Das Tor, das (wohl) keins war, wird bis heute heftig diskutiert. WM-Finale 1966 zwischen Deutschland und England auf dem "heiligen" Rasen von Wembley. Nach 77 Minuten führen die Briten 2:1. Wolfgang Weber gelingt in der 90. Minute der Ausgleich - Verlängerung! Deutsche und Briten geben alles, doch das WM-Finale entscheidet ein Schweizer: Schiedsrichter Gottfried Dienst. In der 101. Minute kommt Geoff Hurst zum Schuss. Der Ball knallt an die Latte und prallt zurück auf den Boden. Vor, auf oder hinter die Linie?
Drin oder nicht, das ist bis heute die Frage. Niemand hat es richtig gesehen. Auch die Fernsehkameras geben nicht endgültig Aufschluss. Die Engländer reißen die Arme hoch, die Deutschen winken ab. Schiedsrichter Dienst zögert und läuft zu seinem Linienrichter Tofik Bachramow aus der UdSSR: "The ball was behind the line?" Bachramow: "Yes, behind the line." Dienst deutet zur Mitte, gibt das Tor. 3:2 für England, das Fußball-Mutterland rast an diesem 30. Juli 1966.
Uwe Seeler hält seine Kameraden zurück, die aufgebracht protestieren. 19 Minuten später sind die Briten Weltmeister, siegen 4:2, weil Hurst noch seinen dritten Finaltreffer erzielt, als schon Zuschauer auf den Platz stürmen. "Wir haben 2:2 verloren" resümiert die "Bild-Zeitung". 35 Jahre danach überkommen Hurst doch noch Zweifel an der Regelgültigkeit seines Treffers. In seinem Buch "1966 and All That" gibt er immerhin zu, "dass es aussieht, als ob der Ball die Linie nicht überschritten hat".
Dass die Briten die WM-Trophäe überhaupt in Empfang nehmen können, verdanken sie übrigens einem Hund namens "Pickels". Vier Monate vor dem Turnierstart wird der Pokal aus dem Weltmeister-Haus gestohlen. Eine Woche lang befindet sich England und der Rest der Fußball-Welt in purer Verzweiflung - bis eben "Pickels" das Goldstück unter einem Londoner Vorortgebüsch wiederfindet. Wer den Pokal entwendet hat, ist bis heute ein Geheimnis.
Angesichts des Dramas von Wembley geraten andere spektakuläre Partien der WM 1966 in den Hintergrund. Zum Beispiel die größte Turniersensation, der 1:0-Sieg von Nordkoreas Fußballsoldaten über Italien, der das Aus für die "Squadra Azzurra" nach der Vorrunde besiegelt. Im Viertelfinale gegen Portugal führen die Asiaten nach 22 Minuten sogar 3:0. Doch Eusébio wendet das Blatt mit vier Treffern in Folge, 5:3 heißt es am Ende. Mit zwei Toren schickt er den amtierenden Champion Brasilien schon nach der Vorrunde auf die Heimreise. Portugal entscheidet auch das Spiel um den dritten Platz gegen die UdSSR mit 2:1 für sich.
Vor der WM 1966 war der Jules-Rimet-Pokal aus einer Ausstellung gestohlen worden. Ein Hund namens "Pickles" stöberte ihn unter einem Gebüsch in einem Londoner Vorgarten zufällig wieder auf. Zur Belohnung wurden Hund und Herrchen zur WM 1970 nach Mexiko eingeladen. Doch der Vierbeiner starb kurz vorher.
| Mannschaft1 | Mannschaft2 | Ergebnis |
|---|---|---|
| Quelle: sport.ard.de | ||
England gegen |
Deutschland |
4 : 2 |
Portugal gegen |
Sowjetunion |
2 : 1 |
England gegen |
Portugal |
2 : 1 |
Deutschland gegen |
Sowjetunion |
2 : 1 |
England gegen |
Argentinien |
1 : 0 |
Deutschland gegen |
Uruguay |
4 : 0 |
Portugal gegen |
Nordkorea |
5 : 3 |
Sowjetunion gegen |
Ungarn |
2 : 1 |
| Spiele | 32 |
|---|---|
| Tore gesamt | 89 |
| Toreschnitt | 2,78 |
| Platzverweise | 5 |
| Zuschauer gesamt | 1.614.677 |
| Zuschauerschnitt | 50.459 |
| Stadien | 8 |

"World Cup Willie", das offizielle Maskottchen der WM 1966