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Aus dem Archiv von sportschau.de
08.02.2012 | 11:41 Uhr
Spielbegleitung
Von Stefan Ruwoldt
'Wo gehts ins Stadion? und 'Wo kann ich Essen gehen? - zwei Fachfragen an Lutz Fröhlich während dieser WM. Der ehemalige DFB- und FIFA-Schiedsrichter hat im vergangenen Jahr seine Pfeife an den Nagel gehängt und hat während dieser WM die Referees der fünf Spiele in Leipzig als offizieller Betreuer der FIFA begleitet. Die Referees sollten sich wohl fühlen und gute Arbeitsbedingungen haben. Lutz Fröhlich hat ihnen das verschafft. Soweit er konnte, wie er im Interview mit sport.ARD.de erklärt.
Lutz Fröhlich unterstützte die FIFA-WM-Schiedrichter in Leipzig.
sport.ARD.de: Eine Schiedsrichter-Begleitung für Schiedsrichter - wofür?
Lutz Fröhlich: An den zwölf Spielorten der WM ist jeweils ein Referee Liaison Officer tätig. Das ist ins Deutsche übersetzt der Verbindungsmann, der vor Ort mit dem OK zusammenarbeitet und dessen Hauptaufgabe es ist, die Schiedsrichter so zu betreuen, dass ihre Spielvorbereitung optimal verläuft. Die Referee Liaison Officers sind ehemalige oder noch aktive Bundesliga- oder FIFA-Schiedsrichter, die sich in Schiedsrichterbelangen bestens auskennen.
Was ist Ihre Aufgabe - haben Sie eher eine beratende, eine betreuende oder eine kontrollierende Funktion?
Fröhlich: Kontrolle, nein, wir kontrollieren nicht. Betreuung - ist klar und Beratung, ja, das findet statt. Wenn die Schiedsrichter Hilfe vor Ort brauchen, wo sie beispielsweise trainieren oder auch nur einfach Laufen gehen können, da helfe ich dann und sage, 'Dort ist der Park, nur wenige Meter zum Wald und schön zum Laufen' oder 'Da sind diese und jene Restaurants, wo man besonders gute Pasta bekommt'.
Wie bereiten sich die Schiedsrichter in solch einem Turnier vor, welche Vorgaben gibt es, welche Eigenheiten hatten die Schiedsrichter?
Fröhlich: Die Vorbereitung der Schiedsrichter wird zentral in der Nähe von Frankfurt vorgenommen. Dort erfolgt ein speziell auf den jeweiligen Spieltag ausgerichtetes Trainingsprogramm. Damit haben wir als Referee Liaison Officers nichts zu tun. Am Spielort selbst ist es dann unterschiedlich. In der Regel wird ein kurzes, ruhiges Sightseeing-Programm durchgeführt und bei dem einen oder anderen steht dann noch eine lockere Trainingseinheit auf dem Programm. Entspannung, Wohlfühlen und Ruhe stehen im Vordergrund.
Gab es Probleme, die sie lösen mussten?
Fröhlich: Es gab für mich in Leipzig nur einmal ein Problem. Nach dem Spiel Iran gegen Angola hatte die Lufthansa den Rückflug nach Frankfurt gestrichen. Die Rückreise des Schiedsrichterteams ins Headquarter bei Frankfurt am Main musste dann mit einem Kleinbus organisiert werden. Die Schiedsrichter werten dort mit dem Referee-Ausschuss die Spiele aus und das verschob sich dann natürlich entsprechend und war für einen der beiden Schiedsrichter sehr anstrengend, weil er bereits am nächsten Tag für ein weiteres Spiel eingesetzt wurde.
Was hat sich bei dieser Betreuung in den letzten Jahren verändert?
Fröhlich: Das System mit dem Referee Liaison Officer hat sich in den vergangenen Jahren bewährt. Wichtig ist, dass da Leute am Werk sind, die die Ansprüche an eine Spielvorbereitung kennen und als neutrale Ansprechpartner vor Ort fungieren. In den internationalen Clubwettbewerben war man früher noch mit den Vereinsvertretern konfrontiert - oftmals sehr nette Leute, manchmal aber eben auch Leute, die das Schiedsrichterteam doch sehr stark mit Vereinsinternitas belasteten.
Wie unterhalten sie sich mit einander, ist Englisch als eine Art Amtssprache vorgegeben?
Fröhlich: Ja, man verständigt sich in erster Linie über Englisch.
Wie läuft die Betreuung während des Spiels? Verfolgen sie vielleicht das Spiel auf einem Bildschirm und geben in der Halbzeit Anweisungen und Tipps?
Fröhlich: Der Referee Liaison Officer mischt sich in die Spielleitung überhaupt nicht ein. Er schaut sich das Spiel im Innenraum oder von der Tribüne aus an und äußert sich allenfalls nach dem Spiel gegenüber dem Schiedsrichter, wenn dieser es denn wünscht.
Haben sie als Betreuer Zugriff auf die Audioleitung der Referees - hören Sie den Austausch der drei Schiedsrichter und der Bankbetreuung und dürfen Sie vielleicht mit Blick auf die Fernsehbilder auch etwas sagen, das der Schiedsrichter hört?
Fröhlich: Nein! Dieses System ist nur für das Schiedsrichterteam da. Mit der Spielleitung hat der Referee Liaison Officer nichts zu tun.
Wie fällt ihr Fazit aus, welche Empfehlungen würden Sie geben in Fragen wie: Sollte auf Kunstrasen gespielt werden, sollte eine Schiedsrichterkommission mit Zugriff auf Hintertor- und Abseitskameras den Schiri unterstützen?
Fröhlich: Für ein Fazit ist es zu früh. Die WM sollte erstmal zu Ende gespielt werden. Und dann wird sich sicherlich die entsprechende FIFA-Kommission mit der Auswertung befassen. Ein Trend scheint mir allerdings deutlich zu sein: Bei den in der Öffentlichkeit diskutierten Schiedsrichterentscheidungen handelte es sich bislang fast ausschließlich um Auslegungen des Regelwerkes, bei denen auch ein Videobeweis keine eindeutige Klärung gebracht hätte. Bislang, denke ich, gab es keinen Strafstoß oder Freistoß, bei dem ein Videobeweis erbracht hätte, dass ein Spieler das Foul nur vortäuschte oder der Schiedsrichter eine Fata Morgana sah. Über Auslegungen allerdings kann man immer streiten.
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