Zur Navigation.
Zum Inhalt.
Zur rechten Spalte.
Aus dem Archiv von sportschau.de
08.02.2012 | 19:56 Uhr
Nicht alle Stadien sind voll besetzt
Eigentlich sollte genau das bei der WM nicht sein: Leere Plätze und der unkontrollierte Weiterverkauf von Karten. Doch der Schwarzmarkthandel mit den begehrten WM-Tickets blüht. Kontrollen gibts nur bei Stichproben.
Ein Fan sucht per Plakat Karten.
Das hat sich bei den Händlern schon herumgesprochen. Rückblende: Am Montagabend (12.06.06) wird ein Italien-Fan, der ein Pappschild mit der Frage "Tickets?" hochhält, vor dem WM -Stadion in Hannover ständig angesprochen. Für 100 Euro bietet ihm ein Argentinier eine Eintrittskarte der ersten Kategorie an. Sein Freund sei nicht wie geplant mitgekommen. Der Fan lehnt ab - er will nicht mehr als 50 Euro zahlen. Die 100 Euro, die der Argentinier für die Karte seines Freundes verlangt, wären immerhin ein reeller Preis gewesen. Die Tickets kosteten im Vorverkauf je nach Kategorie zwischen 45 und 100 Euro. Dementsprechend haben die Händler, die für Italien - Ghana 150 Euro und mehr verlangen, Schwierigkeiten, ihre Karten loszuwerden.
Ticketkontrolle am Stadioneingang
Eigentlich wollte die FIFA den Schwarzhandel mit den Tickets ganz unterbinden. In einem aufwendigen Verfahren wurden die Karten personalisiert. Nur wer sich als "Karl Kunz" ausweisen konnte, sollte mit einer auf "Karl Kunz" ausgestellten Karte ins Stadion gelangen. Theoretisch. Doch praktisch sieht das anders aus: "Wir können natürlich nicht 44.000 Karten kontrollieren", räumt der Geschäftsführer des WM-Organisationskomitees in Hannover, Karl Rothmund, ein. Am Stadioneingang werden nur Stichproben gemacht, und strafbar ist der Verkauf von Karten nicht, wie ein Polizeisprecher erläutert. Leuchtet am Einlass ein grünes Licht auf, darf der Besucher ins Stadion. Bei rot wird der Personalausweis verlangt. Wie oft kontrolliert wird, will Rothmund nicht sagen. Für jedes der zwölf WM-Stadien gebe es eine vorgeschriebene Anzahl von Stichproben. Allerdings sei das in der Tat nur ein Bruchteil.
Man dürfe aber "auch nicht immer nur vom Geld reden", sagt Rothmund. "Entscheidend ist der Sicherheitsaspekt. Die ganze Personalisierung wurde wegen der Sicherheit gemacht." Polizeibekannte Hooligans sollten so keine Chance erhalten, in die Stadien zu gelangen. Die Gefahr, dass sich nun doch Gewalttäter mit schwarz gekauften Tickets in die Stadien mogeln, schätzt Rothmund als "sehr gering" ein. "Das sind alles bekannte Leute, die in Karteien erfasst sind." Es gebe noch immer genügend Verfahren, die Randalierer zu identifizieren. Die meisten Ticketsuchenden in Hannover machen einen äußerst friedlichen Eindruck. Ein Hamburger, der kurzfristig zu dem Italien-Spiel gehen möchte und dafür im Tausch Karten für die Partie Holland - Elfenbeinküste am Freitag in Stuttgart anbietet, sagt denn auch: "Mir geht es einfach um die Stimmung, um Fußball." Er wolle seine Holland-Tickets notfalls in Stuttgart losschlagen. "Ich nehme aber den Normalpreis. Ein Geschäft will ich damit nicht machen."
Das FIFA WM-Stadion in Leipzig
Da hatten Schwarzmarkthändler in Hamburg offenbar andere Ambitionen. Laut "Abendblatt" wurden am Samstag vor dem Stadion in der Hansestadt zum Spiel Argentinien - Elfenbeinküste rund 600 Karten für 150 statt 60 Euro angeboten. Sie trugen den Aufdruck "Elfenbeinküste, Abteilung Sportreisen". Für OK-Sprecher Gerd Graus ein klarer Fall für die FIFA: "Diesem Vorfall, wenn er stimmt, muss die FIFA nachgehen. Aber es ist seit Jahren bekannt, dass es mit Tickets von Sponsoren oder von Verbänden aus ärmeren Ländern immer wieder Probleme geben kann."
Die hatten die Organisatoren in Leipzig beim Spiel Niederlande - Serbien-Montenegro (1:0) am Sonntag offensichtlich auch. Denn Hunderte von Plätzen blieben leer und zum ersten Mal bei dieser WM wies ein Stadion sichtbare Lücken auf den Rängen auf. Die Erklärung, dass viele Fans lieber hätten stehen wollen - was auf dem breiten Gang oberhalb der letzten Sitzreihe in Leipzig bequem möglich ist - schien allerdings selbst dem OK zu absurd. Auch dei der Partie zwischen Togo und Südkorea blieben Hunderte Plätze unbesetzt, obwohl die Arena offiziell ausverkauft war.
Stand: 13.06.2006, 15:40 Uhr
Freude, Party, tolle Stimmung: Alle WM-Bilder aus dem Norden im Überblick. [mehr]
Ballzauberer, Pokalsiege, Auf- und Abstiege - die "Fußballstadt Hannover" hat einiges erlebt. [mehr]
Die Geschichte des Fußballs in Hamburg bietet zahlreiche Höhepunkte und unvergessene Niederlagen. [mehr]
Das WM-Stadion Hamburg wird vorgestellt von Fußball-Idol Uwe Seeler. [mehr]
Kommen Sie mit auf einen Rundgang durch das WM-Stadion Hannover. [mehr]