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Aus dem Archiv von sportschau.de
08.02.2012 | 11:42 Uhr
Vor dem Quartier
Von Stefan Ruwoldt
Dort, wo die deutsche Mannschaft derzeit auftritt, wird geschrieen, gesungen, geweint und in Ohnmacht gefallen. Vor allem aber wird es eng. So auch vor dem Quartier des Teams im Berliner Grunewald.
Vor dem Schlosshotel Grunewald stehen vor allem die jungen Fans und warten auf Autogramme.
"Poldi, Poldi", schreien drei Mädchen. Poldi ist nicht mal zu sehen. Polizeioberrat Wolfgang Reppmann nickt und grinst: "Richtig Bambule ist dann, wenn sie gewinnen, nach dem Spiel, wenn sie zurückkommen und die Nachbarn schlafen." Die Anwohner haben schicke Häuser oder teure Wohnungen in der Knausstraße und in der Richard-Strauß-Straße, sie fahren offene Wagen und haben frisierte Hunde. Derzeit haben sie öfter leere Cola-Dosen in ihren Rabatten und Kontrollen der Polizei, wenn sie schnell nach Hause wollen. Es ist WM und die deutsche Mannschaft logiert im Schlosshotel Grunewald.
Polizeioberrat Reppmann (li.) ist der Chef über die Sicherheit vor dem Schlosshotel.
"Wenn die Leute hier nachts noch schrei'n, jehn wir schon 'mal hin und sagen 'Nu iss jut', die Menschn hier wolln schlafn', aber das läuft alles janz friedlich", sagt Reppmann. Er fühlt sich wohl und das zeigt er, indem er berlinert.
Er leitet den Abschnitt 25 der Direktion 2 der Berliner Polizei mit Sitz am Kurfürstendamm. 35 Kollegen seiner Einheit sind für die Bewachung der deutschen Mannschaft abgestellt. Reppmann erklärt, dass das Gelände hier sicher sei, aber dass niemand ausgesperrt werde und keiner gefilzt. Reppmanns Beamte stehen an den Sperren vor der Straße, fahren Streifenwagen zur Begleitung des Busses oder haben ein Auge auf die Fans. Sie sagen Sätze wie: "Bisschen zurücktretn, Meista" oder "So und jetzt aber ab hinter den Zaun." Reppmann steht in der Sonne und erklärt den Kollegen, dass sie langsam den Bus vorfahren sollen, denn um halb sechs sei Abfahrt zum Training, das um sechs im Olympiastadion beginnt.
Dann braucht es zwanzig Minuten, bis die Klimaanlage richtig gut gestartet ist und der Bus vorfährt, das Motorrad sich davor setzt und sich die Begleitfahrzeuge der Betreuer einreihen. Als erster kommt Joachim Löw aus dem Hotel, dann kommen Schweini und Kahn und Frings und Poldi natürlich. Sie werden gerufen und geben Autogramme. Dann winkt Reppmann, sein Kollege startet sein Motorrad, der Busfahrer schließt die Türen und der Zug setzt sich in Bewegung.
"Das hier macht Spaß, es ist Sommer, die Leute freu'n sich und wir sind dabei" schwärmt Reppmann. Er ist froh, weil er derzeit nicht am Schreibtisch sitzen muss, sondern hier ist. Dann macht er Platz für einen Streifenwagen und schüttelt den Kopf: "Hier, der Beweis, auch die Kollegen fahr'n gerne 'mal vorbei und kucken." Zwei Häuser weiter im Dachgeschoss hat sich die Bildzeitung eingemietet, erzählt Reppmann noch zuckt mit den Schultern: "Aber die können auch nicht viel mehr von da oben sehen, als die Kinder hier vor der Tür."
Ein TV-Team interviewt zwei Jungs, die kurz darauf zu ihren Eltern laufen und nach Hause wollen, um sich im Fernsehen zu sehen. Die Straße wirkt wie ein Schulhof, Mädchen mit Tagebüchern und Stiften, Jungs mit Bällen, Mütter mit Fotoapparaten und Erwachsene, die den Kindern komische Fragen stellen, in diesem Fall eben keine Lehrer, sondern Reporter. "15 Minuten brauchen wir bis zum Stadion, das ist wie ein Umzug, die Leute sehen den Bus und jubeln. Eltern halten ihre Kinder hoch und zeigen auf den Bus. Und die Mannschaft ist erst im Achtelfinale, wat soll det nur werd'n, wenn die noch weiter kommen?" Der Bus fährt ab zum Training ins Olympiastadion und hinterlässt glückliche Kinder.
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