Bode Miller: "Vielleicht gibt es bald keinen Ski-Weltcup mehr"

Bode Miller: "Die Kreativität fehlt heute komplett" Sportschau 08.02.2019 04:35 Min. Verfügbar bis 08.02.2020 Das Erste

Rundumschlag einer Ski-Legende

Bode Miller: "Vielleicht gibt es bald keinen Ski-Weltcup mehr"

Bode Miller rechnet mit dem heutigen Alpinsport ab: Im ARD-Exklusivinterview schimpfte der viermalige Weltmeister über fehlende Kreativität und fehlende Allrounder. Er befürchtet, dass es den Weltcup nicht mehr lange geben wird.

So richtig hat man nicht das Gefühl, dass der viermalige Ski-Weltmeister Miller mit dem aktuellen Zustand seines Sport zufrieden ist. Angesprochen auf die Veränderungen seit seiner aktiven Zeit - im Oktober 2017 war Miller zurückgetreten - redete sich der US-Amerikaner im ARD-Exklusivinterview bei der Ski-WM im schwedischen Are (das gesamte Gespräch zum Nachschauen im Video) fast in Rage.

"Nehmen wir mal das letzte Rennen, das ich in Kitzbühel gefahren bin: Einen Tag vorher kam ich im Trainingslauf mit 2,7 Sekunden Vorsprung an. Aber dann hat sich am Abend jeder meinen Lauf im Video angeschaut - und am nächsten Tag sind sie alle diese Linie gefahren", erklärte Miller und blickte auf die Gegenwart: "Das gibt es nicht mehr, dass eine total andere Linie gefahren wird oder dass einer viel aggressiver fährt oder iregndetwas anders macht. Die Kreativität fehlt heute einfach komplett."

Moderne Skifahrer ohne Ideen

Miller vermisst den Skisport, wie er am Ende des vergangenen Jahrtausends war. "Sowas gab es zuletzt in den 90ern mit Luc Alphand und Hermann Maier", fuhr er fort: "Die Jungs damals haben sich gegenseitig gepusht und ständig nach Wegen gesucht, wie man die anderen schlagen kann. Sie haben in allen Bereichen getüftelt und wollten unbedingt schneller sein als die anderen Fahrer. Heute mache alle immer nur dasselbe und hoffen, dass sie am Ende schnell genug sind."

Auch, was die Zukunft des Ski-Weltcups betrifft, zeichnete Miller eine düstere Zukunft. "Vielleicht gibt es in ein paar Jahren überhaupt keinen Ski-Weltcup mehr. So schätze ich das ein", sagte Miller trocken.

"Ich sehe die Veränderungen. Jeder, der schon lange dabei ist bei diesem Sport, kann das beobachten", erläuterte er weiter. Rennen wie die City-Events "bieten eine Menge Unterhaltung und jeder möchte gerade aus allem eine Show machen. Aber das ist nicht der Gedanke des Weltcups. Der Weltcup hat sich seit langer Zeit nicht weiterentwickelt."

"Es gibt keine guten Allrounder mehr"

Der ehemalige Rennläufer verfolgt vor allem angedachte Änderungen wie die Abschaffung der Kombination mit Sorge. "Ich glaube, es ist eine Schande, dass die alpine Kombination verschwinden wird", so Miller, "aber es gibt momentan auch keine guten Allrounder mehr. Entweder hast du gute Abfahrer oder du hast gute Slalomfahrer."

Aber Sportler, die in allen Disziplinen fit sind? "Die meisten kämpfen sich in der anderen Disziplin den Berg runter. Früher gab es Fahrer, die beides intensiv trainiert haben. Da wurde wirklich der Sportler gesucht, der alles gut kann."

Schlusswort Miller: "Aber so ist es nicht mehr, also hat es an Relevanz verloren", beklagt der US-Boy und plädiert dann doch für eine Abschaffung der Kombination unter diesen Gesichtspunkten: "Denn so macht es keinen Sinn mehr."

Thema in: Sportschau im Ersten, 09.02.2018, 11.30 Uhr

br | Stand: 08.02.2019, 21:29

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