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Aus dem Archiv von sportschau.de
08.02.2012 | 11:34 Uhr
Fanmeile unterm Besen
Von Stefan Ruwoldt
Rund 50 Tonnen Müll fallen bei den Berliner Fußballfesten an jedem einzelnen WM-Tag an. Durchschnittlich. Bei Deutschlandspielen auch gerne einmal doppelt so viel. Für die Berliner Stadtreinigung kein Problem. Das Unternehmen hatte für das Turnier sogar mit mehr Abfall gerechnet. 50 Tonnen, das ist Müll vom Gewicht einer mittelgroßen, elektrisch betriebenen Eisenbahnlok. Allein vier Tonnen davon lassen die fußballbegeisterten Hauptstädter und ihre Gäste täglich im Tiergarten zurück, auf und neben der Fanmeile. Für die schnelle Beseitigung macht eine Tochterfirma der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) Nachtschichten auf der Straße des 17. Juni.
Die Berliner Stadtreinigung beim Saubermachen auf der Straße unter den Linden
Bis neun Uhr am Morgen sind etwa 30 Mann der BSR-Tochter RUWE mit Besen sowie drei großen und einer kleinen Kehrmaschine unterwegs. Die steigende Beliebtheit der Meile sorgt dafür, dass die Reiniger fast täglich bis in die Morgenstunden fegen, bürsten und auflesen müssen. "Bei viel Betrieb sieben Tonnen, sonst meist nur vier Tonnen Abfall. Das ist wenig für solch eine Menge an Publikum. Wir hatten eigentlich mit zehn bis zwölf Tonnen gerechnet", erklärt Sven Fischer, der für die RUWE auf der Fanmeile die Reinigungsarbeiten leitet.
Dass ein Großteil des Abfalls auf der Fanmeile nicht in den rund 140 Mülltonnen an den Wegen verschwindet, sondern direkt auf der Fanmeile landet, ist für Fischer kein großes Problem: "Je mehr Menschen, je mehr Müll landet am Boden. So ist das."
Auch jenseits der Fanmeile und der vielen anderen öffentlichen Fußballübertragungen ist in der Bundeshauptstadt für Sauberkeit gesorgt. Die Straßen rund um die Public-Viewing-Plätze sind das Revier der BSR-Mitarbeiter, die derzeit in drei Schichten rund um die Uhr im Dienst sind. 200 zusätzliche Kräfte hat das Unternehmen für die WM eingestellt. Doch mit einer derart ausgelassenen Feierstimmung hatten selbst Optimisten vor der WM kaum gerechnet. "Aber wir haben uns drauf eingestellt, fangen nachts mit der Reinigung gestaffelt an und haben bislang dafür gesorgt, dass am nächsten Tag für die nächste Feier wieder alles sauber ist", erklärt Bernd Müller, Pressesprecher der BSR.
Insgesamt beschäftigt die BSR derzeit in der Straßenreinigung 2200 Arbeiter, die mit täglich zwischen 80 und 100 Fahrzeugen arbeiten.
Etwa 8.000 Tonnen Müll fielen im Juni bei der Berliner Straßenreinigung an, 1.500 Tonnen mehr als im Juni 2005. "Wir hatten mit dem Doppelten, also rund 3.000 Tonnen zusätzlich gerechnet", sagt Müller. Nach Angaben des Unternehmens wird der Straßenmüll vollständig verwertet und nicht verkippt.
Noch bevor allerdings die BSR-Leute mit ihren Maschinen anrücken, kümmern sich private Sammler um die zurückgebliebenen Pfandflaschen. Unter den Sammlern beginnt nach den Feiern oft ein eigenes Turnier, das sie mit riesigen blauen Tüten und Handwagen austragen. "Uns ist das recht. Dann müssen wir die Flaschen nicht wegräumen und entsorgt werden sie auch", erklärt Müller. Er hat für die die Arbeit seines Unternehmens derzeit vor allem Fußball-Vergleiche parat: "Unser Spielfeld ist die Straße. Wir sorgen als 12. Mann für ein sauberes Turnier." Müller hat recht: Für die BSR läuft bei dieser WM bislang alles auf einen Turniersieg hinaus.
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