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Aus dem Archiv von sportschau.de
04.02.2012 | 06:33 Uhr
Hupkonzerte, Jubel und Gesänge bleiben aus
Von Lars Gawel
Hamburg gilt mit 11.000 Portugiesen als portugiesischste aller Städte in Deutschland. Im Portugiesen-Viertel am Hafen reihen sich auf wenigen Quadratmetern landestypische Bars, Restaurants und Bäckereien dicht aneinander.
Tristesse im Portugiesen-Viertel
Eine Stunde vor dem WM-Halbfinale am Mittwoch (05.07.06) zwischen Portugal und Frankreich schwillt die Menge in der Dietmar-Koel-Straße minütlich in Richtung der Zweitausender-Grenze an. Heidi und Antonio Martins, die Betreiber der Sportkneipe "Cantinho Do Antonio", freuen sich bereits auf das Spektakel: "Wir werden gewinnen, ins Finale einziehen und dort auch die Italiener schlagen", stellt Antonio klar. Mit ihrem Optimismus sind die Wirtsleute im Viertel in bester Gesellschaft: Wo sie sonst wetteifern, wer die beste gegrillte Dorade oder den üppigsten Fleischeintopf auftischt, herrscht heute Einigkeit. "Porto", "Aquario", "A Varina", "O Faro" und mehr als ein Dutzend andere portugiesische Restaurants stehen wie eine Wand hinter ihren Lieblingen.
Viele Wirte zeigen großen Einfallsreichtum.
"Schade um Deutschland, aber wenigstens Portugal wird ins Finale kommen und Weltmeister werden", ist sich Kristina Passadouro kurz vor dem Anpfiff sicher. Die 23-jährige Deutsch-Portugiesin ist mit ihrer ganzen Familie angerückt. Auch die 19-Jährige Anabela gibt sich siegesgewiss: "Wir werden es den Franzosen schon zeigen. Und dann werden wir die Deutschen am Sonntag gegen Italien rächen." Gutgelaunt fiebern die Fans, darunter auch viele Deutsche, in und vor den Bars mit Luis Figo und Co. Aufgrund des großen Andrangs zeigen die vielen Wirte großen Einfallsreichtum. Die Betreiber des "Beira Rio" in der Reimarusstraße stellen ihren Fernseher aufs Autodach, vor einer Cafetiara steht der Bildschirm auf Wasserkisten. Auch Familie Raffel hat es sich auf der Straße gemütlich gemacht, den Fernseher haben sie einfach auf die Fensterbank gestellt.
Vincent - der einsame Franzose im Viertel
Doch viel zu Feiern gibt es nicht. Die portugiesische Nationalmannschaft erspielt sich kaum Chancen. Nur ab und zu geht ein Raunen durch die Menge oder sind vereinzelte "Portugal, Portugal"-Rufe zu hören. Als Zinedine Zidane das 1:0 (33.) für die Franzosen erzielt, sind auch diese verstummt. Nur Vincent, der mit seinem blauen Trikot der "Equipe Tricolore" aus der Menge der Portugiesen herausragt, jubelt verhalten. "Ich habe mich innerlich sehr gefreut. Ich muss ja nicht unbedingt laut jubeln und damit unnötige Aggressionen schüren", erklärt er höflich.
Dieser kleine Portugal-Fan trauert nach der Niederlage.
Auf ein Tor hofft auch Vasco, obwohl er das Spiel kaum verfolgen kann. Er hat vor seiner Cafeteria eine Bier-Zapfanlage aufgebaut und blickt die ganze Zeit in Richtung der Fans. "Das ist für mich kein Problem. Sollte noch ein Tor fallen, dann gehe ich schnell rein und schaue mir die Zeitlupe an", bleibt er gelassen. Gelassenheit ist auch beim Rest der Menge angesagt. Nach Portugals Niederlage wird aus dem erhofften Straßenfest nichts. Wo sonst nach den Triumphen ihrer Lieblinge Hupkonzerte und laute Gesänge das Bild prägen, bleibt es in dieser Nacht ungewöhnlich still im Portugiesen-Viertel.
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