Die Tampa Bay Buccaneers mit Tom Brady (Mitte)

Neue Football-Saison NFL - Warum nicht nochmal die Tampa Bay Buccaneers?

Stand: 08.09.2021 09:00 Uhr

In kaum einer Ballsport-Liga ist es so schwer, seinen Titel zu verteidigen, wie in der US-amerikanischen Football-Liga NFL. Es gibt aber diverse Argumente, warum den Tampa Bay Buccaneers das gelingen könnte.

Von Robin Tillenburg

In den vergangenen 13 Saisons haben zehn verschiedene Teams den Super Bowl gewonnen. Seit die New England Patriots 2005 ihren Titel verteidigt haben, gelang das keiner anderen NFL-Franchise mehr. Sportvermarkter in Europa können von solchen Zuständen nur träumen.

Mit sechs Startern verlängert

Das Draft-System, das auf Ausgeglichenheit ausgelegt ist, ist einer der Gründe dafür. Doch vor allem sind es die großen Kader in Kombination mit den limitierten Gehaltskapazitäten ("Salary Cap"), die dafür sorgen, dass Topteams ihre teuren Spieler nicht auf allen Positionen lange halten können. Eigentlich müssen immer Super-Bowl-Sieger, die ja zumindest in der Theorie über die besten Spieler verfügen und dementsprechend Top-Gehälter zahlen, zumindest ein paar Starter ziehen lassen, weil die woanders deutlich mehr Geld verdienen können.

Bei den Tampa Bay Buccaneers sieht das zur neuen Saison anders aus. Alle 22 Starter aus dem Super-Bowl-Erfolg über die Kansas City Chiefs stehen auch in dieser Saison in Florida unter Vertrag. Shaquil "Shaq" Barrett, Chris Godwin, Rob "Gronk" Gronkowski, Ndamukong Suh, Leonard Fournette und Antonio Brown hatten auslaufende Verträge, doch das Management der "Bucs" schaffte es, alle zu verlängern. Dafür mussten zwar Verträge mit anderen Starspielern umstrukturiert und Gehälter in andere Jahre verschoben werden - aktuell soll auch der von Wide-Receiver-Star Mike Evans noch einmal angepasst werden - doch das Kunststück gelang.

Brady ist auch finanziell ein Schlüsselspieler

Erstmals seit den Pittsburgh Steelers 1979 hat ein Super-Bowl-Champion damit alle seine Starter erneut beisammen, um das Projekt Titelverteidigung anzugehen. Dabei hilft den "Bucs", dass Quarterback Tom Brady nicht zu den teuersten Signal Callern der Liga gehört. Traditionell ist die Quarterback-Position die, auf der die höchsten Gehälter gezahlt werden. Brady ist da, je nachdem welchen Wert man sich anschaut, irgendwo im Liga-Mittelfeld. Das schafft finanziellen Spielraum.

Dazu kommt: Die Buccaneers standen in den Saisons vor ihrem Titelgewinn nie in den Playoffs, hatten also auch keinen teuren Playoff-Kader mit etlichen heiß begehrten Superstars - dementsprechend sind einige Verträge der Topspieler (noch) verhältnismäßig bezahlbar.

Das Titelfenster ist (nur) jetzt offen

Das dürfte sich allerdings in den kommenden Spielzeiten ändern - durch die ganzen Verlängerungen ist der Kader jetzt einer der teuersten. Ob im nächsten Jahr nochmal alle auslaufenden Arbeitspapiere so erneuert werden können, scheint zumindest fraglich. Zudem sind einige Spieler wie "Gronk", Brown, Suh oder Jason Pierre-Paul (dann) auch schon im Herbst ihrer Karriere.

Auch wenn eine Titelverteidigung in der NFL wirklich eine Seltenheit ist, wird die Chance auf die Meisterschaft für das Team von Coach Bruce Arians in den nächsten Jahren wohl nie wieder so groß sein wie jetzt. Und auch wenn man an Brady nicht die gleichen Altersmaßstäbe anlegen kann wie an andere Quarterbacks, ist der Mann inzwischen 44 Jahre alt. Irgendwann in den nächsten zwei bis vier Jahren wird wohl auch der "ewige" Tom aufhören oder zumindest sichtbar nachlassen.

Noch eingespielter - noch stärker?

Davon dürfte in dieser Saison aber noch keine Rede sein. In der Theorie sollte gerade Tampa Bays Offensive noch stärker werden - zumindest müsste sie das Niveau der zweiten Saisonhälfte halten. Denn mit 7-5 Siegen waren die Buccaneers gar nicht mal so überragend in die Saison gestartet. Keine große Überraschung, denn Quarterbacks brauchen oft ein wenig Anlaufzeit, um die Offense von Bruce Arians zu erlernen.

Doch nach der knappen Niederlage gegen Kansas City in Woche 12 hat es offenbar "Klick" gemacht: Die "Bucs" kamen aus ihrer spielfreien Woche und gewannen fortan alle vier Saison- und alle vier Playoff-Spiele in beeindruckender Art und Weise.

Schwachstelle behoben

Eine kleine Schwachstelle der Offense wurde übrigens durch die Verpflichtung von Ergänzungs-Running-Back Giovani Bernard geschlossen. Bernard ist ein deutlich bessere Passempfänger als Fournette und Ronald Jones II - und Brady liebt es, seine Running Backs ins Passspiel einzubeziehen.

Wenn man nun voraussetzt, dass es im Gegensatz zur vergangenen Corona-Saison diesmal eine echte Saisonvorbereitung gab und die Offense sich zuvor ja auch schon ein Jahr einspielen konnte, gibt es kaum ein Gegenargument, warum die "Bucs" nicht wieder zu den großen Titelfavoriten gehören sollen.

Schließlich war es auch Brady, der 2005 mit den Patriots letztmals "Back-to-Back-Super-Bowls" holte - und die Steelers von 79 verteidigten ihre Meisterschaft übrigens auch.