Keine WM ohne Knatsch. Diesmal ist es Ersatztorhüter Uli Stein vom Hamburger SV, der für Misstöne im deutschen Lager sorgt. Toni Schumacher, die Nummer eins im Kasten der DFB-Elf, ist von seiner Topform weit entfernt. Die Münchener Fraktion um Kapitän Karl-Heinz Rummenigge greift die Kölner Clique um den Keeper und Vize-Kapitän an. Mittendrin statt nur dabei: Stein, der seine Chance ausgerechnet in dem Moment wittert, als Schumacher und Rummenigge Frieden schließen.
Stein zieht daraufhin gegen Teamchef Beckenbauer vom Leder, beschimpft ihn als "Suppenkasper" und die Mannschaft als "Gurkentruppe". Der "Kaiser" schickt den Querulanten nach Hause. Die Truppe reißt sich zusammen und kommt als Gruppenzweiter hinter Dänemark eine Runde weiter. Spiel für Spiel arbeitet sich die deutsche Elf zum Finale vor. Gegen Marokko reicht ein Matthäus-Tor zum 1:0, gegen Mexiko das Glück im Elfmeterschießen (4:1). Im Halbfinale gegen Frankreich machen Brehme und Völler den fünften Einzug in ein WM-Finale perfekt.
"Jetzt wollen wir auch den Cup", verkündet Lothar Matthäus voller Überzeugungskraft. Die ist auch nötig, schließlich wird der Münchner mit der wichtigsten Aufgabe seiner Karriere betraut: Er soll Diego Armando Maradona nicht nur stoppen, sondern "entzaubern". Das gelingt fast vollständig. Dafür patzt ein anderer - Toni Schumacher. Ein ums andere Mal segelt er im Strafraum am Leder vorbei. Die Argentinier führen 2:0. Zwar gleichen Rummenigge und Völler binnen neun Minuten aus. Doch Burruchaga nach einem Maradona-Traumpass besiegelt sechs Minuten vor Schluss die deutsche Niederlage.
Als Maradona am 29. Juni nach dem 3:2 über Deutschland den WM-Pokal küsst, steht er im Zenit seiner Karriere und eine ganze Nation Kopf. Seinen Führungstreffer mit der "Hand Gottes" im Viertelfinale gegen England sehen 100.000 Zuschauer im Azteken-Stadion als irreguläres Tor - nur der tunesische Schiedsrichter Ali Bennaceur nicht. Ein Skandal. Dennoch ist "Dieguito", der die WM fast im Alleingang entscheidet, der unumstrittene Superstar des Turniers.
Dass Deutschland zum zweiten Mal in Folge ein Finale verliert, ist bitter. Aber die Mannschaft von Teamchef Beckenbauer verkauft sich teuer. Zum zweiten Mal hintereinander schaltet das DFB-Team Frankreich im Halbfinale aus, darf sich zumindest inoffiziell Europas Nummer eins nennen. Überraschend auch der Auftritt Belgiens, das hinter Frankreich Platz vier belegt. Brasilien, wie immer als heißer Titelanwärter gestartet, verliert im Viertelfinale 3:4 im Elfmeterschießen gegen Frankreich. Das ganze Land ertrinkt in einem Meer von Tränen.
1986 wurde Argentinien zum zweiten Mal Weltmeister. Vor dem Turnier faltete Ex-Coach César Luis Menotti seinen Nachfolger Carlos Bilardo zusammen: "Der Nichtskönner zerstört das Herz unseres Fußballs durch seine Betonstrategie." Errare humanum est.
| Mannschaft1 | Mannschaft2 | Ergebnis |
|---|---|---|
| Quelle: sport.ard.de | ||
Argentinien gegen |
Deutschland |
3 : 2 |
Frankreich gegen |
Belgien |
4 : 2 |
Deutschland gegen |
Frankreich |
2 : 0 |
Argentinien gegen |
Belgien |
2 : 0 |
Argentinien gegen |
England |
2 : 1 |
Belgien gegen |
Spanien |
5 : 4 |
Frankreich gegen |
Brasilien |
4 : 3 |
Deutschland gegen |
Mexiko |
4 : 1 |
England gegen |
Paraguay |
3 : 0 |
Spanien gegen |
Dänemark |
5 : 1 |
Frankreich gegen |
Italien |
2 : 0 |
Deutschland gegen |
Marokko |
1 : 0 |
Brasilien gegen |
Polen |
4 : 0 |
Argentinien gegen |
Uruguay |
1 : 0 |
Mexiko gegen |
Bulgarien |
2 : 0 |
Belgien gegen |
Sowjetunion |
4 : 3 |
| Spiele | 52 |
|---|---|
| Tore gesamt | 132 |
| Toreschnitt | 2,54 |
| Platzverweise | 8 |
| Zuschauer gesamt | 2.407.431 |
| Zuschauerschnitt | 46.297 |
| Stadien | 12 |

"Pique", das offizielle Maskottchen der WM 1986