Mronz, Storymachine und die Heinsberg-Studie: Zum Wohle des Sports?

Michael Mronz

Umfangreiche Verquickung

Mronz, Storymachine und die Heinsberg-Studie: Zum Wohle des Sports?

Von Niklas Schenk und Markus Schmidt

Welchen Einfluss hatte die PR-Agentur "Storymachine" auf die Heinsberg-Studie? Diese Frage ist längst ein Politikum in Nordrhein-Westfalen. "Storymachine" gehört unter anderem dem Sportmanager Michael Mronz. Es stellt sich die Frage, ob der Sport von diesen Verquickungen rund um die Studie profitieren sollte.

Am Gründonnerstag vor Ostern stellte der Bonner Virologe Hendrik Streeck zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet die Zwischenergebnisse seiner Heinsberg-Studie vor. Viel Kritik gab es im Anschluss etwa daran, dass die Dokumentation der Studie von der PR-Agentur "Storymachine" begleitet wurde, die zu 40 Prozent dem Sportmanager Michael Mronz gehört. 

Michael Mronz: Politik, PR und Sport

Mit dieser ungewöhnlichen Konstellation von Wissenschaft, PR und Politik beschäftigt sich zur Zeit der Düsseldorfer Landtag. Die SPD hat kleine Anfragen an die Landesregierung gestellt und kritisiert nun auch die Rolle des Sportmanagers Mronz. Auch der deutsche PR-Rat sieht erheblichen Klärungsbedarf. Er befragt zurzeit die beteiligten Firmen, unter anderem "Storymachine" und die Geldgeber, die die Agentur zur Finanzierung der Unterstützung des Forschers Streeck organisiert hatte.

Bekannt ist bislang, dass zwei Firmen die Vermarktungs-Arbeit von "Storymachine" mit 30.000 Euro unterstützt haben. Auf Anfrage von sportschau.de wollte sich der PR-Rat nicht zu den Vorfällen äußern, da man es als "schwebendes Verfahren" ansehe.

Michael Mronz verdient sein Geld mit dem Sport: Er berät Unternehmen, Verbände und Vereine in den Bereichen Sportsponsoring und Sportmarketing. Mronz vermarktet zudem etwa als Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH den CHIO Aachen - die größte Reitveranstaltung der Welt. Und: Mronz gründete die Privatinitiative "Rhein Ruhr City 2032", um die Olympischen Spiele nach Nordrhein-Westfalen zu holen.

Der Virologe und der Sportmanager

Der Virologe Streeck und Sportmanager Mronz wiederum kennen sich nach eigener Auskunft schon seit Jahren, etwa durch die Arbeit in der Deutschen AIDS-Stiftung. Mronz ist demnach das Bindeglied zwischen dem Virologen Streeck und der Firma "Storymachine", an der Mronz Anteile hält. Mronz erklärte gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger", dass er Streeck Hilfe bei der Heinsberg-Studie persönlich angeboten habe.

Der Bonner Virologe Prof. Dr. Hendrik Streeck

Der Bonner Virologe Prof. Dr. Hendrik Streeck

Streeck hatte vorab die Hoffnung geäußert, dass seine Erkenntnisse dazu beitragen könnten, die rigiden Beschränkungen des öffentlichen Lebens wieder herunterzufahren oder aufzuheben. Seine Studie war die erste ihrer Art in Deutschland und war vom Land Nordrhein-Westfalen mit gut 65.000 Euro finanziert worden.

"Der Sport profitiert von den Lockerungen"

Für Sarah Philipp, parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion NRW und Verfasserin dreier kleiner Anfragen zur Heinsberg-Studie, ist klar, dass Mronz ein Eigeninteresse an den Ergebnissen der Corona-Forschungsstudie hatte: "Der Sport profitiert von den Lockerungen. Alles das, was an positiven Ergebnissen in der Heinsberg-Studie ins Feld geworfen wurde, ist etwas, von dem Sport und Sportveranstaltungen profitieren."

