Zur Navigation.
Zum Inhalt.
Zur rechten Spalte.

Aus dem Archiv von sportschau.de

WM 2006

09.02.2012 | 08:30 Uhr

Suche im Angebot der WM 2006

sport.ard.de

Vor Ort - In Nordrhein-Westfalen

Sexuelle Ausbeutung als Schattenseite der WM

Rote Karte für Zwangsprostitution

Von Stefanie Hallberg

Die Vorbereitungen für die Fußball-WM laufen auf vollen Touren. Hoteliers und Kneipenwirte rechnen mit dem großen Geschäft - genauso wie Zuhälter und Bordellbesitzer. Mit Blick auf hunderttausende von Männern, die das Mega-Event besuchen werden, geht das Milieu auf die Suche nach Prostituierten.

"In der Ukraine und Litauen geht bei der Suche nach Prostituierten gerade die Post ab", sagt Schwester Leonie Beving von der Hilfsorganisation Solwodi in Duisburg. Ähnlich ist die Situation in Tschechien. ARD -Korrespondent Peter Hornung berichtet von Anfragen deutscher Nachtclubbesitzer bei Etablissements vor Ort.

"Diese Anfragen kommen nicht punktuell, sondern im großen Stil, zum Beispiel von einem großen Bordell in Köln" sagt Hornung. Auch in einschlägigen Rubriken von Zeitungen erscheinen immer wieder Anzeigen, in denen das deutsche Rotlicht-Milieu nach Frauen für Sex-Dienste in Deutschland sucht.

Keiner weiß, wie viele kommen

Hornung rechnet damit, dass allein aus Tschechien mehrere Hundert Frauen nach Deutschland einreisen könnten, um dort anzuschaffen. Wie viele Frauen freiwillig oder unter Zwang kommen werden, weiß keiner genau, weder das Innenministerium in Düsseldorf noch Polizei oder Hilfsorganisationen. "Es werden sicher mehr sein als zu den normalen Messen wie 'Jagd und Hund'", schätzt Regina Uysal von der Mitternachtsmission in Dortmund.

Und wie zu anderen Zeiten auch, komme eine Teil der Frauen legal, während andere mit falschen Versprechen nach Deutschland gelockt würden. "In Osteuropa zum Beispiel werden Anzeigen geschaltet, in denen nach Messehostessen oder Haushaltshilfen gesucht wird", erzählt Schwester Leoni. Einmal in den Händen des Schleusers oder Zuhälters werde den Frauen meist Pass und Geld abgenommen. Dann zwinge man sie brutal dazu, im Bordell oder auf dem Strich ihren Körper zu verkaufen. Solwodi rechnet damit, dass selbst Frauen, die freiwillig einreisen, um mit Prostitution das versprochene gute Geld zu machen, Opfer von Zwangsprostitution werden könnten.

Für WM-Städte eher ein Randthema

Die offiziellen Stellen in NRW bleiben aber ruhig. "Wir sind gut darauf vorbereitet, die Kriminalität in diesem Bereich wirksam zu bekämpfen", heißt es im Düsseldorfer Innenministerium. In den drei nordrhein-westfälischen WM-Städten betont man, dass Prostitution legal sei und Zwangsprostitution eher ein Randthema. Und das werde derzeit ziemlich "aufgeblasen", so eine Sprecherin der Stadt Köln. Man habe bewährte Strukturen, um das Milieu zu überwachen, auf die man während der WM zurückgreifen werde.

Auch die Dortmunder Polizei fühlt sich bezüglich Zwangsprostitution gut gewappnet. Sie will die "Szene", zu der sie nach eigenen Angaben gute Kontakte hat und die "ohnehin transparent" sei, während der WM fast rund um die Uhr kontrollieren. Die Gelsenkirchener Polizei weist darauf in, dass sie im Jahr 2005 lediglich drei Fälle von Menschenhandel zu bearbeiten hatte. Die Stadt geht davon aus, dass sich WM-Gäste bei Bedarf in Richtung Bochum und Essen orientieren.

Gegen sexuelle Ausbeutung

Für die Hilfsorganisationen ist jede Zwangsprostituierte eine zu viel. Für sie ist die WM eine willkommene Gelegenheit, um das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen. Der Deutsche Frauenrat hat die Kampagne "Abpfiff - Schluss mit Zwangsprostitution" gestartet. Unterstützt wird sie unter anderem vom Bund Deutscher Kriminalbeamter und, nach scharfer öffentlicher Kritik, auch vom DFB. Neben T-Shirts sollen Broschüren und Trillerpfeifen die Aktion bekannt machen. "Stoppt Zwangsprostitution" ist eine weitere Kampagne, mit der unterer anderem die Gewerkschaft der Polizei potenzielle Freier dafür sensibilisieren will, dass in Deutschland Frauen und Mädchen zu sexuellen Diensten gezwungen werden.

Mit Blick auf die WM wurden auch Hilfsangebote aufgestockt. Mehrere Notrufe und Hotlines für betroffene Frauen und besorgte Freier wurden eingerichtet und Broschüren zur Aufklärung gedruckt. Regina Uysal von der Mitternachtsmission: "Die wenigsten Freier haben ein Interesse daran, zu einem gequälten Opfer von Menschenhandel zu gehen."

Stand: 28.05.2006, 09:53 Uhr

Links im WWW

  • empfehlen Beitrag weiterempfehlen
Die ARD ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.

WDR-Logo
Jubelkorso
Grafik Autos

Kicken - Klicken - Korsen

Drei mal klicken -
endlos jubeln

Die Spielerfrau des Tages
Frauenhals; Rechte: dpa/wdr [m] bhm

Die Panina-Parade 2006

Die Spielerfrauen in der Übersicht [mehr]

Hallo, Frau Fifa...
Jörg Thadeusz; Rechte: wdr

Die Anrufe des Thadeusz

Frau Fifa hat sie alle noch. [Audios]

Weblog
Stefan Domke; Rechte: WDR

Die WM in NRW

WDR-Reporter Stefan Domke im Weblog. [mehr]

Bilder, Bilder, Bilder
Fans in NRW; Rechte: WDR/dpa [m]bhm

WM-Fotos aus NRW

Vier Wochen WM-Party - die besten Bilder. [mehr]

Standort:
© WDR 2005