Weltmeister Paris und Josef Ferstl - das glückliche Buddyteam

WM-Super-G der Herren

Weltmeister Paris und Josef Ferstl - das glückliche Buddyteam

Von Bernd Eberwein, Are

Josef Ferstl hat bei der alpinen Ski-WM trotz eines beherzten Super-G eine Medaille verpasst. Die holte sich stattdessen sein Freund Dominik Paris, der neue Weltmeister - der Ferstl nicht nur skifahrerisch schätzt.

Vielleicht haben technische Geräte ja doch eine Seele, ein Empfinden. Die großen Videoleinwände im Zielraum von Are fielen beim Super-G der Herren aus, als der Italiener Dominik Paris in den Zielhang kam. Paris, Startnummer drei, legte eine furiose Bestzeit vor. Und die Videoleinwände schienen zu denken: Ok, das war's, der Sieger steht fest. Müssen wir die folgenden Läufer überhaupt noch zeigen?

Ab und an blitzten dann doch wieder Bilder auf. Als der Österreicher Vincent Kriechmayr beispielsweise nur neun Hundertstel hinter Paris ins Ziel kam. Oder zeitgleich mit Kriechmayr der Franzose Johan Clarey. Auch Josef Ferstls beachtlicher Lauf war vom Start bis ins Ziel zu sehen - und sorgte einige Mal für Raunen bei den Skifans in Are. Was der oberbayerische Kitzbühel-Sieger bei seiner dritten WM-Teilnahme zeigte, war stark. Nur: Es reichte eben nicht für eine Medaille.

Ferstl: "Eigentlich happy" - trotz einiger Fehler

"Es sind immer kleine Fehler dabei, wenn man schnell fahren will", sagte Ferstl unmittelbar nach dem Rennen in der Sportschau: "Klar, die vier Zehntel sind überall drin." Vielleicht habe er in der Schlüsselstelle im Steilhang "zu viel rausgenommen." Richtig unzufrieden war er aber nicht. Platz sechs im Super-G - bisher ist es Ferstls bestes Karriere-Ergebnis bei einer Weltmeisterschaft.

Und doch dürfte bei ihm ("Ich bin eigentlich happy") noch die Erkenntnis kommen, dass gerade in diesem Super-G vielleicht doch ganz einfach noch viel mehr möglich gewesen wäre. "Ich denke, dass keiner eine perfekte Fahrt hier gehabt hat", sagte er nämlich auch - und analyiserte das WM-Rennen damit bestens.

Einige Mitfavoriten patzen

Zahlreiche Topfahrer, darunter die Österreicher Hannes Reichelt und Doppelolympiasieger Matthias Mayer, kamen auf der Piste "Olympia" in Are gar nicht ins Ziel. Und die wenigen, die sich vor Ferstl platzieren konnten, gehören allesamt zur absoluten Weltspitze im Alpinsport. Platz sechs - in einem Weltcuprennen ein Top-Ergebnis. Bei einer WM mit nur drei Zehnteln Rückstand aufs Podest aber irgendwie trotzdem eine Enttäuschung.

"Klar, bei einer WM zählen die Medaillen. Da kann man sagen, das habe ich verhauen", räumte er ein. "Das Glück war nicht auf unserer Seite", ergänzte er, auch mit Blick auf den vierten Platz von Viktoria Rebensburg am Vortag. aber: "Es war eine solide Leistung."

Ferstl, Paris, Kitzbühel

Die Brust bei Ferstl war trotz des verpassten Podestplatzes breit. Vielleicht tröstete ihn auch, dass mit Dominik Paris einer seiner besten Buddys zur Goldmedaille fuhr. "Domi ist ein sehr guter Freund von mir", sagte Ferstl: "Ich hoffe, ich habe heuer im Sommer mal Zeit. Dann besuche ich ihn. Er ist einfach ein super Kerl."

Und dann packte Ferstl noch die Kitzbühel-Anekdote aus, dass Paris nach dem Sieg zu ihm gekommen sei, ihn in den Arm genommen hat und sagte: "Du bist ein super Skifahrer." Vermutlich wird Paris auch an diesem Abend noch einmal zu Ferstl (O-Ton Paris: "Es herrscht eine gute Freundschaft") gegangen sein und ihn für seinen beherzten Lauf gelobt haben. Bei den Siegerehrungen der WM sind immer die ersten Sechs auf der Bühne. Zumindest den Jubel der Fans durfte Ferstl nach seinem ersten WM-Rennen 2019 also noch einmal ganz intensiv genießen, wenn auch ohne Medaille. Und das ist ja auch nicht so schlecht, vor allem, wenn ein guter Freund wie Paris daneben steht.

Thema in: Sportschau im Ersten, 06.02.2019, 12.15 Uhr

Stand: 06.02.2019, 15:51

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