Klartext von Kasper: Der FIS-Präsident, Diktaturen und der Klimawandel

Shitstorm gegen den Skiboss

Klartext von Kasper: Der FIS-Präsident, Diktaturen und der Klimawandel

Von Bernd Eberwein, Are

Gian Franco Kasper - ein Freund von Diktaturen und Leugner des Klimawandels? Mit einem Zeitungsinterview handelte sich der Ski-Weltverbandspräsident einen deftigen Shitstorm ein. Im ARD-Interview versuchte Kasper, die verworrene Situation aufzuklären.

In einem Interview mit dem Schweizer "Tages-Anzeiger" war der Präsident des internationalen Skiverbands FIS zitiert worden, dass es einfacher sei, Sportgroßereignissen in Diktaturen zu veranstalten. "Es ist nun einmal so, dass es für uns in Diktaturen einfacher ist. Vom Geschäftlichen her sage ich: Ich will nur noch in Diktaturen gehen, ich will mich nicht mit Umweltschützern herumstreiten", wurde Kasper zitiert.

Im ARD-Interview erklärte Kasper, wie die Aussage zustandegekommen ist. Er sei gefragt worden "Ist es leichter, in Diktaturen neue Skigebiete und Olympische Spiele durchzuführen oder in normalen Demokratien im Westen?" Kasper habe geantwortet: "Natürlich ist es leichter in Diktaturen, da wird nicht lange diskutiert, sondern einfach gemacht. Aber wir leben im Westen und wir haben uns mit unseren eigenen Gesetzen auseinanderzusetzen."

Die Zeitung habe seine Aussage verfälscht wiedergegeben. Kasper betonte zudem, dass das Interview von seiner Seite nicht autorisiert war, "absolut nicht". Warum er oder die FIS aber dann nicht gegen das Interview vorgegangen sind? "Was wollen Sie machen, wenn Sie 24 Stunden, nachdem ein Artikel erscheint, hören, dass da was drin ist, was nicht in Ordnung war - was wollen Sie nachher machen? Ich glaube, oft ist es besser, ruhig zu sein und den Sturm vorbeigehen zu lassen und dann zu reagieren", sagte der FIS-Präsident.

Kasper und der Klimwandel

Mehr getroffen habe ihn eine weitere Fehldarstellung. Kasper wurde zitiert, dass es "keine Beweise" für eine globale Erwärmung gebe. "Die zweite Anschuldigung ist viel schlimmer: Ich leugne die Klimaerwärmung. Das habe ich sowieso nicht gesagt", erklärte Kasper im ARD-Interview: "Ich glaube nicht an die Klimaerwärmung, aber ich glaube die Fakten, die uns einfach ganz klar zeigen, dass wir im Moment eine Erwärmung haben."

Kasper weiter: "Aber ich wehre mich dagegen, vorauszusagen, dass in zehn Jahren kein Schnee mehr existiert. Das können wir nicht entscheiden, das ist Spekulation. Da werden wir sehen, wie's ist. Aber dass wir im Moment eine Klimakrise haben - da gibt es nichts zu bezweifeln. Aber ob das wirklich heißt, dass in zehn, zwanzig Jahren der Winter vorbei ist - da habe ich meine Zweifel."

Kasper zum Dialog mit Sportlern bereit

Einige Wintersportler hatten Kasper nach dem Zeitungsinterview heftig kritisiert. "Ich weiß auch nicht, wer die Athleten falsch informiert hat. Ganz ehrlich: Ich weiß, dass es gewisse Leute gibt, die die Sache stoßen, dagegen kann man nichts machen. Aber ich glaube, ich muss das aussitzen", sagte Kasper zur Kritik an seiner Person. Gleichzeitig zeigte er sich aber bereit, mit den Sportlern zu reden: "Ich bin gerne bereit, mit jedem Athleten zu diskutieren. Aber wir müssen schon den Tatsachen ins Auge schauen, und wir müssen auch schauen, was ich wirklich gesagt habe. Nicht, was nachher rausgekommen ist."

Stand: 08.02.2019, 16:41

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