Silbergewinner Andreas Sander - 13 Jahre Warten aufs Podest

Sander holt Silber in der Abfahrt - nur eine Hundertstel trennt ihn von Gold Sportschau 14.02.2021 02:35 Min. Verfügbar bis 14.02.2022 Das Erste

Alpine Ski-WM

Silbergewinner Andreas Sander - 13 Jahre Warten aufs Podest

Von Bernd Eberwein

Andreas Sander sorgt mit Silber in der Abfahrt für eine Sensation bei der Alpinen Ski-WM. Mit 31 Jahren fuhr der gebürtige Westfale, der noch nie auf einem Weltcuppodest stand, zum größten Erfolg seiner Karriere.

Wenn man Andreas Sander an den bisherigen Tagen bei der Alpinen Ski-WM in Cortina d'Ampezzo an den Reportermikrofonen hörte, schwang stets viel Gelassenheit und die Routine von 13 Jahren im Ski-Weltcup mit.

Als es nach dem ersten Training viel Kritik an der neuen WM-Abfahrtspiste gab - zu langsam, zu drehend, so der Tenor - blieb Sander cool. "Grundsätzlich gefällt mir so eine Kurssetzung", sagte er: "Es gibt solche und solche Abfahrten. Ich fühle mich wohl und das ist erstmal die Hauptsache."

Auch am Morgen vor der Königsdisziplin, am Morgen der WM-Abfahrt, wirkte Sander noch lange nicht so, als würde ihn das bevorstehende Rennen groß belasten. "Ich habe mich schon lange nicht mehr so auf ein Rennen gefreut - wenn man sich das Panorama anschaut, die Kulisse, den Schnee, ein Wintertraum", erklärte Sander in der Sportschau.

WM-Start mit großer Gelassenheit

Da stand einer, den im Herbst einer langen Karriere nichts mehr aus der Ruhe bringen konnte. Dabei war es vermeintlich Sander, auf dem der größte Druck gelastet hatte - weil er noch nie zuvor auf einem Weltcuppodest stand.

Super-G-Junioren-Weltmeister war er im Frühjahr 2008 - kurz danach das Weltcupdebüt. Sander galt in jungen Jahren als großes Versprechen für die Zukunft in den schnellen Disziplinen. Sander, der Mann mit dem ungewöhnlichsten Lebenslauf im deutschen Männerteam.

Die Siegerehrung der Abfahrt von Cortina Sportschau 14.02.2021 08:14 Min. Verfügbar bis 14.02.2022 Das Erste

Geboren und aufgewachsen in Ennepetal in Nordrhein-Westfalen, im Ennepe-Ruhr-Kreis, lernte er dort auch das Skifahren. Weit entfernt von den Alpen, die er nur in Skiurlauben kennenlernte. Erst mit 15 Jahren, 2004, erkannte der Deutsche Skiverband (DSV) Sanders Ausnahmetalent - er wechselte nach Bayern an die Ski-Gymnasien in Berchtesgaden und Oberstdorf. Das Allgäu bezeichnet er mittlerweile als seine Heimat.

Das lange Warten auf einen Podestplatz

Doch viel zu selten konnte Sander sein außergewöhnliches Talent auch zeigen. In den ersten Profijahren wechselten sich Welt- und Europacup-Einsätze munter ab, selbst in exotischen Rennen wie dem Südamerika-Cup trat er an. In den zweitklassigen Wettbewerben fuhr er sogar Siege ein, im Weltcup glückte ihm dagegen bestenfalls Platz fünf. Sander konnte sich zwar als solider Top-Ten-Fahrer etablieren, nur für die drei ersten Plätze reichte es eben nie.

Entsprechend verhalten gab sich Sander auch mit dem möglichem WM-Silber dicht vor Augen, an das er wirklich erst glauben wollte, als alle 42 Starter durch waren. "Ich habe nie damit gerechnet als ich im Ziel war, dass ich eine Medaille abhole", sagte Sander über einen gefühlt nur durchschnittlichen Lauf, als er mit Startnummer zwei als Zweiter ins Ziel kam. Schließlich waren da ja noch viele Topfavoriten oben.

Andreas Sander: "Das war ein super Lauf – den nehme ich mit." Sportschau 14.02.2021 01:45 Min. Verfügbar bis 14.02.2022 Das Erste

Erstmals in den Top drei - und das bei einer WM

40 Fahrer später war das Kuriosum dann fix: Nach 13 Jahren im Skizirkus stand Sander zum ersten Mal in einem Toprennen auf dem Podest - und dann gleich noch mit einer WM-Medaille um den Hals.

Am Ende war die Gelassenheit dann auch beim Routinier etwas dahin. "Es ist sensationell, ich weiß nicht, was ich sagen soll", rang der Routinier in der ARD-Sportschau nach Worten: "So richtig begreifen kann ich das nicht." Denn nicht nur für ihn persönlich, sondern auch für die deutsche Ski-Geschichte war der Tag außergewöhnlich.

Der 31-Jährige sicherte sich nämlich auch gleich noch einen Eintrag in den deutschen Abfahrts-Geschichtsbüchern. Denn WM-Abfahrtssilber, das glückte vor ihm bisher nur Hans-Peter Lanig (1960) und Michael Veith (1978). Noch besser war nur 1989 Hansjörg Tauscher, der bisher einzige deutsche Abfahrtsweltmeister.

"Absolutes Sensationsergebnis" DSV-Alpindirektor Maier im Interview Sportschau 14.02.2021 03:51 Min. Verfügbar bis 14.02.2022 Das Erste

Stand: 14.02.2021, 14:08

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