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Aus dem Archiv von sportschau.de
09.02.2012 | 09:06 Uhr
Das Spiel Deutschland gegen Polen
Von Markus Rinke
Feiernde Fans, begehrte Fernseher, ein geschlossener Platz und Randale. In Dortmund herrscht beim und nach dem Polenspiel der Ausnahmezustand. Völlig gegensätzlich sind die Eindrücke von Polizei und Fans.
Deutschland gegen Polen in Dortmund: Kathrin, Kai, Nils, Rabea und Matthias sind extra aus Hamm und Bochum in die Stadt gekommen, um zu feiern. Eigentlich wollten sie zum Fanfest auf den Friedensplatz. Doch der ist schon am frühen Abend geschlossen, da die Grenze mit rund 16.000 Besuchern erreicht ist. Auch vor der Westfalenhalle stehen viele Fans und werden nicht mehr hineingelassen - wegen Überfüllung geschlossen.
Insgesamt, so eine vorsichtige Schätzung der Polizei, waren wärend des zweiten deutschen Gruppenspiels weit über 100.000 Besucher in Dortmund. Für viele ist da vor den Leinwänden kein Platz mehr, die Fans stehen vor den Kneipen bis auf die Straßen, Hauptsache ein Fernseher ist noch zu erkennen.
Trotzdem ist Rabea mit ihrem Ausflug nach Dortmund zufrieden: "Wir sind in Dortmund bei der WM, zu Hause am Fernseher könnte die WM auch in Südkorea sein." Bunt gemischt stehen Polen und Deutsche beieinander und schreien "Deutschland" oder "Polska". Es ist friedlich, doch aus anderen Stadtteilen berichtet die Polizei anderes.
Video
"Es war keine gute Stimmung hier in Dortmund", zieht Polizeipräsident Hans Schulze auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz mitten in der Nacht auf Donnerstag (15.06.06) Bilanz. Am frühen Mittwochabend (14.06.06) hatte die Polizei rund 120 Hooligans vor einer Kneipe eingekesselt. Nur durch das konsequente Einschreiten der Polizei sei eine Auseinandersetzung zwischen Hooligans vermieden worden.
Schulze räumte aber gleichzeitig ein, dass sich rund 100 Hooligans bereits vor dem Eintreffen der Beamten, die aus dem ganzen Stadtgebiet herangezogen wurden, abgesetzt hätten. Der Einsatz habe eine Dimension erreicht, die für Dortmund alles bisherige gesprengt habe, so Schulze. Besonders besorgt ist der Polizeipräsident aber vor allem darüber, dass die Fans insgesamt sehr aggressiv gewesen seien: "Vermutlich gibt es dafür ein ganzes Ursachenbündel: Die Erwartung der Fans, dass hier die Post abgeht, das warme Wetter und der Alkohol", so Schulze. Insgesamt wurden 429 Personen vorübergehend in Gewahrsam genommen. 278 der gewaltbereiten Fans waren Deutsche, 119 kamen aus Polen und die übrigen aus anderen Ländern. Am Donnerstagmorgen befanden sich alle wieder auf freiem Fuß.
Schon während des Spiels hatte sich die Situation wieder beruhigt, so dass dann der Sport in den Mittelpunkt rücken durfte. Nach dem glücklichen Sieg zogen die Menschenmassen in die Innenstadt. Dort, wo Stunden vorher Hundertschaften den Alten Markt abgeriegelt hatten, feierten anschließend die Fans.
uz | Stand: 15.06.2006, 04:22 Uhr