Lindsey Vonn - erst spektakulärer Sturz, dann Mediengala

Lindsey Vonn nach ihrem Sturz in Are

Alpine Ski-WM

Lindsey Vonn - erst spektakulärer Sturz, dann Mediengala

Von Bernd Eberwein, Are

Im vorletzten Rennen ihrer Karriere stürzt die US-Amerikanerin Lindsey Vonn spektakulär. Die "Speed-Queen" bleibt bis auf ein paar blaue Flecken unverletzt - und zelebriert anschließend auf einer Pressekonferenz ihr bevorstehendes Karrierende.

Die alpine Ski-WM hat mit einem spektakulären Super-G begonnen. Im Mittelpunkt: die US-Amerikanerin Lindsey Vonn, langjährige "Speed-Queen", die im vorletzten Rennen ihrer Karriere für ganz viel Drama sorgte.

"Ein Denkmal setzen", wolle sich Vonn, sagte ARD-Expertin Maria Höfl-Riesch vor dem Super-G: "Noch eins, sie hat ja schon so viele." Zumindest sorgte Vonn mit ihrem Auftritt im Super-G für einen WM-Auftakt, der lange in Erinnerung bleiben wird. Im Mittelteil des Rennens verlor die US-Amerikanerin die Kontrolle, touchierte ein Tor und landete nach einer spektakulären Flugeinlage in den Fangnetzen. Die Läuferinnen, die da schon im Ziel waren, schlugen die Hände vor die Augen.

Erst als Vonn wieder stand, den Rettungsschlitten ignorierte und dann sogar noch ins Ziel fuhr, wurde die Stimmung im Zielraum wieder ausgelassener. Und während sich andere Läuferinnen nach einem solchen Rennen wohl erst einnmal vor den Medien versteckt hätten, hielt die 34-Jährige Hof. Nicht einmal zwei Stunden nach ihrem spektakulären Sturz präsentierte sich Vonn auf der - geplanten - Pressekonferenz im Medienzentrum von Are. Super-G-Gewinnerin Mikaela Shiffrin ist der Star der Zukunft im Ski-alpin-Zirkus. Doch noch ist Vonn die Königin im Mittelpunkt.

Vonns Spiel mit den Medien

Und die zelebrierte einen ihrer letzten großen Auftritte vor den Journalisten mit Drama, Vergleichen und ungewöhnlichem Humor. "Warum liege ich schon wieder im Zaun? Warum bin ich hier? Ich bin zu alt für diese Scheiße", beschrieb sie ihre Gedanken, als sie im Super-G in den Zäunen lag. Dass sie in ihrer Karriere nur noch ein Rennen, die Abfahrt am Samstag hat? "Nicht jeder kann Tom Brady sein und eine Million Mal den Super Bowl gewinnen", sagte sie. Und überhaupt: Auch die Zeit nach der Karriere - ohne Ski-alpin-Sport - kann sich Vonn durchaus unterhaltsam vorstellen. Wie genau? "Das kann ich euch nicht erzählen, das wäre unpassend ... Ich werde Zeit mit meinem Freund verbringen", sagte sie durchaus vieldeutig. Die Königin des Alpinsports der vergangenen Jahre bot auf einer ihrer letzten Pressekonferenzen noch einmal die erwartete Show.

Das vorzeitige Karrierende

Lindsey Vonn hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass sie nach der WM in Are ihre Karriere beenden will. "Ich werde nächste Woche bei den Weltmeisterschaften in Abfahrt und Super-G antreten. Es werden die letzten Rennen meiner Karriere sein", schrieb die US-Amerikanerin auf ihrem Instagram-Account. Schwere Stürze in den vergangenen Jahren haben Spuren hinterlassen: "Mein Körper ist irreparabel kaputt. Er lässt mich nicht die Abschlusssaison fahren, von der ich geträumt habe. Mein Körper schreit mich an, aufzuhören - und es ist tatsächlich an der Zeit ihm zuzuhören."

Mit 82 Weltcupsiegen ist Vonn die erfolgreichste Skirennläuferin aller Zeiten. Immer wieder hatte sie angekündigt, auch die Männer-Bestmarke - der Schwede Ingemar Stenmark hat 86 Weltcupsiege auf dem Konto - knacken zu wollen. Doch diese Marke bleibt für die Ausnahmeläuferin unerreicht.

Lindsey Vonn - wie einst Hermann Maier?

Ob es aber zumindest noch zu einem letzten Sieg reicht? Vonns Abflug ("Ich bin schon oft genug ins Netz geflogen, ich will das nicht mehr.") erinnerte etwas an den fast schon legendären Sturz Hermann Maiers bei der Olympiaabfahrt 1998 in Nagano. Auch der Österreicher war wild in den Netzen gelandet, kaum einer traute ihm noch etwas zu bei den Winterspielen. Drei Tage später gewann der "Herminator" Gold im Super-G.

Stand: 05.02.2019, 16:38

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