Die Medaillenchancen der Deutschen

Josef Ferstl

Alpine WM in Åre

Die Medaillenchancen der Deutschen

Von Ernst Eisenbichler

Thomas Dreßen verletzt, Pechsträhne bei Stefan Luitz, Felix Neureuther in durchwachsener Form - bei den Herren muss es vielleicht Josef Ferstl herausreißen. Die besten Medaillenchancen bei den DSV-Damen haben wohl eine Altmeisterin und eine junge Hoffnungsträgerin.

Zuletzt war die Stimmung im Speed-Lager der deutschen Herren getrübt. Hatte sich doch eigentlich Thomas Dreßen als ein stabiler Top-Ten-Fahrer etabliert, der plötzlich auch legitimer Anwärter war für einen Podestplatz - oder sogar für einen Sieg. Zwei davon gelangen dem Oberbayern im vergangenen Winter, einer davon auf der legendären "Streif". Klar, dass er die größte Medaillenhoffnung aus deutscher Sicht war. War - denn zu Beginn dieses Winters erlitt der 25-Jährige bei der Abfahrt von Beaver Creek einen Kreuzbandriss. Saison-Aus. Auch Andreas Sander fehlt in Are wegen eines Kreuzbandrisses.

Speed-Rennen: Ferstl einzige Herren-Hoffnung

So blieb dem DSV - was die Speed-Rennen betrifft - nur noch Josef Ferstl. Doch der Oberbayer hatte sich in dieser Saison zunächst nicht aufgedrängt als große deutsche Medaillenhoffnung. Das änderte sich schlagartig Ende Januar beim langen Speed-Wochenende in Kitzbühel. Erst fuhr er in der Abfahrt einen guten siebten Rang heraus. Dann gelang ihm sensationell der Sieg im Super-G auf der "Streif" - sein zweiter Weltcuperfolg nach dem Gewinn des Super-G in Gröden im Dezember 2017. Ferstl hat sich über Ergebnisse für Are qualifiziert. Ohne die Norm erfüllt zu haben, wurden auch die beiden Speed-Fahrer Dominik Schwaiger und Manuel Schmid von Herren-Cheftrainer Mathias Berthold nominiert.

Speed-Rennen: Kira Weidle mit dem großen Coup?

Seit drei Jahren fährt Kira Weidle Weltcup-Rennen. Der Knoten platzte aber erst in dieser Saison. Bei der Abfahrt von Lake Louise fuhr die 22-Jährige als Dritte erstmals in ihrer jungen Karriere aufs Podest. Dieses Ergebnis konnte sie bei der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen wiederholen. Mit drei weiteren Top-Ten-Plätzen in der Abfahrt darf man sie durchaus zum erweiterten Kreis der Medaillen-Anwärterinnen zählen. Vielleicht gelingt aber auch Michaela Wenig eine Sensation. Immerhin gelang der 26-Jährigen ein überraschender fünfter Platz bei der Abfahrt in Gröden im Dezember 2018.

Riesenslalom: Rebensburg fehlt noch WM-Titel

Natürlich muss man bei den Speed-Rennen immer auch Viktoria Rebensburg auf der Rechnung haben. Ihre Lieblingsdisziplin ist allerdings der Riesenslalom. In dieser Saison gewann die Olympiasiegerin von 2010 zwar noch keinen, zweimal war sie aber schon Zweite. Bei der WM 2015 in Vail holte sie Silber, vielleicht kann die 29-Jährige in Åre den Traum von WM-Gold wahr machen.

Technik-Disziplinen: Luitz? Neureuther?

Wie Dreßen in der Abfahrt hätte man auch Stefan Luitz - vor allem im Riesenslalom - zu den deutschen Medaillen-Hoffnungen zählen können. Kann man eigentlich immer noch, aber der Allgäuer wurde zuletzt zur großen Unbekannten. Luitz hat eigentlich sogar das Potenzial zum Siegläufer, das bewies er beim Riesenslalom von Beaver Creek im Dezember 2018. Doch dieser erste Weltcuptriumph wurde dem 26-Jährigen von der FIS wieder aberkannt. Im Januar folgte das nächste Malheur: Beim Riesenslalom von Adelboden kugelte sich Luitz eine Schulter aus - Wettkampfpause. Bis zur WM soll er angeblich wieder fit sein.

Und Felix Neureuther? Für den 34-jährigen Partenkirchner läuft es diese Saison noch nicht rund. Zu Beginn der Saison durch mehrere Verletzungen gehandicapt, gelangen ihm bislang keine Spitzenresultate. Doch die ansprechende Leistung zuletzt beim Slalom von Kitzbühel ließ ihn Hoffnung für Are schöpfen. Außerdem ist Neureuther ein Meister darin, gerade bei großen Wettkämpfen die letzten Reserven zu mobilisieren. Bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften holte er jeweils eine Slalom-Medaille. Gold allerdings fehlt noch.

Felix Neureuther: Der schwierige Weg zurück in die Weltspitze Blickpunkt Sport 29.01.2019 02:34 Min. Verfügbar bis 29.01.2020 BR

Slalom: Geiger zuletzt in Topform

Christina Geiger tourt schon seit 2008 durch den Weltcup-Zirkus. Aber so gut wie derzeit war sie noch nie: Fünfte, Sechste und Siebte wurde sie schon bei Slalom-Rennen in dieser Saison. Ist die 28-Jährige deswegen gleich eine deutsche Medaillen-Hoffnung? Alpinchef Wolfgang Maier bremst höhere Erwartungen. Das Podium sei unrealistisch. "Dazu sind die anderen zu gut", so Maier.

Stand: 30.01.2019, 14:11

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