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Aus dem Archiv von sportschau.de
08.02.2012 | 12:30 Uhr
Ungewöhnlicher Einsatz in der Halbzeitpause
Von Peter Schneider
Ein verdächtiger Koffer, 1.500 Fußballfans und ein spontaner Polizist: Das sind die Zutaten für einen der ungewöhnlichsten Polizeieinsätze bei der WM.
Eigentlich arbeitet Ralf Jehring als Polizeikommissar in Bonn. Bei Großereignissen wie der WM ist er allerdings auch im so genannten Alarmzug im Einsatz. So auch am 20. Juni, dem Tag, als Deutschland auf Ecuador traf. Einsatzort: Die Zülpicher Straße in einem Kölner Kneipenviertel. "Wir erhielten Anfang der ersten Halbzeit einen Hinweis auf einen verdächtigen Koffer, der auf einem Auto stand", berichtet Jehring. Der Verdacht: Es könnte eine Bombe im Koffer sein. Spezialisten des Landeskriminalamtes standen schon bereit, um den Inhalt des Koffers unter die Lupe zu nehmen. "Das Problem war aber, dass in vier Keipen rund um den Fundort noch etwa 1.500 Fußballfans das Spiel schauten.
Der Einsatzplan stand fest: In der Halbzeitpause sollten die Kneipen geleert werden. Das klappte mit Hilfe der Wirte noch ganz gut. "Als wir dann aber die Straße weiträumig absperren wollten, standen wir vor einer Wand von Menschen", erzählt Jehring. Die Stimmung drohte zu kippen, denn die Fans wollten zurück zu den Fernsehern. "Ich bin dann auf einen Container geklettert und habe mit Handzeichen versucht, die Leuten zum Zurückgehen zu bewegen."
Was Jehring nicht erwartet hatte: "Das wurde allerdings anders interpretiert: Die haben einfach meine Handzeichen wiederholt - und winkten zurück." Es habe sogar Sprechchöre gegeben, die ihn zum Weitermachen aufforderten. Spontan fasste Jehring einen Entschluss: Er animierte die Zuschauer zu einer ersten La Ola-Welle. "Ich bin ein alter Schalke-Fan - da weiß ich ja wie sowas geht", lacht der Kommissar.
Die "Animation" des Polizisten kam gut an: "Da haben immer mehr Leute mitgemacht - das war super. Jetzt kann ich mir vorstellen, wie sich die Spieler im Stadion fühlen, wenn sie nach dem Spiel gefeiert werden." Die Fans hatten jedenfalls viel Spaß mit dem 40-Jährigen: "Die Leute blieben sogar stehen und feierten weiter, als die Kneipen schon längst wieder geöffnet hatten." Und ein bisschen Starruhm bekam der 40-Jährige auch noch ab: "Später in der Stadt haben mich Menschen wiedererkannt und nach Autogrammen gefragt - das war wirklich verrückt."
Knapp 20 Minuten dauerte der gesamte Einsatz. Der Koffer stellte sich als harmlos heraus.
Stand: 07.07.2006, 10:48 Uhr
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Original Polizeivideo vom Fan-Wellen-Einsatz