Als beste Amateurmannschaft der Welt wird das deutsche Team nach seinem überraschenden dritten Platz bei der WM 1934 gefeiert. Folglich zählt es auch in Frankreich zu den Favoriten - trotz des Olympia-Debakels 1936 gegen Außenseiter Norwegen, das das Ende der Ära von Reichstrainer Otto Nerz einläutet. Assistent Sepp Herberger übernimmt. Sein Pech ist der "Anschluss" Österreichs ans Deutsche Reich. Die Reichssportführung lässt die "Ostmark" natürlich nicht mit einer eigenen Mannschaft bei der WM antreten. Herberger ist gezwungen, fünf österreichische Nationalspieler in seinen Kader zu integrieren. Doch Wiener Walzer und deutsche Marschmusik harmonieren nicht.
Das Auftaktspiel zur dritten Fußball-WM bestreitet "Großdeutschland" gegen die Schweiz - und gegen mehr als 40.000 Zuschauer im Pariser Parc des Princes. Den Herberger-Schützlingen schlägt der blanke Hass auf Nazi-Deutschland entgegen. Als der Wiener Pesser nach einem Revanchefoul des Feldes verwiesen wird, hagelt es Eier, Tomaten und Flaschen von der Tribüne. Das Ergebnis hat nur noch sekundäre Bedeutung: 1:1 nach Verlängerung.
Fünf Tage später im Wiederholungsspiel dasselbe Bild: Die Zuschauer im Stadion reagieren ihre Emotionen erneut an der deutschen Nationalelf ab. Die lässt sich zunächst nicht beirren, legt ein 2:0 vor. Aber die Schweizer kippen das Spiel und gewinnen am Ende 4:2. Das Herberger-Team tritt nach dieser Erstrunden-Blamage resigniert den Heimweg an. Finanziell allerdings ist die Partie für die Veranstalter ein Riesenerfolg: 501.000 Francs werden eingenommen, gut ein Viertel aller Vorrundeneinnahmen.
Das Finale zwischen Titelverteidiger Italien und Ungarn steigt am 19. Juni im Pariser Stade de Colombes. Seit 1925 haben die Tifosi dieses Duell nicht mehr verloren. Dabei bleibt es auch nach dem Abpfiff. 55.000 Zuschauer erleben eine elegant aufspielende ungarische Mannschaft, die stürmisch angreift, aber beste Chancen auslässt. Kampfstärke und Einsatzwille der Italiener entscheiden das Endspiel. Am Ende heißt es 4:2 für die Mannschaft von Trainer Pozzo. Italien hat seinen WM-Titel verteidigt. Ebenfalls mit 4:2 gewinnt Brasilien das Spiel um den dritten Platz gegen Schweden.
Dass sich Brasilianer Künstlernamen geben, ist ja bekannt. Doch diesen hier, "Dr. Nariz", wird sich Alvaro Cancado kaum selbst zugelegt haben. Vielmehr hebt die Bezeichnung auf eine körperliche Besonderheit des Doktors und Kapitäns der brasilianischen WM-Elf von 1938 ab: Nariz bedeutet nämlich "große Nase".
| Mannschaft1 | Mannschaft2 | Ergebnis |
|---|---|---|
| Quelle: sport.ard.de | ||
Italien gegen |
Ungarn |
4 : 2 |
Brasilien gegen |
Schweden |
4 : 2 |
Italien gegen |
Brasilien |
2 : 1 |
Ungarn gegen |
Schweden |
5 : 1 |
Brasilien gegen |
CSFR |
2 : 1 |
Italien gegen |
Frankreich |
3 : 1 |
Schweden gegen |
Kuba |
8 : 0 |
Ungarn gegen |
Schweiz |
2 : 0 |
Brasilien gegen |
CSFR |
1 : 1 |
Schweiz gegen |
Deutschland |
4 : 2 |
Kuba gegen |
Rumänien |
2 : 1 |
Kuba gegen |
Rumänien |
3 : 3 |
CSFR gegen |
Niederlande |
3 : 0 |
Frankreich gegen |
Belgien |
3 : 1 |
Ungarn gegen |
Indonesien |
6 : 0 |
Italien gegen |
Norwegen |
2 : 1 |
Brasilien gegen |
Polen |
6 : 5 |
Deutschland gegen |
Schweiz |
1 : 1 |
| Spiele | 18 |
|---|---|
| Tore gesamt | 84 |
| Toreschnitt | 4,67 |
| Platzverweise | 4 |
| Zuschauer gesamt | 483.000 |
| Zuschauerschnitt | 26.833 |
| Stadien | 10 |

Französische Briefmarke zur WM 1938