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Aus dem Archiv von sportschau.de
08.02.2012 | 11:34 Uhr
Sicherheit
Von Stefan Ruwoldt
Auf der Berliner Fanmeile laufen seit zwei Wochen täglich Großfeiern. Bewacht von mehreren tausend Beamten. Zwischen 100.000 und 700.000 Menschen kommen, um an übergroßen Sponsorenfiguren vorbei zu laufen, Beachfußball zu spielen, Riesenrad zu fahren, Musik zu hören, sich mit Gleichgesinnten über das Vermögen der 32 Nationalmannschaften des Turniers auszutauschen und miteinander anzustoßen. Das Ganze wird von der Polizei bewacht. Bislang ausgesprochen erfolgreich.
Die Beamten des Antikonfliktteams sollen auf der Fanmeile kleine Streitigkeiten klären, bevor es zu Gewalt kommt.
Burkhardt Opitz, Sprecher der Polizeikräfte auf der Fanmeile, geht an den Getränke- und Imbissständen auf der Fanmeile vorbei und grüßt alle paar Meter seine Kollegen mit einem Kopfnicken: "Heute ist schon einmal so eine Art Höhepunkt, Deutschland spielt, ist weiter gekommen und es ist gutes Wetter." Seine Kollegen haben Einsätze von regulär 10 bis 12 Stunden an vier Tagen in Folge, gefolgt von zwei freien Tagen. Sie sind selten pünktlich zuhause, weil Fans eben keinen Feierabend kennen. Und weil täglich immer mehr Menschen auf die Meile kommen, fallen selbst die geplanten freien Tage öfter aus.
"Wir haben drei Phasen. Phase eins, die ruhigste, da sind keine Spiele, weder im Olympiastadion noch auf den Leinwänden. Hatten wir bis jetzt noch nicht. Phase zwei, das ist der Standardtag, also Übertragung aus den anderen Stadien hier auf der Leinwand, und dann Phase drei, das volle Programm, Deutschland spielt, im Olympiastadion ist Spiel und außerdem werden weitere Spiele übertragen. So wie heute", sagt Opitz.
Trotz dieses "vollen Programms" wirken die Kollegen, die er unterwegs auf der Fanmeile grüßt, entspannt und zufrieden. Fans fragen sie nach dem Weg und wollen dann ein Foto machen. Opitz wartet geduldig und lächelt. Er ist, wie er sagt, erleichtert: "Es ist fast komisch. Selbst die härtesten Fußballfans - sonst vielleicht schubsend oder gröhlend in den Stadien unterwegs - lassen sich von den Familien, die hier lang schlendern, anstecken und sind friedlich, freundlich und begeistert."
Außerdem zeigen die Leute für fast alles Verständnis - für Opitz ein Zeichen, dass sie glücklich sind: "Sie folgen Hinweisen und nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel statt der Autos. Wenn an einigen Zugängen Verstopfung herrscht und wir sie weiter hoch zu anderen Eingängen schicken, murrt und meckert niemand. Am Tiergartentunnel mussten die Autos für den Fußgängerstrom zur Meile mehrfach gestoppt werden. Und keiner schimpft oder hupt."
Es habe nicht einen Fall gegeben, in dem ernsthaft eingegriffen werde musste. Bislang sei es täglich nur zu wenigen Festnahmen nach kleinen Prügeleien gekommen, meist von betrunkenen Jugendlichen. "Antikonfliktteams" und "Interventionsteams" sind unterwegs. "Doch selbst heute sagen die 'Alles ruhig'", sagt Opitz.
Zu den Vorwürfen vom Wochenende (18.06.06), Einsatzpolizisten hätten einen betrunkenen Fan geschlagen, will sich Opitz allerdings nicht äußern. Dazu liefen derzeit die Ermittlungen. Die Zusammenarbeit mit den Ordnern der Fanmeile, die Angestellte der Veranstalter sind, läuft nach Opitz Worten sehr gut: "Wir stehen ständig in Kontakt, sprechen uns ab, werden unter Umständen bei Problemen gerufen und sind zufrieden".
O pitz entschuldigt sich fast. "Die Menschen auf der Meile machen uns kaum Arbeit." Er hat beobachtet, wer wann kommt: "Da sind die Tage, wo vor allem die Spezialanhänger kommen, bei Englandspielen zum Beispiel, junge, männliche Fans. Dann die Tage mit bunter Mischung bei so Spielen der Lateinamerikaner zum Beispiel, wo alle kommen. Am Wochenende ist dann Familientag, mit Kind und Kegel schlendern die dann hier bis spät in die Nacht." Es ist Dienstag, England hat gespielt, davor Deutschland. Heute sind alle da. Familien sind unterwegs und beschwipste deutsche Fans mit Hüten und Bemalungen, die durch Gesänge ankündigen, dass die Party noch dauern wird. Opitz und seine Kollegen hätten eigentlich in zehn Minuten Feierabend.
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