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Aus dem Archiv von sportschau.de
09.02.2012 | 13:28 Uhr
Volunteers berichten über ihren Alltag
Mehr als 13.000 freiwillige Helfer - so genannte Volunteers - sind während der WM im Einsatz. Wir schauen drei von ihnen jeden Tag über die Schulter. Sie arbeiten in Gelsenkirchen, Köln und Dortmund - und haben eine Kamera in der Tasche.
Jeden Tag werden die Fotos veröffentlicht, die von den drei Volunteers während, vor und nach ihren Einsätzen im Stadion aufgenommen wurden. Gab es aufregende Situationen oder war der Tag eher langweilig? Haben Sie prominente Zuschauer getroffen? Fallen die freiwilligen Helfer abends erschöpft ins Bett oder beginnt die eigentliche Party erst nach dem Spiel? Einblicke hinter die Kulissen des Turniers und Einblicke in das Leben als Volunteer - Renate Weber, Sebastian Dietz und Jakob Horstmann zeigen sie im foto.log.
In Dortmund wird Renate Weber im Einsatz sein. "Mein Job ist es, die Besucher zu ihren Plätzen zu bringen, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und die Sicherheitskräfte zu unterstützen", erzählt sie. Vom Spiel wird sie wahrscheinlich nur wenig mitbekommen. Das sei auch nicht so wichtig, findet die 35-Jährige. "Ich habe mich nicht wegen der Spiele für die Aufgabe beworben", erzählt sie: "Ich wollte dieses außergewöhnliche Ereignis unterstützen und einfach dabei sein." Ehrenamtliche Arbeit ist für sie nichts neues. "Ich habe zwei Kinder, da bleibt wenig Zeit für einen regulären Job", erzählt sie. Die Volunteer-Einsätze ließen sich hingegen gut mit den familiären Verpflichtungen vereinbaren: "An den Spieltagen muss sich mein Mann um die Kinder kümmern." Der hatte sie schließlich vor mehr als zwei Jahren auf die Idee gebracht, sich zu bewerben: "Da muss er jetzt durch."
Einen ganz ähnlichen Job wie Renate Weber hat Sebastian Dietz. Er wird im Besucherservice des Gelsenkirchener Stadions im Einsatz sein. Ein Job, den er sich vor zwei Jahren noch nicht vorstellen konnte. Damals hatte der 21-Jährige - zwei Tage nach seinem 19. Geburtstag - einen schweren Autounfall. Die Ärzte diagnostizierten eine Lähmung vom Hals abwärts und machten dem passionierten Fußballer wenig Hoffnung, jemals wieder richtig laufen zu können. Doch durch unermüdliches Training gelang es Sebastian Dietz, buchstäblich wieder auf die Beine zu kommen. Sein großes Ziel: die Paralympischen Spiele 2008 in Peking. Vom Fußball stieg er um auf Leichtathletik und gehört heute zu den Medaillenhoffnungen des Deutschen Teams bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August 2006. Während der Fußball-WM wird er daher täglich trainieren, um sich für den Wettkampf fit zu machen - vorausgesetzt, er hat keinen Volunteer-Einsatz im Stadion.
Die Torwarthandschuhe von Jakob Horstmann werden in den kommenden Wochen wohl in der Tasche bleiben. Der 21-jährige Torwart des Kiersper SC aus dem Sauerland wird sich bis zum Ende der WM um das "Volunteer Management" am Kölner Stadion kümmern. "Ich freue mich total, dass es noch geklappt hat", erzählt Horstmann. Der Sportstudent hatte sich erst zu Beginn des Jahres beworben. Der Grund: "Ich will bei der WM dabei sein - und so nah wie als Volunteer komme ich da wohl nicht mehr hin." Den WM-Virus habe ihm vor Jahren sein Großvater übertragen, sagt er. "Mein Opa hat sämtliche WM -Bücher im Schrank." Und die habe er sich schon als Kind immer angeschaut. Jetzt ist Jakob Horstmann bei der WM dabei - und der Opa wird mächtig stolz auf seinen Enkel sein.
Stand: 08.06.2006, 09:23 Uhr