Die Ergebnisse der Heinsberg-Studie hätten maßgeblich zu den politischen Entscheidungen und damit auch zu den Lockerungen beigetragen. "Wir haben die letzten Wochen gesehen, dass gerade das Thema Fußball, wann startet die Bundesliga wieder, ein Riesenthema gewesen ist. Da fehlt mir manchmal die Verhältnismäßigkeit", sagt die SPD-Politikerin und fragt: "Ist es richtig, beim Profifußball sich solche Gedanken zu machen? Der Ministerpräsident ist ja auch mit seinem bayerischen Kollegen Söder beim Thema Bundesligastart sehr schnell vorgeprescht. Und dabei reden wir in Nordrhein-Westfalen immer noch darüber, wann Schulen starten können – das finde ich unverhältnismäßig."

Drehbuch für die Inszenierung der Studie

Mronz hat sich auf sportschau.de-Anfrage nicht dazu geäußert, ob er mit seiner Agentur "Storymachine" an der Heinsberg-Studie mitgearbeitet habe, um eine Botschaft zu platzieren, von der er als Sportmanager profitiert. Wäre es so, dann hätte es ihm zumindest kurzfristig nicht genutzt: Der CHIO in Aachen und das ebenfalls von ihm vermarktete Tennisturnier in München sind inzwischen abgesagt.

SPD-Politikerin Philipp: "Wozu ein PR-Konzept für eine wissenschaftliche Studie?" Sportschau 15.05.2020 11:08 Min. Verfügbar bis 15.05.2021 Das Erste

Wichtige Indizien zur Arbeit von "Storymachine" bei der Heinsberg-Studie liefert ein 22-seitiges internes PR-Konzept. Laut der Wirtschaftszeitschrift "Capital" wurde es – während die Forschungsarbeiten liefen – an mögliche Sponsoren verschickt. Es lese sich wie eine Art Drehbuch für die Inszenierung der Studie und der erhofften Ziele, heißt in dem Bericht.

In dem PR-Konzept wurden vor der Veröffentlichung der eigentlichen Forschungsergebnisse Ziele und Botschaften benannt, die erreicht und transportiert werden sollen. Im sogenannten Drei-Phasen-Konzept heißt es etwa, dass es sich bei der Heinsberg-Studie um eine wissenschaftliche Studie handele, die repräsentativ für die "Gesamtbevölkerung" sei. Man forsche vor Ort "mit dem klaren Ziel, (…) die Situation entlang wissenschaftlicher Erkenntnisse so schnell wie möglich wieder zu normalisieren".

Steuerung der Politik?

Die Karlsruher Professorin für Wissenschaftskommunikation, Annette Leßmöllmann, kritisierte gegenüber dem ARD-Magazin "Kontraste" die Tätigkeit von "Storymachine" für die Heinsberg-Studie: "Es ist der Eindruck zurückgeblieben in diesem Protokoll, dass da schon vorher die Ergebnisse bekannt waren und schon vorher auf diese Ergebnisse hin agiert wurde, um die Botschaft in die Öffentlichkeit zu bringen: Die Lockerung des Lockdowns ist eine gute Sache, und wir werden euch Fakten liefern. Dieses Versprechen kann von der Wissenschaft eigentlich nicht gemacht werden“.

Kritiker wie die SPD-Politikerin Philipp sagen: "Wenn von vornherein klar war, wie die Studie abläuft und was nach außen getragen wird, dann wird der Eindruck erweckt, dass ein PR-Konzept bestimmt, wie Politik zu laufen hat“.

Partner aus dem Sport? Fragen bleiben unbeantwortet

"Storymachine" gibt es seit 2018. Sportmanager Mronz sowie Kai Diekmann, Ex-BILD-Chefredakteur, halten jeweils 40 Prozent Anteile am Unternehmen, Philipp Jessen (früher beim STERN) hält 20 Prozent. Unternehmenszweck von "Storymachine" ist laut "Moneyhouse"-Wirtschaftsinformationen: "Die strategische Beratung von Unternehmen, Privatpersonen und öffentlichen Trägern in Fragen der Kommunikation, (...) die Generierung von Content und deren Distribution über Plattformen wie Facebook, Instagram, Twitter“.

