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WM 2006

08.02.2012 | 12:29 Uhr

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Vor Ort - In Nordrhein-Westfalen

Dortmunder vermieten Zimmer und Häuser privat

Die Welt zu Gast im Wohnzimmer

Von Markus Rinke

Stellen Sie sich vor, wildfremde Menschen übernachten in Ihrem Bett. Sie selbst sind derweil ausquartiert und Gast in ihrer eigenen Wohnung. Rund 170 Dortmunder vermieten Zimmer und ganze Häuser an Fußballfans.

Fünf Menschen an einem Tisch; Rechte: WDR / Rinke Bild groß Hier wird das WM-Motto greifbar.

Morgens um elf in einem Neubaugebiet im Dortmunder Süden. Nur die Ghana-Fahne, die aus dem Fenster hängt, gibt einen kleinen Hinweis darauf, dass im Haus Nummer 35 gerade vier Ghanaer beim Frühstück sitzen. Die Hausherrin, Silke Hengstenberg, hat ihnen ihre Wohnung überlassen, wie zuvor schon WM-Touristen aus Schweden und der Schweiz.

Für die Fußballfans aus Ghana war es eine anstrengede Nacht: "Das deutsche Bier ist einfach fantastisch", erklärt Noel Kpatakpa und macht sich gleich eins für den Nachdurst auf. Allerdings beeilt sich der Geschäftsmann zu betonen, dass Bier zum Frühstück die Ausnahme ist.

Schlafen zwischen Plüschtieren

Zwei Wochen sind die vier Freunde inzwischen in Deutschland. Sie haben alle Spiele ihrer Nationalmannschaft gesehen: "Wir haben die erste Nacht in Dortmund im Hotel übernachtet. Dann hatten wir die Option auf Hotelzimmer in Bochum oder Essen, doch die waren sehr teuer", sagt Noel Kpatakpa. In Ghana hatte Johnny Blukoo-Allotay schon von den Privatzimmern gelesen, doch erst wieder daran gedacht, als der Tourismusverband das Angebot ansprach: "Hotelräume sind schon komfortabel aber nicht sehr gemütlich, das hier ist sehr persönlich. Und du kannst dich auch mal in den Garten setzen." Geschlafen haben die vier Geschäftsleute in Kinderzimmern zwischen Plüschtieren und Schmetterlingen oder im Schlafzimmer auf dem Dachboden.

Nur ein kleiner Blick in den Kühlschrank

Blick in den Kühlschrank; Rechte: WDR / Rinke Bild groß Mahlzeit: Bier, Weißbrot und Schokolade

Hausherrin Silke Hengstenberg hat sich in dieser Zeit bei Freunden einquartiert. Wenn Gäste in ihrem Haus sind, schaut sie meist einmal am Tag vorbei. Allerdings nicht aus Sorge, sagt sie: "Ich habe da keine Probleme mit. Mitgemacht habe ich vor allem aus Neugierde." Deshalb schaut sie auch in den Kühlschrank: "Bei den Ghanaern ist mir aufgefallen, dass sie Weißbrot und teure Schokolade im Kühlschrank hatten. Bei den Schweden war es Bier, kleine Schnäpse, Packungen von Eis und diverse Saucen." Insgesamt weiß sie von ihren Gästen nur Gutes zu berichten: "Die waren alles so weltgewandt, kosmopolitisch und vor allem nett."

Schweden - Land ohne Rollläden?

Allerdings kennen Schweden anscheindend keine Rollläden. "Die haben sich einen Kleiderschrank vors Fenster gezogen und eine Decke vorgehängt." Das waren allerdings die einzigen Spuren, die die Gäste hinterlassen haben. Richtig überrascht war Silke Hengstenberg sogar von ihren vier jungen Schweizern: "Die haben das Haus klinisch rein hinterlassen. Da habe ich im Bad nicht einen Wasserfleck gesehen. Die haben sogar unter den Betten gesaugt und zum Abschied einen sehr netten langen Brief hinterlassen."

Gemeinsame Feiern und Besuche

Die guten Erfahrungen von Silke Hengstenberg haben andere Vermieter bestätigt, wie Sigrund Späte vom Dortmunder Tourismusverband sagt: "Am Anfang haben wir das eigentlich nur als zusätzliche Unterkunft gesehen. Aber es etwas ganz anderes daraus geworden. Hier wird wirklich das Motto 'Die Welt zu Gast bei Freunden' gelebt." Die rund 170 privaten Zimmer und Häuser seien zu den WM-Spielen in Dortmund ausgebucht. Zwischen 23 und 28 Euro kostet die Übernachtung. Doch das sei nebensächlich, häufig seien Freundschaften entstanden. So hat zum Beispiel der Dortmunder Christian Köppen mit Nachbarn und seinen schwedischen Gästen eine große Grillparty gefeiert. Andere Familien haben schon Gegenbesuche geplant. Beim Dortmunder Tourismusverband kommen viele Dankes-Mails von Mietern und Vermietern an, so Sigrund Späte: "Eine richtige Erfolgsgeschichte."

Stand: 02.07.2006, 07:04 Uhr

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