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WM 2006

08.02.2012 | 11:36 Uhr

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Vor Ort - Rund um Berlin

Streetfootball-WM

James holt den Titel

Von Inga Laas

James ist 17 Jahre alt, aus Ghana und jetzt seit sieben Jahren in Deutschland. Weil sein Land nicht offiziell bei der Streetfootball-Weltmeisterschaft in Berlin- Kreuzberg antreten durfte, wollte James es wenigstens mit einer hierzulande zusammengesuchten Mannschaft vertreten. Das hatte er sich vorgenommen. Als Anerkennung für Ghana. Und als Zeichen. Doch es kam ein bisschen anders.

Das Team hatte er schon zusammengestellt: fünf seiner ghanaischen Freunde. Sie hatten sich sogar ghanaische Trikots besorgt. Allerdings fehlte ihnen nur noch eins, die Anmeldung. Wir begleiteten ihn.

Im Hauptbüro des Streetfootball Komitees in Berlin-Charlottenburg stehen wir vor verschlossener Tür. Nach einigen Telefonaten entpuppt sich die zunächst vermutete Mittagspause als ein Umzug in die Kreuzberger Naunystraße. Nachdem James dem Anmeldekomitee sein Anliegen, jetzt noch eine ghanaische Mannschaft ins Spiel zu bringen, vorgetragen hat, zeigt man sich skeptisch. Nach ein paar Telefonaten und Überlegungen ist die Antwort ein klares "Nein". Ghana soll nicht antreten. Vom Chef angeordnet.

James bleibt am Ball

James aber probiert es trotzdem weiter. Mit Erfolg. Man findet dann doch Zeit für ihn und der Chef persönlich nennt ihm die Gründe: Ghana soll als symbolischer Akt nicht vertreten werden. Die Lücke im Spiel soll deutlich bleiben und an Stelle des geplanten Spiels soll ein Film über Ghanas Straßenfußball gezeigt werden. Hinzu kommt, dass die Vorrunde bereits gelaufen ist. Es ist also zu spät für James und sein Team, um an der Streetfootball-WM teilzunehmen.

Was im Vorfeld passierte

In der finalen WM-Woche (02.07.- 08.07.06) waren in Berlin-Kreuzberg Straßenkinder aus aller Welt zusammen gekommen, um auf dem Mariannenplatz nach eigenen Regeln und ohne Schiedsrichter um den Streetfootball-Weltmeisterschaftstitel zu kicken.

Warum die deutsche Botschaft kurz vor Turnierstart ausgerechnet den Mannschaften aus Ghana und Nigeria die Einreise und somit die Beteiligung an der Streetfootball-WM verweigert hatte, blieb unverständlich und unangenehm. Da sowohl Ghana als auch Nigeria keine ausreichende Verwurzelung der angemeldeten Spieler in ihrem Heimatland nachweisen könnten und die Kinder aus zerrütteten und ärmlichen Familienverhältnissen stammten, sei die Gefahr, dass die Afrikaner sich in Deutschland absetzen zu hoch, so das Auswärtige Amt.

Dass solche Vorhaben wie Streetfootball genau solche Kinder unterstützen, um ihnen etwas anderes als Gewalt, Drogen, Armut und Hilflosigkeit zu zeigen und ihnen den Mut, den Willen und das Ziel, die Dinge zu verändern zu vermitteln, scheint niemanden zu interessieren.

Auf zur Kiez-WM

Doch James blieb hartnäckig. Auch wenn er mit seinem Team bei der Streetfootball-WM nicht antreten konnte, die "Kiez WM" am nächsten Tag wurde für ihn ein voller Erfolg. Das Turnier fand im Anschluss an die Streetfootball-WM statt, die Kenia übrigens im Finale gegen Südafrika im Elfmeterschießen entschied. Und wie sich zeigte, hatte James bei der Auswahl seines Teams ein glückliches Händchen.

James erzählt: "Als wir auf dem Fußball-Platz am Mariannenplatz ankamen, haben uns alle komisch angesehen. Die dachten wohl, wir sind das richtige Team aus Ghana! Es war nicht einfach zu gewinnen, wir mussten uns ja gegen sieben Teams durchsetzen. Als wir dann im Viertelfinale gewonnen hatten, kriegten wir Riesenapplaus. Alle riefen 'Ghana -Ghana!'."


James und sein Team fühlten sich nun besonders angespornt: "Das Viertelfinale und das Halbfinale waren echt schwierig. Das Finale war dann ein Kinderspiel: Wir haben 5:1 gewonnen. Wir haben uns super über den Pokal gefreut, denn so etwas hält man nicht oft in den Händen."

Ein guter Trost

Die wirkliche Herausforderung aber kam für James und sein Team nach dem Finale. Sie schlugen in einem Freundschaftsspiel die Streetfootballer aus Bolivien mit 7:5 und waren damit zumindest symbolisch dabei, bei der Streetfootball-WM 2006 dabei.

PS: James will den Pokal in den nächsten Tagen dem ghanaischen Botschafter in Berlin überreichen.

Stand: 07.07.2006, 08:00 Uhr

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