Die Euphorie ist riesig in Deutschland. Die Nationalelf geht nach dem Gewinn der Europameisterschaft 1972 vor heimischer Kulisse als Favorit in das WM-Turnier. "Diese Mannschaft ist nur mit einer Maschinenpistole aufzuhalten", schreibt die "Gazetta dello Sport" nach dem deutschen EM-Triumph. Die Niederlande, zum ersten Mal nach 36 Jahren überhaupt wieder für eine WM-Endrunde qualifiziert, könnten die Deutschen im Finale zwar auch ohne Waffengewalt bezwingen. Doch sie scheitern an ihrer Überheblichkeit.
7. Juli in München, Anpfiff zum WM-Traumfinale Deutschland - Niederlande. Sekunden nach Spielbeginn drängt Cruyff in den Strafraum, wird von Hoeneß gefoult. Elfmeter - 1:0 durch Neeskens. Das Chaos regiert die deutsche Hintermannschaft. Cruyff & Co. sehen sich schon auf der Siegerstraße. Wim van Hanegem sagt nach dem Finale: "Es störte uns nicht, wenn wir nur 1:0 gewannen, so lange wir sie demütigen konnten." Es war der Anfang vom niederländischen Ende.
Nach Hölzenbeins vermeintlicher "Schwalbe" verwandelt Breitner den Strafstoß zum 1:1. Zwei Minuten vor der Pause die Entscheidung: Flanke Bonhof, Müller stoppt den Ball mit dem Rücken zum Tor, dreht sich um sich selbst und jagt die Kugel an Torhüter Jongbloed vorbei in die Maschen. Es ist die Entscheidung, an der auch der Sturmlauf der Niederländer in der zweiten Hälfte nichts ändert. Deutschlands zweiter WM-Titel nach 1954 ist perfekt. Für Bundestrainer Helmut Schön, den "Mann mit der Mütze", ist es die Krönung seiner Karriere.
Dabei glaubt zuvor kaum noch jemand an den WM-Titel, als die bundesdeutsche Mannschaft im ersten Länderspiel überhaupt gegen die DDR 0:1 verliert. Millionen stockt der Atem, als Jürgen Sparwasser Sepp Maier überwindet. Der Treffer des Magdeburgers hebt die bundesdeutsche Fußballwelt aus den Angeln. Die DDR wird statt der Bundesrepublik Gruppenerster. Trainer Schön ist ratlos, Kapitän Beckenbauer übernimmt das Kommando, beruft eine nächtliche Krisensitzung ein und rüttelt seine Mitspieler auf. Mit Erfolg.
Es folgen das 2:0 gegen Jugoslawien, das 4:2 gegen Schweden und das 1:0 gegen Polen in der "Wasserschlacht" von Frankfurt. Die DDR dagegen hat ihr Pulver verschossen, holt aus der zweiten Finalrunde nur noch einen Punkt. Dagegen begeistern die Polen. Die Mannschaft um Torjäger Lato zeigt frischen Offensiv-Fußball, siegt fünf Mal hintereinander, bis sie gegen Deutschland vergeblich um den Einzug ins Finale kämpft. Immerhin sichern sich die Osteuropäer Platz drei vor den enttäuschenden Brasilianern.
Zu einem Eklat im deutschen Lager kam es nach dem Gewinn des WM-Titels 1974. Zum Festbankett hatte der DFB um Präsident Hermann Neuberger die Spielerfrauen ausgeschlossen und bestand auf dieser Entscheidung. Einige Spieler, darunter Gerd Müller, erklärten daraufhin empört ihren Rücktritt von der Nationalelf.
| Mannschaft1 | Mannschaft2 | Ergebnis |
|---|---|---|
| Quelle: sport.ard.de | ||
Deutschland gegen |
Niederlande |
2 : 1 |
Polen gegen |
Brasilien |
1 : 0 |
Polen gegen |
Jugoslawien |
2 : 1 |
Deutschland gegen |
Schweden |
4 : 2 |
Schweden gegen |
Jugoslawien |
2 : 1 |
Deutschland gegen |
Polen |
1 : 0 |
Polen gegen |
Schweden |
1 : 0 |
Deutschland gegen |
Jugoslawien |
2 : 0 |
Niederlande gegen |
DDR |
2 : 0 |
Brasilien gegen |
Argentinien |
2 : 1 |
Niederlande gegen |
Brasilien |
2 : 0 |
Argentinien gegen |
DDR |
1 : 1 |
Brasilien gegen |
DDR |
1 : 0 |
Niederlande gegen |
Argentinien |
4 : 0 |
| Spiele | 38 |
|---|---|
| Tore gesamt | 97 |
| Toreschnitt | 2,55 |
| Platzverweise | 5 |
| Zuschauer gesamt | 1.774.022 |
| Zuschauerschnitt | 46.685 |
| Stadien | 9 |

"Tip und Tap", die Maskottchen der WM