"Storymachine" hat nach eigenen Angaben wichtige Player in Deutschland unter Vertrag, hält die Namen der Unternehmen aber geheim. Die "Storymachine"-Inhaber um Diekmann und Mronz dementieren jegliche Einflussnahme auf die Forschungsergebnisse. "Storymachine" hätte die Ergebnisse der Studie nur dokumentiert, die Ergebnisse selbst seien aber unabhängig entstanden.

"Storymachine" äußerte sich auf sportschau.de-Anfrage nicht dazu, ob auch kommerzielle Sportunternehmen zum Kundenstamm der PR-Firma gehören. Auch auf die Frage, ob die Mitarbeit an der Heinsberg-Studie neben den bekannten Partnern auch von solchen aus dem Sport unterstützt wurde, äußerte sich die Agentur nicht.

Laschet und Mronz trommeln für "Rhein Ruhr 2032"

Mronz konzentriert sich inzwischen fast vollständig auf "Storymachine" und das Rhein-Ruhr 2032-Projekt. An der von ihm gegründeten Sportagentur "MMP" hält er inzwischen keine Anteile mehr. *
Für "Storymachine" war Mronz das Bindeglied zum Virologen Streeck. Ob er auch einen Kontakt zu seinem Bekannten, dem NRW-Ministerpräsidenten Laschet, in dieser Angelegenheit hergestellt hat?

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet

In diesem Zusammenhang schreibt die Staatskanzlei in ihrer Antwort auf die kleine Anfrage der SPD, die Landesregierung habe von der Zusammenarbeit von Streeck und "Storymachine" über die Facebook-Seite von "Storymachine" erfahren und keinen Anlass gesehen einzugreifen, um auf die Öffentlichkeitsarbeit eines Wissenschaftlers Einfluss zu nehmen.

Mronz äußerte sich auf Anfrage von sportschau.de auch nicht dazu, ob er persönlich mit Laschet gesprochen habe, als sich die Arbeit seiner PR-Agentur an der Heinsberg-Studie anbahnte. SPD-Politikerin Philipp nennt es "zumindest auffällig", dass die Namen Michael Mronz und Armin Laschet auch bei der Heinsberg-Studie wieder zusammen auftauchen. Laschet und Mronz mit seiner Initiative "Rhein-Ruhr City 2032" rühren seit Monaten die Werbetrommel, um die Olympischen Spiele 2032 nach Nordrhein-Westfalen zu holen.

Ob "Storymachine" mit der Landesregierung auch im Zuge der Olympiabewerbung 2032 zusammenarbeitet? Und ob es in der Privatinitiative "Rhein Ruhr 2032" auch Partner gibt, die ebenfalls bei "Storymachine" unter Vertrag stehen? Auch auf diese Fragen reagierte Michael Mronz, Deutschlands wohl bekanntester Sportmanager, nicht.

Accounts nahezu inaktiv

Als Hendrik Streeck Anfang Mai das Ergebnis der Heinsberg-Studie präsentierte, blieb die PR-Agentur übrigens so gut wie unsichtbar. Die Ergebnisse verkündete Streeck der Presse in seinem Bonner Labor. Sie sind noch nicht "peer reviewed", also von anderen Wissenschaftlern überprüft. Die Aussagekraft der Heinsberg-Studie für ganz Deutschland wird in der Fachwelt stark angezweifelt. Auf eine Pressekonferenz – so wie bei der Präsentation der Zwischenergebnisse - verzichtete er dieses Mal.

Die Accounts in den sozialen Netzwerken, auf denen "Storymachine" zur Heinsberg-Studie twitterte oder postete, sind seit Mitte April nahezu inaktiv. Anfang Mai wurde nur ein kurzer Tweet abgesetzt, der auf die Pressemitteilung von Streecks Uni in Bonn verwies. Streeck sagte zum Vorgehen gegenüber dem WDR: "Die Kritik lässt einen nicht unbeeindruckt."

* Korrektur: In einer früheren Version hieß es, Herr Mronz halte an seiner Sportagentur "MMP" inzwischen nur noch zehn Prozent Anteile. (19.5., 12.50 Uhr)

Stand: 19.05.2020, 12:53

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