andrea Trinchieri

Gegner steht noch nicht fest

Im letzten Hauptrundenmatch der Euroleague müssen die Bayern bei Spitzenreiter FC Barcelona ran. Der Ausgang der Partie entscheidet darüber, gegen wen es in der K.o.-Runde geht. Möglich sind unter anderem Anadolu Efes Istanbul, ZSKA Moskau, Fenerbahce Istanbul oder Olimpia Mailand.

Mit Willen und Kampfgeist können es die Münchner mit jedem Gegner aufnehmen. "Wir haben für dieses Ziel gekämpft und wollen jetzt auch weiterhin im Wettbewerb dabei sein", unterstrich Anführer Lucic: "Wir sind bereit."

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Fester Startplatz sicher

Perspektivisch wichtiger als der Einzug in die Playoffs ist der feste Startplatz in der Euroleague, den die Münchner ab der kommenden Saison sicher haben. Der Vorstand der Euroleague-Dachorganisation ECA hatte dem FC Bayern zuletzt grünes Licht für die Aufnahme in den Kreis der dauerhaften Euroleague-Mitglieder gegeben.

Dies gibt den Münchnern, die bislang mit einer Wildcard antraten, mehr Planungssicherheit. Außerdem sollen sie als Klub mit sogenannter A-Lizenz künftig stärker an den gesamten Vermarktungseinnahmen der Euroleague partizipieren.

Davon erhoffen sich die Münchner dann auch sportlich bessere Karten im Wettstreit mit den europäischen Top-Teams, deren Etats zum Teil weit jenseits der 20 Millionen Euro liegen. Quersubventionierungen von der umsatzstarken Fußballabteilung, wie sie etwa bei Real Madrid oder dem FC Barcelona praktiziert wurden, soll es bei Bayerns Basketballern auch in Zukunft nicht geben, bekräftigte der Klub.

red/dpa/sid | Stand: 02.04.2021, 12:00

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