Lindsey Vonn - der laute, leise Abschied eines Skistars

Lindsey Vonn auf ihrer letzten Pressekonferenz

WM-Abfahrt in Are

Lindsey Vonn - der laute, leise Abschied eines Skistars

Von Bernd Eberwein, Are

Show und Sport, laut und leise - für Lindsey Vonn immer untrennbar verbunden. Auch am letzten Renntag ihrer Karriere sorgte die extrovertierte US-Amerikanerin erst für ein Highlight auf der Piste und trat dann mit sanften Tönen ab.

Selbst hartgesottene Lindsey-Vonn-Fans mussten bei ihren Auftritten rund um die alpine Ski-WM in Are einige Male tief durchatmen. In einer Pressekonferenz nach dem Super-G - die sie natürlich unbedingt halten wollte, obwohl sie nach einem Sturz nicht einmal ins Ziel gekommen war - schaltete sie per Handy ihren Freund, den Eishockeyspieler Pernell Karl Subban zu. Der musste sich anhören, wie sie allerlei Anzüglichkeiten und flache Witze von sich gab. Dass er nicht spätestens beim Kinderwunsch sein Handy abgeschaltet hat: Respekt für P.K. Subban.

Auch die traditonelle Startnummernverlosung vor der Damenabfahrt nutzte die extrovertierte Vonn zur Selbstinszenierung. Hund Lucy war - natürlich - dabei, bekleidet mit einem Einhorn-Gewand in Regenbogenfarben. Wüsste man nicht, dass ein Cavalier King Charles Spaniel von Natur aus einen eher traurigen Gesichtsausdruck pflegt - man hätte denken können, dass Lucy weint.

Lindsey Vonn und Hund Lucy bei der Startnummernverlosung

Lindsey Vonn und Hund Lucy bei der Startnummernverlosung

Lindsey Vonn trifft ihr Idol Ingemar Stenmark

Auch am Renntag selbst, so schien es, stand ebenfalls die Show und nicht der Sport im Mittelpunkt. Wie angekündigt huldigte sie der schwedischen Ski-Legende Ingemar Stenmark mit schwarz-gelben Farbflächen auf ihrem Rennanzug. Der hatte sich tatsächlich erweichen lassen und war einen Tag früher angereist. "Im Ziel war Ingemar da - das ist ein großer Traum", sagt Vonn in der ARD über die Begegnung. Was Stenmark, der mit insgesamt 86 Weltcupsiegen weiter die Rekordmarke vor Vonn (82) hält, dachte, als dieses lachende Energiebündel neben ihm stand, ist nicht überliefert.

"Ruhig und freundlich", beschrieb sie die schwedische Ski-Ikone, für Vonn "eine Legende". "Er mag nicht so das Scheinwerferlicht", sagte sie, umso mehr freute sie sich über das Treffen und das "perfekt Ende ihrer Karriere." Und offenbar ist bei ihr durch die Nähe des Schweigers Stenmark auch eine gewisse Ruhe eingekehrt. In aller Ruhe analysierte sie ihr Rennen in der ARD-Sportschau.

Ingemar Stenmark und Lindsey Vonn im Zielraum

Ingemar Stenmark und Lindsey Vonn im Zielraum

Vonn: "Cool geblieben, Vollgas gefahren"

"Mein Ziel war auch, dass ich ins Ziel komme", sagte sie nach der doch recht überraschenden Bronzemedaille. Schließlich war es ja zuletzt tatsächlich nicht immer so, dass sie auch heil die Ziellinie querte. "Viel Risko", sei sie gefahren und habe dabei "versucht, einfach locker zu bleiben." Dass es zu einer Medaille gereicht hat? Sie war nicht fehlerfrei, sagte sie, sei aber "cool geblieben und (ist) Vollgas gefahren wie immer."

Medaillen schwerer als der Hund

Auch bei der anschließenden Pressekonferenz, der letzten offiziellen ihrer Karriere, erschien eine in sich ruhende, aufgeräumte Vonn. Sie hatte all ihre WM-und Olympiamedaillen dabei und schnaufte etwas, "schwerer als mein Hund" sei das ganze Edelmetall. Diesmal sorgten die gelegentlich eingestreuten Witze aber, anders als nach dem Super-G, für Schmunzeln. Denn Vonn verzichtete weitgehend auf Drama und Show, sondern blickte entspannt zurück auf eine der einmaligsten Karrieren der Ski-Geschichte.

Keine Tränen mehr übrig

Emotional - wie man vielleicht erwartet hätte - wurde sie nicht. "Ich kann nicht mehr weinen", sagte sie: "Ich will weinen, aber alles ist trocken." Mit dem bevorstehenden Karriereende habe sie sich seit ihrem Comeback-Weltcup in Cortinda d'Amepzzo im Januar befasst. Da war sie in einer schwierigen Phase. Sie wollte nicht, dass die Rennen in Cortina schon ihre letzten waren. Aber jetzt, das tatsächliche Karrierende nach der WM-Abfahrt?

Vonn "wird für immer die Speedqueen bleiben"

"Die coolste Sache ist, wieviel Unterstützung ich bekommen habe von den anderen Athletinnen", sagte sie: "Das ist mehr wert als jeder Sieg." Für Weltmeisterin Ilka Stuhec ist Vonn "die Beste, die Größte." Silbermedaillengewinnerin Corinne Suter sagte respektvoll: "Sie wird für immer die Speedqueen bleiben."

Vonn: "In der wirklichen Welt noch jung"

Vonn hat offenbar tatsächlich den perfekten Moment, den perfekten Tag, das perfekte Rennen erwischt, um von der großen Skibühne abzutreten. Wie es weitergeht? Vielleicht etwas Sport treiben, ansonsten "chillen" mit ihrem Freund und schauen, was das Leben bringt. "Eigentlich bin ich in der wirklichen Welt noch ziemlich jung", lachte die 34-Jährige.

Nur für den Abend, da hatte sie einen festen Plan. Beim Essen traf sie noch einmal ihr Idol Stenmark. "Ich werde ein paar Drinks nehmen", sagte sie, wieder mit einem Lachen. Dann präsentierte sie noch einmal ihre Medaillen (drei olympische, acht bei WM) - und verschwand.

Thema in: Sportschau im Ersten, 10.02.2019, 12.30 Uhr

Stand: 09.02.2019, 16:59

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