Das Fernsehen bringt zusätzlich Farbe ins Spiel. Die WM 1970 in Mexiko ist die erste, die dank des PAL-Systems in bunten Bildern über Deutschlands Mattscheiben flimmert. Und sie wird zum bis dahin größten Fußballfest aller Zeiten - trotz massiver Bedenken im Vorfeld gegen den Austragungsort. Die Bilder von zusammenbrechenden Läufern in Mexikos Höhenluft bei den Olympischen Spielen 1968 sind noch nicht vergessen. Die hygienischen Verhältnisse und "Montezumas Rache" auch nicht.
Doch der Fußball erlebt in Mexiko regelrechte Sternstunden. Deutschland gegen Italien - nicht nur auf dem Papier ein Highlight. Wer das Spiel gesehen hat, hat es nicht mehr vergessen. Wer es nicht gesehen hat, weiß trotzdem davon. Die Halbfinal-Partie geht als "Jahrhundertspiel" in die Annalen ein. Über 80.000 Zuschauer im Azteken-Stadion zu Mexiko-City werden Augenzeugen der Hitzeschlacht, die die Italiener nach Verlängerung 4:3 gewinnen. Beim Abpfiff ist eine Legende geboren.
Das Finale findet dennoch nicht ohne deutsche Beteiligung statt. Der 23. Mann auf dem Platz kommt aus Leipzig. Rudi Glöckner, Schiedsrichter aus der DDR, pfeift die Partie Brasilien gegen Italien am 21. Juni vor 107.000 Zuschauern im Azteken-Stadion. Glöckners Nominierung ist die wohl größte sportliche Überraschung, denn die Favoriten aus Südamerika setzen sich 4:1 durch. Es ist Brasiliens dritter WM-Titel, weshalb der "Coupe Jules Rimet", die bisherige WM-Trophäe, den FIFA-Regeln entsprechend für immer nach Rio wandert.
Atemberaubender Fußball wird aber auch schon zu Beginn des Turniers geboten. Dazu tragen neben Ausrichter Mexiko vor allem vier Teams bei: Brasilien mit einem Pelé in Weltklasseform, England mit dem Willen, den Titel zu verteidigen, Italien mit dem zur Perfektion gereiften "Catenaccio" und Deutschland, das vor allem von einem Mann lebt: Gerd Müller. Er wird am Ende Torschützenkönig mit insgesamt zehn Toren. Er macht auch in der Verlängerung des Viertelfinals gegen England mit seinem Treffer zum 3:2 die Revanche für 1966 perfekt.
Deutschland gewinnt schließlich das "kleine" Finale gegen Uruguay, sprich: das Spiel um Platz drei, mit 1:0 durch ein Tor von Wolfgang Overath. Die Weltmeisterschaft in Mexiko hat höchst attraktiven Angriffs- und Kombinationsfußball geboten. Die Fachwelt ist sich einig, die beste und spannendste WM aller Zeiten gesehen zu haben.
Der mexikanische Zoll war Briten und Deutschen vor dem Turnierstart 1970 gleichermaßen auf den Magen geschlagen. Zwölf Zentner deutsches Fleisch beschlagnahmten die Zöllner – aber auch die Frühstückswürstchen der Engländer.
| Mannschaft1 | Mannschaft2 | Ergebnis |
|---|---|---|
| Quelle: sport.ard.de | ||
Brasilien gegen |
Italien |
4 : 1 |
Deutschland gegen |
Uruguay |
1 : 0 |
Italien gegen |
Deutschland |
4 : 3 |
Brasilien gegen |
Uruguay |
3 : 1 |
Deutschland gegen |
England |
3 : 2 |
Italien gegen |
Mexiko |
4 : 1 |
Brasilien gegen |
Peru |
4 : 2 |
Uruguay gegen |
Sowjetunion |
1 : 0 |
| Spiele | 32 |
|---|---|
| Tore gesamt | 95 |
| Toreschnitt | 2,97 |
| Platzverweise | 0 |
| Zuschauer gesamt | 1.673.975 |
| Zuschauerschnitt | 52.312 |
| Stadien | 5 |

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