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WM 2006

08.02.2012 | 12:32 Uhr

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sport.ard.de

Vor Ort - In Nordrhein-Westfalen

WM in Gelsenkirchen: Viel Party und kaum Randale

Die Welt zu Gast auf Schalke

Von Katja Goebel

Eine ständig ausverkaufte Schalke-Arena, eine viertel Million Besucher auf den Fanfesten, portugiesische Straßenfeste, Fiesta Mexikana und meist ruhige Einsätze für die Polizei - Gelsenkirchen zieht eine positive WM-Bilanz.

Fans vor dem Stadion; Rechte: WDR/Goebel Bild groß Fans vor der Schalke-Arena

"Wir waren auf alles vorbereitet, aber dass so viele ausländische Fans nach Gelsenkirchen kommen würden, das hätten wir nicht gedacht", freut sich Stadtsprecher Martin Schulmann. "Allein zum Mexiko-Spiel hatten wir 20.000 Mexikaner in der Stadt. Die fahren übrigens gerne Straßenbahn. Die Straßenbahngesellschaft Bogestra hatte allein am Spieltag der Mexikaner 55.000 Fahrgäste. Die Fans sind immer quer durch die Stadt von einem Fest zum anderen gefahren." Bis zum letzten WM-Spiel in Gelsenkirchen wurden rund eine halbe Million Fahrgäste allein im Stadtgebiet befördert.

Polizeibeamte als Foto-Objekt

Auch das eingerichtete Call-Center, die erste Anlaufstelle für WM-Touristen, musste nach wenigen Tagen personell aufgestockt werden. Meistens hätten die Leute noch ein Hotelzimmer gesucht. "Oder sie haben schlicht gefragt, wo sie ein Taxi bekommen können." Allein 200 freiwillige Helfer der Stadt waren im Dauereinsatz. Dazu kamen noch einmal rund 1.000 FIFA-Helfer. Einer von ihnen ist Christian Stach. Der half anreisenden WM-Gästen am Gelsenkirchener Hauptbahnhof weiter. "Die Stimmung war großartig. Die Fans haben ja schon hier am Bahnhof zusammen gefeiert, gesungen oder ihre Trommeln geschlagen. Manchmal war's allerdings schon etwas laut."

Draußen vor dem Bahnhof hatte auch die Gelsenkirchener Polizei einen Infostand. "Eigentlich wollten wir die Ankommenden über Taschendiebstahl aufklären", erzählt Bernd Friedrich vom Kommissariat Vorbeugung. Aber gerade die ausländischen Fans hatten dann doch ganz andere Sorgen. "Denen mussten wir erklären, wo sie noch einen Schlafplatz finden konnten oder eine Möglichkeit, sich zu waschen." Und Fotomodell habe man ganz oft spielen müssen, ergänzt Polizei-Kollege Ulrich Dörtelmann. "Wir sind jetzt auf mindestens 150 Erinnerungsfotos."

"Wir hatten während der WM weniger Strafdelikte als bei normalen Bundesligaspielen", so Polizeisprecher Peter Nowak. Und manchmal waren die Beamten auch einfach nur Retter in höchster Not. Zum Beispiel, als ein ecuadorianischer Gast seinen Reisebus verpasste und völlig aufgelöst auf der Wache erschien. Als der Bus zufällig die Straße passierte, nahmen die Beamten erfolgreich die Verfolgung auf, und die Rückreise des Fußballfans war gesichert.

Engländer auf der Trabrennbahn

Portugiesin mit Fanschal; Rechte: WDR/Goebel Bild groß Organisierte ein Straßenfest: Elisabeth Silva

Während sich die Hoteliers vor allem an Spieltagen über volle Betten freuen konnten, war so mancher Gastwirt im Norden der Stadt vom Umsatz enttäuscht. "Die hatten sich schon mehr von der WM erwartet. Aber die Fans wussten nun mal nicht, dass es in Gelsenkirchen zwei Zentren gibt. Eines im Süden in der Nähe des Hauptbahnhofes und eines im Norden", erklärt Martin Schulmann.

Zweimal musste das Fanfest in der Glückaufkampfbahn wegen Überfüllung geschlossen werden, immer dann, wenn Deutschland am Ball war. Für die Stadt der Grund, die Kapazitäten gegen Ende noch einmal zu erweitern. Zwei Tage vor dem Viertelfinalspiel der Deutschen wurde in der Glückaufkampfbahn noch eine zweite Leinwand aufgebaut. So fanden schließlich 30.000 Besucher auf dem Fanfest Platz.

Einen besonders Coup ließ sich die Stadt schließlich vor dem Spiel England-Portugal einfallen. Für die britischen Fans wurde eine "English-Fanzone" auf der Gelsenkirchener Trabrennbahn eingerichtet. 20.000 Briten konnten hier das Spiel ihrer Mannschaft verfolgen. Die Übertragung auf der Großbildleinwand wurde von einem britischen Sender in englischer Sprache übernommen.

Gratis-Konzert für Anwohner

Dickes Lob zollt Martin Schulmann auch den Gelsenkirchenern. "Vor allem die, die ganz dicht an den Schauplätzen wohnen, mussten gute Nerven haben. Die wurden schließlich jeden Abend bis in die Nacht beschallt. Da hat sich aber keiner beschwert. Jetzt laden wir alle direkten Anwohner des Fanfestes zu einem Konzert ein."

Mit Abpfiff in Gelsenkirchen ist aber längst nicht Schluss mit lustig im Revier. In der Glückauf-Kampfbahn gibt es bis zum 9. Juli nicht nur Ballzauber auf der Leinwand, sondern auch Rock und Pop auf der Konzertbühne.

Stand: 02.07.2006, 10:17 Uhr

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