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Aus dem Archiv von sportschau.de
08.02.2012 | 11:35 Uhr
Zuneigung mit Fahnen
Von Nizam Namidar
Diese deutsche Elf hat uns allen Spaß gemacht. Auch uns Türken in Deutschland. Denn schließlich haben wir Fahnen an unsere Autos, Läden und Wohnhäusern angebracht . Und jetzt?
In Eintracht überm Berliner Fensterkreuz - die deutsche und die türkische Fahne
Nun ist passiert, was viele eigentlich viel früher erwartet haben. Die deutsche Nationalmannschaft ist gegen eine clevere italienische Mannschaft ausgeschieden. Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir auch zugeben, dass die Italiener besser waren. Trotzdem kann und muss man auf diese Klinsmann-Jungs nur stolz sein.
Getragen von der riesigen Euphorie der Fans, die ja seit Jahren wieder 'mal etwas gefunden hatten, woran sie sich erfreuen können, hat diese Mannschaft ehrliche Arbeit geleistet. Diese deutsche Elf hat uns allen Spaß gemacht.
Auch uns Türken, die in Deutschland leben. Es ist nicht anders zu erklären, warum wir sonst deutsche Fahnen an unsere Autos, Läden und Wohnhäuser angebracht haben. Zugegeben, würde die Türkei bei der WM spielen, würden viele nur die türkische Fahne schwenken. Aber die türkische Nationalmannschaft war nach 1954 nur 2002 dabei, und wir Türken haben in den rund 40 Jahren in Deutschland schon einige Weltmeisterschaften ohne sie erleben müssen. Nein, allein die Kompensation ist es nicht. Es ist auch die Sehnsucht, Gemeinsamkeiten mit der Mehrheitsgesellschaft zu haben, Emotionen zu teilen, und auf diesem Weg auch auf Augenhöhe angesehen und anerkannt zu werden.
Zusätzlich hat die Mischung der Nationalmannschaft, die, wenn auch nicht ganz - mit Spielern wie Ballack, Lahm oder Mertesacker, sowie mit Podolski, Klose, Odonkor, Asamoah - die Gesellschaft in Deutschland spiegelt, dazu beigetragen, dass die Türken in Deutschland sie unterstützt haben. Der Beistand wäre sicherlich noch intensiver, wenn ein türkischstämmiger Spieler dabei wäre. Wer weiß, vielleicht kommt es ja noch dazu. Das würde dieses Gefühl fördern, ein Teil dieser Gesellschaft zu sein.
Wie wir uns nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft fühlen? Wir teilen die Traurigkeit der Deutschen. Schließlich haben wir ja die Erfahrung auch mit der türkischen Mannschaft schon gemacht, nur um Platz drei spielen zu müssen.
Stand: 05.07.2006, 16:03 Uhr
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