"Hopp- oder Top-Spiel" beim Super-G

Viktoria Rebensburg und Mikaela Shiffrin

Alpine Ski-WM

"Hopp- oder Top-Spiel" beim Super-G

Der Super-G "ist immer so ein Hopp- oder Top-Spiel", sagt DSV-Medaillenhoffnung Viktoria Rebensburg vor ihrem ersten Start bei der Ski-WM im schwedischen Are. Leicht wird es nicht für die 29-Jährige, denn nicht nur Topstar Mikaela Shiffrin ist eine starke Konkurrentin.

Rebensburg lässt sich vor dem ersten WM-Rennen nicht aus der Reserve locken. Ihre Teamkolleginnen haben die derzeit beste deutsche Skirennläuferin beim Plausch im Holiday Club von Are zur Medaillenkandidatin im WM-Super-G am Dienstag (12.30 Uhr/ARD) hochgelobt, doch Rebensburg spielt den Ball lässig zurück. Ihr Tipp fürs Podium? "Wenig, Weidle, Pfister", sagt Rebensburg und erntet allgemeines Gelächter. "Also, wenn das stimmt, gewinnst du richtig!," sagt Kira Weidle.

Rebensburg muss mehr Biss zeigen

Das Trio hinter Rebensburg gehört bei der ersten Entscheidung der 45. alpinen Ski-Weltmeisterschaften allerdings zu den krassen Außenseiterinnen. Auch die Teamleaderin hat sich mit nur einer Podestfahrt in diesem Winter im Super-G nicht gerade als Herausforderin von Goldfavoritin Shiffrin (USA) empfohlen. Ihre langjährige Weggefährtin Maria Höfl-Riesch kritisiert bei "t-online", Rebensburg schöpfe in den Speed-Disziplinen "ihr Potenzial nicht voll aus" und sei "nicht gierig genug".

Kein Training - nur Besichtigung vor dem Rennen

Dieser Vorwurf ist nicht neu, auch von Alpinchef Wolfgang Maier muss sich Rebensburg schon mal anhören, sie lasse besonders im Super-G bisweilen "die nötige Brutalität" vermissen. Die zweitschnellste Disziplin sei "wie gemacht" für Rebensburg, sagt auch Chefcoach Jürgen Graller, die 29-Jährige bringe "eigentlich" alles dafür mit. Eigentlich. Der Super-G, sagt Rebensburg in ihrem gemütlichen Sessel in Are, und steckt Bananen und Mandarinen in ihren roten Skisack, "ist immer so ein Hopp- oder Topp-Spiel".

Anders als bei der Abfahrt gibt es kein Training auf der Rennpiste, nur eine Besichtigung - und das hat aus Rebensburgs Sicht so seine Tücken. "Man sieht den Kurs immer schwerer, als er im Endeffekt ist", sagt sie.

Rebensburg sieht sich als Jägerin

Grundsätzlich, meint auch Rebensburg, sei "eine Medaille sicher drin". Als Fünfte 2015 in Beaver Creek und als Vierte 2017 in St. Moritz war sie sehr nah dran. Damit es bei ihrer Rückkehr nach Are, wo sie 2007 als 17-Jährige "mit leuchtenden Augen" ihre erste WM fuhr, endlich klappt, "muss alles zusammenpassen, von oben bis unten", sagt sie: "Ich weiß, dass ich nicht zu den absoluten Favoriten zähle. Ich nehme die Position der Jägerin ein, und das ist eine coole Ausgangssituation." Dass sie bei der WM-Generalprobe am vergangenen Freitag in Maribor in ihrer Paradedisziplin Riesenslalom ausschied, sei "Geschichte", betont Rebensburg. Fitness, Form, Material - "die Basis passt gut". Stört es sie nicht, dass im deutschen Frauen-Team mal wieder (fast) alles von ihr abhängt? "Man hört's, ja", sagt sie, "aber für mich steht die eigene Erwartungshaltung im Vordergrund."

Topfavoritin ist Shiffrin

"Wonder Woman" Shiffrin, von der die ganze Ski-Welt im Super-G die erste von bis zu vier Goldmedaillen erwartet, geht die Sache ähnlich an. Sie wolle "gut Ski fahren", sagt die noch immer erst 23-jährige Amerikanerin, "und sonst nichts". Dass sie unglaubliche 14 ihrer 24 Saisonrennen gewann, darunter die drei Super-G, die sie fuhr? Egal! Shiffrin, Tina Weirather aus Liechtenstein, Nicole Schmidhofer (Österreich), die Norwegerin Ragnhild Mowinckel und Lara Gut-Behrami (Schweiz) stehen in der Weltrangliste allesamt vor Rebensburg. Dazu kommt Sofia Goggia (Italien), die sich nach ihrem Knöchelbruch stark zurückmeldete. "Am Ende", sagt Rebensburg, "zählen nur die ersten drei". Zumindest ihre Teamkolleginnen sind sicher, dass sie eine davon sein wird.

red/sid | Stand: 04.02.2019, 15:20

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