Kira Weidle - auf den Spuren von Mittermaier, Seizinger & Co.

Kira Weidle: "Die Medaille wird zwei Wochen nicht abgenommen" Sportschau 13.02.2021 03:15 Min. Verfügbar bis 13.02.2022 Das Erste

Alpine Ski-WM

Kira Weidle - auf den Spuren von Mittermaier, Seizinger & Co.

Von Bernd Eberwein

Kira Weidle rast mit WM-Silber in Cortina d’Ampezzo in die Riege herausragender deutscher Speedfahrerinnen - und das mit erst 24 Jahren. Weidle ist wider Willen die neue "One-Woman-Show" im deutschen Frauenteam.

"Wahnsinn, ich weiß noch nicht ganz, was ich sagen soll, es braucht noch ein bisschen, bis ich es realisiert habe." Unmittelbar nach der WM-Abfahrt in Cortina d'Ampezzo war Kira Weidle einigermaßen sprachlos. Natürlich hatte sie sich viel vorgenommen, natürlich war sie nach Platz fünf im Abschlusstraining am Freitag (12.02.2021) optimistisch gewesen.

WM-Abfahrt: Weidle holt Silber Sportschau 13.02.2021 00:59 Min. Verfügbar bis 13.02.2022 Das Erste

Aber dass es am Ende tatsächlich ein Podestplatz werden könnte? Kira Weidle war seit ihrem Weltcupdebüt 2016 eine Art Wundertüte im Frauenteam des Deutschen Skiverbands (DSV). 2018 glaubte man bereits, Weidle könnte an die Weltspitze anklopfen. Die ersten Top-Ten-Ergebnisse, dann zwei dritte Plätze in der Saison 2018/19.

Schwache Saison - bis zur WM

Im vergangenen Winter herrschte dann aber Stagnation: Vier Top-Ten-Platzierungen gab's zwar. Viel häufiger landetet Weidle aber irgendwo jenseits der 20 oder kam gar nicht ins Ziel. Auch in der WM-Saison durchfuhr Weidle mehr Täler als Höhen. Zwei Mal Platz fünf, ansonsten Platzierungen zwischen zehn und 26 - und das im Jahr eins nach Viktoria Rebensburg.

Weidle, im deutschen Frauenteam die letzte verbliebene Podestkandidatin, schien mit dem Druck, der ihr als Ein-Frau-Team entgegenschlug, zu hadern. Auch wenn sie dies nach außen demonstrativ von sich schob. "Ich will nach Möglichkeit konstant gut fahren, mein Ziel ist, regelmäßig in die Top 15 zu kommen", sagte sie im einem Interview vor Saisonbeginn.

"One-Woman-Show" - na und?

Auch bei der WM in Cortina d’Ampezzo gab sie sich demonstrativ gelassen. Ob sie ihr Dasein als "One-Woman-Show" stört? "Das sollte mich nicht beeinflussen, ich bin froh, dass ich am Start stehe", konterte sie entspannt. Was will sie auch sagen: Eine zweite starke deutsche Speedfahrerin auf Topniveau ist derzeit nicht in Sicht, Weidle kommt zwangläufig die Rolle der Vorzeigefahrerin im Frauenteam zu.

Kira Weidle nimmt diese Rolle mit großer Gelassenheit an. Selbst der enttäuschende Platz 19 im WM-Super-G sorgte nicht für schlechte Stimmung. Negative Gedanken, so scheint es, gibt es im Leben von Weidle nicht.

Beflügelt von Baumanns WM-Silber

Die Starnbergerin schaute stattdessen zu den Männern und auf das Überraschungs-Silber von Romed Baumann. "Einerseits haben wir mit den Herren nicht viel zu tun, aber es tut gleich gut, wenn eine Medaille da ist. Ich weiß und alle anderen wissen, dass bei mir auch sowas möglich ist", hatte sie vor ihrem eigenen WM-Coup noch gesagt.

Dabei hatten ihr wohl nicht mal die Trainer diesen Podestplatz - es ist erst der dritte in ihrer Karriere, Zweite war sie bis zur WM noch nie - zugetraut. Alpindirektor Wolfgang Maier bemühte den Begriff "erstaunlich": "Wenn wir nach dem bisherigen Saisonverlauf gesagt hätten, sie bewegt sich unter den ersten Fünf, wäre es okay gewesen."

Doch es wurde dann sogar Platz zwei. Und mit diesem reiht sich Kira Weidle in die Riege der absoluten deutschen Topfahrerinnen ein. Mit WM-Silber in der Abfahrt steht sie in einer Reihe mit Annemarie Buchner, Irene Epple und Katja Seizinger. In der Königsdisziplin waren bei einer WM nur Heidi Biebl (1960) und Rosi Mittermaier (1976), die jeweils Gold gewannen, besser. Doch mit ihren 24 Jahren hat Kira Weidle ja noch einige Weltmeisterschaften und Titelchancen vor sich.

Ski-WM - die Siegerehrung der Abfahrt mit Kira Weidle Sportschau 13.02.2021 06:46 Min. Verfügbar bis 13.02.2022 Das Erste

Stand: 13.02.2021, 14:10

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