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Aus dem Archiv von sportschau.de
09.02.2012 | 08:32 Uhr
Das Herz schlägt für Ghana
Beim Spiel der "Black Stars" aus Ghana gegen Brasilien wird Schauspielerin Liz Baffoe im Dortmunder Stadion mitfiebern. Sie ist Deutsche mit ghanaischen Wurzeln und kennt sich im Fußball gut aus. sport.ARD.de sprach mit der "Lindenstraßen"-Darstellerin über ihre Liebe zu Ghana und ihre WM-Begeisterung.
sport.ARD.de: Kannten Sie die Namen Kuffour und Essien schon vor der WM?
Liz Baffoe: Ja, klar. Ich weiß, dass Essien in England spielt, bei Chelsea, und der Kuffour hat schon bei den Bayern gespielt. Mein Bruder ist ja als Manager der Nationalmannschaft direkt involviert, deswegen habe ich schon einen direkten Draht zu denen.
Also interessieren Sie sich nicht erst seit dem Erfolg der ghanaischen Nationalmannschaft für Fußball?
Baffoe: Ich hatte immer großes Interesse an Fußball. Gerade weil mein Bruder ja selbst Fußballer war und auch für die "Black Stars" gespielt hat. Ich war auch oft mit der ganzen Familie im Stadion, um ihn anzufeuern. Ich gehe gerne ins Stadion, weil da wirklich eine tolle Atmosphäre herrscht. Es ist ja auch sehr lustig auf der Tribüne, mit den ganzen Kommentaren und den Leuten, die alle meinen, dass sie die besseren Trainer seien.
Sie haben ja jetzt auch schon einige WM-Spiele im Stadion genossen. Wie ist denn die Stadion-Atmosphäre während einer solchen Weltmeisterschaft?
Baffoe: Es ist einfach unglaublich. Man muss es erlebt haben, das ist schwer in Worte zu fassen. Da ist einfach so ein Gemeinschaftsgefühl, man gratuliert sich gegenseitig, und es ist so schön, dass so viele Nationalitäten hier sind und sich einfach verstehen.
Beim entscheidenden Spiel Ghana gegen Tschechien waren Sie auch im Stadion. War es etwas Besonderes für Sie, dass die Partie in Köln stattgefunden hat?
Baffoe: Ich war wirklich froh, dass mein Land hier in Köln spielt. Die Kölner sind ja absolute Frohnaturen, und die haben die Ghanaer so gefeiert. Das ging mir so ans Herz, mir kamen schon fast die Tränen.
Haben Sie die Spieler inzwischen auch persönlich kennen gelernt?
Baffoe: Ja, das ist so eine tolle Truppe, die halten wirklich zusammen. Ich habe ja das große Glück, dass mein Bruder als Manager Teil des Teams ist. Also habe ich die Möglichkeit, da überall rein zu kommen.
Wie unterhalten Sie sich denn mit den Spielern?
Baffoe: Es gibt in Ghana viele unterschiedliche Sprachen. Ich spreche zum Beispiel Fanti, das spricht nicht jeder. Und da ist es einfacher, sich in Englisch zu unterhalten, weil das alle verstehen.
Was hat das ghanaische Team während der WM für ein Bild von Deutschland bekommen?
Baffoe: Die waren natürlich schon irritiert, als vorher die Meldungen kamen über Rassismus in Deutschland, und dass in Potsdam jemand angegriffen worden ist. Da hatten einige schon ein bisschen Angst. Mein Bruder meinte aber dann, kommt erstmal und schaut euch das an, es sind nicht alle so. Inzwischen sind alle absolut begeistert von Deutschland.
Wie ist das mit ihrer Verwandtschaft in Ghana? Ist die auch positiv überrascht von der WM in Deutschland?
Baffoe: Ja, auf jeden Fall. Vor allem fanden sie es so toll, dass Deutsche während der Spiele aufgestanden sind und gerufen haben: "Steht auf, wenn ihr für Ghana seid!" Das hat alle wirklich berührt.
Es wird ja gesagt, dass nach dem Ausscheiden der anderen afrikanischen Mannschaften alle Hoffnungen des afrikanischen Kontinents auf Ghana ruhen. Empfinden Sie das auch so?
Baffoe: Ja, Ghana steht jetzt wirklich stellvertretend für ganz Afrika. Das kann man sich in Europa so nicht vorstellen. Für uns ist das aber eine ganz große Ehre, und wir sind stolz, dass wir bis hierhin gekommen sind. Als wir gegen Tschechien gewonnen haben, haben auch einzelne Spieler der Elfenbeinküste und von Togo angerufen. Die haben alle gratuliert und gesagt, ihr müsst jetzt die Stellung halten.
Was wäre, wenn Ghana auf Deutschland treffen würde? Für welches Land würde ihr Herz mehr schlagen?
Baffoe: Für Ghana. Klar, ich bin hier aufgewachsen und groß geworden, aber meine Wurzeln liegen ganz eindeutig in Ghana.
Und wie sieht der Dienstag bei Ihnen aus?
Baffoe: Ich werde erstmal zum Spiel nach Dortmund fahren, und dann schicken wir die Brasilianer allesamt nach Hause. Danach wird zusammen mit der Mannschaft und Freunden gefeiert.
Das Interview führte Nina Giaramita.
Stand: 27.06.2006, 08:55 Uhr