Scharfe Kritik an Reiseverbot für iranische Ski-Trainerin

Die iranische Skirennläuferin Forough Abbasi

Alpine Ski-WM

Scharfe Kritik an Reiseverbot für iranische Ski-Trainerin

Im Iran dürfen Männer ihren Frauen verbieten, das Land zu verlassen. Deshalb konnte die Skitrainerin Samira Sargari nicht zur WM reisen. Die Kritik ist laut. Eine iranische Skifahrerin äußerte am Donnerstag (18.02.2021) in Cortina die Hoffnung, dass sich in Zukunft etwas ändert. Inzwischen hat sich auch die Betroffene selbst zu Wort gemeldet

Das Reiseverbot gegen Irans Cheftrainerin Samira Sargari zur Ski-WM nach Cortina d'Ampezzo durch ihren Ehemann sorgt weiter für Aufsehen. In der islamischen Republik wurde das Gesetz von Menschenrechtlern als rückständig kritisiert und mit Sklaverei verglichen.

Sondererlaubnis für Frauen in "Spitzenpositionen"

Sargari hat sich am Freitag erstmals selbst zu dem Reiseverbot geäußert. "Ich liebe mein Land und habe seit Jahren hart für die Flagge meines Landes gearbeitet", sagte Sargari nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna. "Nun brauche ich die Hilfe und Unterstützung der Behörden". Sie sollen das Ausreiseverbot aufheben und sie zu ihrer Mannschaft in Cortina d'Ampezzo lassen. Die WM in Italien endet allerdings am Sonntag.

Im Iran können verheiratete Frauen ohne die notarielle Erlaubnis ihrer Ehemänner keinen Reisepass beantragen. Auch mit Pass kann der Mann die Ausreise entweder verbieten oder den Pass konfiszieren. Im Iran haben die Ehemänner dazu das Recht, aber bei Frauen in "Spitzenpositionen" könnte die Justiz das Verbot aufheben. Als Trainerin der Nationalmannschaft gehöre Sargari nach Ansicht von Rechtsexperten in Teheran zu den Ausnahmefällen. Das Verbot sollte daher in ihrem Fall revidiert werden, auch wegen der landesweiten Proteste gegen das Ausreiseverbot.

Athletin Abbasi glaubt an Veränderung

Bei den Weltmeisterschaften sagte die iranische Rennfahrerin Forough Abbasi am Donnerstag nach dem ersten Lauf des Riesenslaloms: "Es ist eine Regel im Iran. Wir versuchen, sie zu ändern." Die 27-Jährige und drei ihrer Teamkolleginnen mussten auf Sargari verzichten, deren Mann ihr die Ausreise nicht erlaubt hatte.

"Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Ich wünschte, wir könnten es verändern - alle Frauen im Iran zusammen", sagte Abbasi und zeigte sich zuversichtlich: "Sie werden das sicher ändern. Wir haben so viele starke Frauen, die diese Regel ändern wollen."

Vom Weltverband FIS gab es zunächst keine Reaktion zu dem Fall - am Mittwoch hatte es auf dpa-Anfrage noch geheißen, dass man zunächst Kontakt zum iranischen Skiverband aufnehmen wolle.

Sargari eine "frei Frau"

Grundsätzlich sei das Leben für eine Frau im Iran nicht so hart, betonte Abbasi zudem: "Wir können machen, was immer wir wollen. Es gibt ein paar Regeln wie diese, aber nicht für jeden. Vielleicht eine von tausend Frauen hat diese Probleme." Auch ihre Trainerin Sargari sei "wirklich eine freie Frau, wenn du siehst, wo sie überall auf der Welt war und wie viel sie gereist ist. Manchmal passiert das eben."

Abschaffung des Gesetzes gefordert

Im Iran war die Kritik teils deutlich schärfer. Dass Männer ihren Frauen die Ausreise verbieten können, sei "ein Gesetz, das im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr hat", sagte die renommierte Anwältin Farideh Ghejrat der Nachrichtenagentur Ilna.

Im Ausland werde die Regel nicht akzeptiert, ein Imageverlust insbesondere bei internationalen Großveranstaltungen sei die Folge. Ähnlich wie Rennfahrerin Abbasi fordert sie eine Abschaffung des Gesetzes.

Menschenrechtsaktivist spricht von Sklaverei

Der Menschenrechtsaktivist Hassan Assadi-Sejabadi warf der iranischen Justiz gar Sklaverei vor. "Wir haben es mit einem Rechtssystem zu tun, in dem eine Person über das Schicksal einer anderen Person entscheiden darf (...) dies grenzt an Sklaverei", schrieb der Aktivist bei Twitter. In den sozialen Medien erklärten viele ihre Solidarität mit Sargari und riefen zu einem Shitstorm gegen den Ehemann auf.

Ähnliche Situation schon 2015

In den vergangenen Jahren wurde mehreren iranischen Topsportlerinnen in ähnlichen Situationen wie bei Sargari die Ausreise verboten - etwa Nilufar Ardalan, Kapitänin des Frauen-Hallenfußball-Nationalteams, kurz vor dem Abflug zur Asienmeisterschaft 2015.

Hauchdünne WM-Entscheidung im Riesenslalom der Frauen Sportschau 18.02.2021 02:12 Min. Verfügbar bis 18.02.2022 Das Erste

dpa | Stand: 19.02.2021, 11:02

Darstellung: