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Aus dem Archiv von sportschau.de
08.02.2012 | 11:40 Uhr
Traurige Leipziger
Sie starren fassungslos ins Leere, heulen wie Schlosshunde und suchen Trost bei Freunden: Die 15.000 Fans auf dem Leipziger Augustusplatz waren am Dienstag (04.07.06) Sekunden nach dem Halbfinal-Aus der Klinsmann-Elf untröstlich. "Ich bin sprachlos. Kann es nicht fassen. Eine Minute fehlte zum Elfmeterschießen", stammelt Frank aus Berlin. Drei Spiele hatte er beim FanFest in Leipzig gesehen, zwei Mal wild gefeiert und heute bittere Tränen vergossen.
Auf dem rappelvollen Augustusplatz herrschte blankes Entsetzen.
Es war die 119. Spielminute, exakt 23:26 Uhr, als Fabio Grosso den Traum der Deutschen zerstörte. Der Ball schlug im langen Eck ein: 0:1. Schrecken und Entsetzen bei den Leinwand-Fans. Als Alessandro del Piero das zweite Tor nachlegt, sinkt die Stimmung von 100 auf null. Die Fangesänge verstummen, stattdessen sitzen die Fans regungslos auf dem Boden. Sie verharren minutenlang. Dann schlägt die Trauer in Trotz um. "Jetzt werden wir eben Dritter", sind sich Maik, Steffen und Mario aus Grünau sicher. Und Weltmeister wird Frankreich - nicht Italien. Apropos Italien. Wo feiern denn die Azzurri? In Leipzig muss man suchen, um die wenigen Anhänger zu finden. Von dem berühmt berüchtigten italienischen Auto-Korso keine Spur. Nur ein Wagen, auch noch eine deutsche Luxuslimousine und kein kleiner Fiat, dreht auf dem Burgplatz vor dem italienischen Ristorante "Fra diavola" Runden. Drinnen feiert Francesco aus Neapel. "Italia, Italia", brüllt er und ist damit fast allein, denn die Gäste sind längst über alle Berge.
Auch Roland. Der Leipziger Deutschland-Fan verfolgte das Spiel mit seiner Frau und zwei Bekannten bei seinem Lieblings-Italiener. "Wir gewinnen 5:0", scherzte er und ließ sich die Spaghetti schmecken. Hunger und Durst vergingen aber in besagter 119. Minute - zum Italiener wird Roland aber dennoch wieder gehen. Und ins Stadion sowieso. "Ich bin ein echter Fußballfan", lacht er.
Feuertaufe in Sachen Fußballstadion feierten Cornelia und Lisa aus Halle. Mit Freunden und rund 20.000 weiteren Menschen verfolgen die hübschen 16-Jährigen das Spiel auf der Leinwand im Zentralstadion und waren sich sicher: "Wir gewinnen - das ist doch klar."
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Auch Bärbel, Melanie und Steffen Altmann aus Naunhof zweifelten nicht am deutschen Sieg. Als sich die Pforten des Zentralstadion drei Stunden vor dem Spiel öffneten, strömte das Trio als Erstes rein. "Wir wollten gute Plätze", erzählt Steffen, der sich in der ersten Reihe im VIP-Bereich platziert hat. Seine beiden Frauen sind dank der WM richtige Fußballfans geworden. Sie schwenken auch am Sonnabend beim Spiel um Platz drei ihre schwarz-rot-goldene Fahne. Denn auf die "Klinsmänner" sind trotz des Ausscheidens alle stolz.
Stand: 05.07.2006, 01:56 Uhr