Mikaela Shiffrin sieht sich nicht als "Superstar"

Mikaela Shiffrin

Vonn-Erbin

Mikaela Shiffrin sieht sich nicht als "Superstar"

Die Goldmedaille im Super-G hat Mikaela Shiffrin schon. Dabei kommen ihre Paradediszplinen Riesenslalom und Slalom erst noch. Die US-Amerikanerin könnte der Superstar dieser Alpinen Ski-WM werden. Nur eine neue Lindsey Vonn will die 23-Jährige nicht sein.

Bisher steht die Schweizerin Wendy Holdener mit zwei gewonnenen Goldmedaillen (in der Super-Kombination und im Mixed Team Event) noch besser da als Shiffrin. Das könnte sich allerdings bereits am Donnerstag im Riesenslalom (14.15/17.45 Uhr im Liveticker) ändern. Dann geht die frischgebackene Weltmeisterin im Super-G als Topfavoritin ins Rennen. Im Riesenslalom-Weltcup führt die US-Amerikanerin deutlich vor Tessa Worley aus Frankreich und der Slowakin Petra Vlhová. Drei von sechs Saisonrennen hat sie gewonnen.

Im Spezialslalom (Samstag, 11.00/14.30 Uhr) ist Shiffrin sogar noch dominanter. Sieben der acht regulären Weltcup-Slaloms hat sie gewonnen. Nur zweimal konnte sie ihre Konkurrentin Vlhová schlagen - in Flachau und beim City-Event in Oslo.

Stenmark erwartet große Zukunft

Fragt man Experten, wer die Superstars dieser WM werden, fällt Shiffrins Name regelmäßig als Erstes. Auch bei Ingemar Stenmark. Der frühere Skirennfahrer glaubt nicht nur, dass Shiffrin die Schlagzeilen der zweiten WM-Woche bestimmen wird. Er ist sich auch sicher, dass sie schon bald das schaffen wird, was Lindsey Vonn bis zuletzt vergeblich versucht hat - seinen Siegrekord im Weltcup zu überbieten. "Ich denke, dass Shiffrin mehr als 100 Rennen gewinnen wird", sagte der 62-jährige Schwede. Sein Bestwert liegt bei 86 Erfolgen. Als beste Rennfahrerin der Gegenwart steht Shiffrin aktuell bei 56 Weltcupsiegen, ist aber gerade mal 23 Jahre alt.

"Superstar? Vielleicht wachse ich da rein"

Sportlich ist Shiffrin über jeden Zweifel erhaben. Die Rolle als "Superstar" der Ski-Szene, so wie sie ihre Teamkollegin Lindsey Vonn jahrelang ausgefüllt hat, füllt sie aber noch nicht aus. "Vielleicht wachse ich da rein, aber derzeit bin ich damit beschäftigt, meinen eigenen Kalender auszubalancieren und so gut skizufahren wie ich kann", so die 23-Jährige, um mit einem kleinen Seitenhieb auf Vonn zu ergänzen. "Mein großes Ziel ist nicht, ein Drama zu machen, sondern im Starthaus bereit zu sein für den Sieg."

Mikaela Shiffrin

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Shiffrin weiß, dass im Sport auch Show dazugehört. Aber ist sie wirklich der Typ dafür? "Es gibt immer Sportler, die dazu mehr in der Lage sind, als andere. Ich würde gerne glauben, dass es reicht, wenn man eine nette Person ist, ein guter Athlet und Erfolg hat, um den Sport zu promoten. Aber das stimmt leider nicht. Es braucht Drama, Aufregung, richtig große Persönlichkeiten", erklärt sie. Und weiter: "Ich fühle mich nicht als sei ich das Gesicht des Skifahrens. Ich denke mehr darüber nach, was ich zu Mittag esse."

Lockerer als noch bei Olympia

Vor allem denkt Shiffrin inzwischen mehr an sich. Nach den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang, als sie extrem angespannt war und sich übernahm, weil sie zu viele Rennen bestritt, hat sie diesmal auf einen Start bei der Super-Kombination verzichtet, obwohl sie dort sehr gute Goldchancen gehabt hätte. Überhaupt will sie die WM mehr genießen. Vor einem Jahr in Südkorea hatte sie das Gefühl, "als würde das Gewicht der ganzen Welt während der Spiele auf mir lasten", sagte sie in einem Interview dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Mit Hilfe einer Psychologin ist sie diesmal lockerer. Nachdem sie zum Auftakt den Super-G gewonnen hatte, wurde sie zwischenzeitlich auch als "Fan" bei Rennen gesichtet. Normal. Sympathisch. Ein kommender Superstar, auch ohne Drama.

wp/dpa/sid | Stand: 13.02.2019, 11:17

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