Die deutsche Nationalmannschaft feiert in Italien ihre WM-Premiere. Und wie! Das Team von Trainer Otto Nerz, auf das kaum jemand einen Pfifferling setzt, kommt mit der Außenseiterrolle prima zurecht. Erst im Halbfinale enden Deutschlands Titelträume - beim 1:3 gegen die Tschechoslowakei. Vorm Spiel um Platz drei in Neapel gibt es erstmal Aufregung: Deutschland und Österreich spielen zunächst im gleichen Dress - weißes Hemd, schwarze Hosen. Die italienischen Zuschauer reagieren mit wütenden Protesten.
Der Schiedsrichter unterbricht die Partie und lässt losen, wer die Trikots wechselt. Zum Leidwesen der Deutschen müssen sich Fritz Szepan & Co. umziehen. Doch die neuen Textilien bringen Glück: Das Nerz-Team behält einen kühlen Kopf und sichert sich durch ein 3:2 - nach Toren von Ernst Lehner (1., 42.) und Edmund Conen (29.) - den dritten Platz. Bronze für Deutschland - es ist die Überraschung der zweiten Weltmeisterschaft.
Dass Rache bitter sein kann, erfahren die Spieler des Titelverteidigers Uruguay am eigenen Leib. Der Verband sagt die Teilnahme ab - Revanche für den Boykott etlicher europäischer Teams vier Jahre zuvor. Dennoch macht die erste Weltmeisterschaft auf europäischem Boden die künftige globale Bedeutung dieser Sportart deutlich. 32 Nationen bewerben sich um die Teilnahme. Nur 16 können mitmachen. Sie werden erstmals in Qualifikationsspielen ermittelt.
Alles ist auf einen Erfolg der Gastgeber programmiert. Denn in Italien regiert nicht nur der Fußball, sondern auch der faschistische Staatschef Benito Mussolini. Der "Duce" missbraucht die WM zu Propaganda-Zwecken. Die großen Städte werden herausgeputzt, neue Stadien gebaut - Italien soll glänzen, nicht nur sportlich. Die Folgen sind fatal: Zwei Wochen vor dem Turnier befindet sich die Lira auf Talfahrt, die Handelsbilanz stagniert, der "Duce" kündigt Lohnkürzungen im ganzen Land an.
Sportlich erfüllt die "Squadra Azzurra" die in sie gesetzten Hoffnungen. Dem 7:1 im Achtelfinale gegen die USA folgen vier Partien mit Herzschlagfinal-Charakter. Gegen Spanien geht's ins Wiederholungsspiel, das Italien mit 1:0 gewinnt. Kurios: Die Iberer beenden die Begegnung mit sieben Akteuren, zudem wird ihnen ein reguläres Tor aberkannt. Gegen die starken Österreicher reicht den Gastgebern im Halbfinale ein Treffer von Guaita. Im Finale besiegt Italien die Tschechoslowakei vor 55.000 begeisterten Tifosi in Rom mit 2:1 nach Verlängerung. Schiavio schießt in der siebten Minute der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer. Es herrscht Begeisterung von den Alpen bis an den Vesuv.
Geradezu tolldreist übte der italienische Faschisten-Führer, "Il Duce" Benito Mussolini, bei der WM 1934 im eigenen Land Druck auf die Schiedsrichter aus – bis hin zur Bestechung. Schon im Vorfeld hatte der italienische Verband den griechischen geschmiert. Zuwendungen im heutigen Wert von etwa 300.000 Euro sollen geflossen sein, damit die Griechen auf das Qualifikations-Rückspiel verzichteten.
| Mannschaft1 | Mannschaft2 | Ergebnis |
|---|---|---|
| Quelle: sport.ard.de | ||
Italien gegen |
CSFR |
2 : 1 |
Deutschland gegen |
Österreich |
3 : 2 |
Italien gegen |
Österreich |
1 : 0 |
CSFR gegen |
Deutschland |
3 : 1 |
Deutschland gegen |
Schweden |
2 : 1 |
Österreich gegen |
Ungarn |
2 : 1 |
Italien gegen |
Spanien |
1 : 1 |
CSFR gegen |
Schweiz |
3 : 2 |
Italien gegen |
Spanien |
1 : 0 |
Italien gegen |
USA |
7 : 1 |
CSFR gegen |
Rumänien |
2 : 1 |
Deutschland gegen |
Belgien |
5 : 2 |
Österreich gegen |
Frankreich |
3 : 2 |
Spanien gegen |
Brasilien |
3 : 1 |
Schweiz gegen |
Niederlande |
3 : 2 |
Schweden gegen |
Argentinien |
3 : 2 |
Ungarn gegen |
Ägypten |
4 : 2 |
| Spiele | 17 |
|---|---|
| Tore gesamt | 70 |
| Toreschnitt | 4,12 |
| Platzverweise | 1 |
| Zuschauer gesamt | 395.000 |
| Zuschauerschnitt | 23.235 |
| Stadien | 8 |

Italienische Briefmarken zur WM 1934