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Aus dem Archiv von sportschau.de
08.02.2012 | 12:31 Uhr
Nach dem letzten WM-Spiel in Dortmund
Der Traum von der deutschen Weltmeisterschaft ist geplatzt. Die Stadt Dortmund hinterlässt aber einen bleibenden Eindruck und gewinnt mehr als einen WM-Titel.
Es hätte der krönende Abschluss sein können. Und wenn der WM-Beauftragte der Stadt Dortmund, Gerd Kolbe, Einfluss auf das Spiel gehabt hätte, dann wäre Deutschland der Sieg sicher gewesen. Gerd Kolbe war und ist in den vergangenen Wochen und Monaten Tag und Nacht unterwegs gewesen, damit die WM in der Stadt reibungslos läuft. Über 3.000 Überstunden hat er angesammelt. Auf das Ergebnis ist er stolz, auch wenn es ihm wohl nie einfallen würde, sich selbst hervorzuheben. So auch, wenn es darum geht eine Bilanz zu ziehen. Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer hebt die Teamleistung hervor, spricht von einem 6:0 für Dortmund nach den sechs Spielen und freut sich vor allem über die Gastfreundschaft: "Das hat man den sturen Westfalen nicht zugetraut, so feiern zu können." Bemerkenswert für Gerd Kolbe war auch die Freundlichkeit: "Jedes Lächeln, das die Dortmunder den Gästen gaben, kam auch wieder zurück. Das war für mich das größte Geschenk bei der WM."
Aufgefallen ist das vor allem auf den Fanfesten in der Westfalenhalle und auf dem Friedensplatz. Einziger Wermutstropfen: Beim Spiel Polen gegen Deutschland gab es einige unschöne Szenen. Über mehrere Stunden musste die Polizei den Alten Markt abriegeln und Hooligans in Gewahrsam nehmen.
Bei den Fanfesten mussten mehrfach die Kapazitäten ausgebaut werden, zuletzt bis auf 80.000 Menschen. Dortmund war an der Belastungsgrenze. Als selbst das nicht ausreichte, wurde die Fanmeile von den Gästen kurzerhand ausgedehnt, so dass schätzungweise 250.000 Menschen in Dortmund waren. Es blieb, bis auf wenige Ausnahmen, immer ein friedliches Fest während der WM. "Ein brasilianischer Journalist hat gesagt, die Dortmunder feiern so ausgelassen fröhlich, dass es ein bisschen wie brasilianischer Karneval ist. Sie sind die Brasilianer Nordrhein-Westfalens", sagt Gerd Kolbe für den das das größte Kompliment während der ganzen WM war.
Und tatsächlich gab es auch karibischen Karneval in Dortmund. Einen Tag nach dem ersten Spiel zogen Tänzer und Gruppen aus Trinidad und Tobago durch die Innenstadt. "Das fand ich genial. Ich habe in Dortmund noch nie ein derartig farbenfrohes Fest gesehen", beschreibt Gerd Kolbe sein persönliches Highlight. Dabei war die Auswahl groß: Die Red Hot Chilli Peppers spielten in der Westfalenhalle, auf dem Friedensplatz war es Jeanette Biedermann - jeden Tag ein anderes Programm, vom Oktoberfest bis zum Gottesdienst.
Die Stadt hat sich dafür besonders herausgeputzt: Mehr als 200 Flaggen waren gehisst. Die Verwaltung hatte über 10.000 kleine Stabfahnen ausgegeben und die Dortmunder haben privat weiter geschmückt. "Dortmund ist eine schöne Frau, die sich zum besonderen Anlass Schminke auflegt", so Gerd Kolbe.
Eine Frau, die sich jede Nacht neu herausgeputzt hat. Insgesamt 274 Tonnen Müll haben die Entsorgungsbetriebe in den Nächten weggeräumt, davon alleine 62 Tonnen nach dem Halbfinale. Die Gäste sollten Dortmund sauber und von der besten Seite erleben.
Die Stadt hat dafür gekämpft. ihr Image aufzupolieren. Das ist nach Einschätzung der Verantwortlichen gelungen. Schätzungsweise 200.000 Menschen haben in Dortmund übernachtet. Das Angeobt reichte vom Feldbett in der Westfalenhalle über Camping-Zelte bis hin zum Edel-Zimmer in der Nobelherberge. Der Hotel- und Gaststättenverband ist mit dem Ergebnis zufrieden. Doch besonders gut sind die rund 4.000 Übernachtungen bei Privatleuten den Gästen in Erinnerung geblieben. Manfred Rothermund vom Dortmunder Tourismusverband hätte sich nur gewünscht, dass auch die klassischen Tourismusangebote, wie Stadtführungen, mehr nachgefragt worden wären.
Vielleicht wird es ja etwas bei den nächsten Großveranstaltungen. Die Dortmunder Verantwortlichen blicken optimistisch in die Zukunft und wollen von der WM-Euphorie viel auf die Handball WM im Jahr 2007 und die Kulturhauptstadt Ruhrgebiet 2010 übertragen. Und eins möchte Bürgermeister Gerd Langemeyer auf jeden Fall vermeiden: "Wir dürfen nicht in die Provinzialität zurückfallen."
Stand: 05.07.2006, 20:15 Uhr