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Aus dem Archiv von sportschau.de
08.02.2012 | 12:32 Uhr
Manni Breuckmanns persönliches WM-Fazit
Von überschäumender Freude bis tiefer Melancholie: Für WDR2-Reporter Manni Breuckmann war die Fußball-WM in Deutschland eine Zeit großer Gefühle. Aber auch überraschender Momente, wie er im Interview erzählt.
sport.ARD.de: Wie geht es Ihnen am Morgen nach dem Finale?
Manfred Breuckmann: Leicht ermattet. Aber mit der wunderschönen Aussicht auf den bevorstehenden Urlaub, dem blauen Himmel über Berlin, ist alles einfach wunderbar.
Wie haben Sie das Finale erlebt?
Breuckmann: Ich habe im Stadion die Hörfunkreportage gemacht. Dann kam natürlich die Verlängerung, das Elfmeterschießen, die Siegerehrung - das war schon ein hartes Stück Arbeit. Aber es war sehr spannend. Elfmeterschießen mag der Reporter sehr gerne, das ist diese typische Zölf-Uhr-Mittag-Situation, eine schöne Dramaturgie.
Haben Sie eigentlich die Tätlichkeit von Zidane gesehen?
Breuckmann: Wir waren völlig entsetzt über das, was Zidane da gemacht hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ohne eine gravierende Provokation passiert ist. Er darf das trotzdem nicht machen, das ist klar. Aber ich nehme an, dieser Materazzi hat irgendetwas Hässliches über Zidanes algerische Mutter gesagt.
Und jetzt ist die WM vorbei - spüren Sie eine gewisse Leere?
Breuckmann: Das war ja schon so an den spielfreien Tagen. Aber das gibt sich sehr schnell. Bei mir ist der Motor ja seit vier Wochen ziemlich auf Hochtouren gelaufen. Der muss jetzt allmählich wieder runterkommen.
Was ist Ihr persönliches Fazit des Turniers?
Breuckmann: Ich habe alles gehabt, was ich haben wollte. Ich konnte mit Ausnahme des letzten alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft übertragen. Es war Niedergeschlagenheit und eine gewisse Melancholie da nach dem Halbfinale gegen Italien. Es war eine überschäumende Freude da nach dem Elfmeterkrimi gegen Argentinien. Auch manche andere Spiele haben mir gut gefallen. Ich habe es zum Beispiel sehr genossen, wie die Franzosen die Brasilianer weggefidelt haben. Das ganze Drumherum war klasse, obwohl ich nie auf die Fanmeile gegangen bin - bei 15 Spielen hatte ich Menschenansammlungen genug. Schlecht wird's allerdings dann, wenn irgendwelche wichtigen Leute Fußballinteresse vortäuschen, um Punkte zu machen.
Was war der schönste Moment dieser WM für Sie?
Breuckmann: Das war eindeutig dieser Moment, als Lehmann die beiden Elfmeter von Argentinien gehalten hat. Es gab aber auch kleine Momente, die sehr anrührend waren. Zum Beispiel im Spiel Australien gegen Italien, da standen die australischen Spielerfrauen hinter dem Tor und hatten ihre Kinder auf dem Arm. Und so ein dreijähriger Sohn hat sich wohl von der Mama ein Pappschild malen lassen, auf dem stand: "Come on Daddy". Das fand ich so süß, auch wenn es nicht geholfen hat.
Und welcher Moment ist Ihnen negativ in Erinnerung geblieben?
Breuckmann: Das war das Gemetzel zwischen den Holländern und den Portugiesen. Das fand ich ganz furchtbar. Wie dieser Hamburger Boulahrouz da zugetreten hat, der hätte gleich runtergehört. Das war ein Augenblick, bei dem man mal die hässliche Seite des Fußballs gesehen hat. Der traurigste Augenblick war, als die deutsche Mannschaft nach dem Halbfinale in Dortmund mit gesenkten Köpfen um den Platz herumtrottete. Und die spielten dann "You never walk alone". Das geht einem schon nahe.
Haben Sie an Ihrem Auto eine Deutschlandfahne?
Breuckmann: Nie im Leben! Ich bin kein Fan, ich bin Journalist, und das ist ein großer Unterschied. Bei mir heißt das kritische Sympathie. Keine Neutralität, natürlich nicht, wenn die deutsche Mannschaft spielt, drücke ich ihnen den Daumen, und das darf man in der Reportage auch durchaus hören.
Hat Sie das Abschneiden der deutschen Mannschaft überrascht?
Breuckmann: Ich habe immer gesagt, dass sie die Vorrunde überstehen, aber im Achtelfinale Schwierigkeiten bekommen. Spätestens im Viertelfinale gegen Argentinien ist dann Schluss, habe ich gedacht. Fehleinschätzung.
Vor allem haben die Deutschen keine langweiligen Spiele gezeigt.
Breuckmann: Ja, es war das Allergrößte, dass man sich auf die Spiele der Deutschen freuen konnte und kein einziges Mal enttäuscht wurde. Das hat es seit ewigen Zeiten nicht mehr gegeben. Der Rumpelfußball scheint vorbei zu sein. Allerdings: Ab September kriegen wir wieder Schwarzbrot, da kommen die Iren, und es gibt das erste Qualifikationsspiel für die Europameisterschaft. Da wird es nicht immer Sonnenschein geben. Und ob dann Klinsmann noch dabei ist, wissen wir auch noch nicht.
Das Gespräch führte Rainer Kellers
Stand: 10.07.2006, 12:13 Uhr
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