Sechs Treffer in sieben Spielen bei der WM 1990 machten ihn zum Volkshelden und Torschützenkönig. Beim Turnier im eigenen Land ging der Stern des Sizilianers Salvatore "Toto" Schillaci auf. Das "Tore-Genie" schoss 60% aller italienischen Treffer - und verschwand danach genauso schnell wieder in der Versenkung.
Eineinhalb Jahre vor der WM 1990 spielte er noch in der Serie B. Ende März 1990 gab er sein Debüt in der "Squadra Azzurra". Ein paar Wochen später reiste er zur Weltmeisterschaft an - als Ersatz von Andrea Carnevale. In Italiens Auftaktmatch gegen Österreich wurde er in der 76. Minute eingewechselt. 120 Sekunden später schoss er den Siegtreffer. Der märchenhafte Aufstieg des Salvatore Schillaci hatte begonnen. Doch der Ruhm verging ebenso schnell, wie er gekommen war.
Schillacis Pech war wohl, dass sein eigenes Festival nicht vom WM-Titel gekrönt wurde. Es schien, als habe ihm die Halbfinalniederlage im Elfmeterschießen gegen England ein regelrechtes Trauma beschert. Darüber konnte auch der dritte Platz nicht hinwegtäuschen. Sechs Mal traf er bei der WM - nur ein einziges Mal noch darüber hinaus in seinen restlichen neun Länderspielen. Schillaci blieb eine Eintagsfliege: Nie wieder legte er eine ähnliche Gala hin, auch wenn er mit "Juve" noch den UEFA-Cup und den italienischen Pokal gewinnen sollte.
Selbstbewusst, mitunter eigensinnig, aber stets "mit heißem Herzen" ("Sportecho") ging der Sizilianer auf Torejagd. Als ihm Drittligist Messina sein erstes Monatsgehalt auszahlte, etwa 200 Euro, fühlte sich "Toto" gleich "wie ein echter Profi". Für ihn war es ein kleines Vermögen. Als Sohn eines armen Beamten hatte er in seiner Kindheit Reifen geflickt, um etwas zum Unterhalt der siebenköpfigen Familie beizusteuern. Seinen Wechsel zu Juventus Turin bejubelte er denn auch als "Erfüllung aller Sehnsüchte".
Ständig von Verletzungen geplagt, beendete der stolze Sizilianer ("Ich hänge sehr an Sizilien, meiner Familie und den Leuten dort") im Jahr 2000 seine aktive Karriere, die ihn bis nach Japan geführt hatte. Seitdem widmet er sich in der Heimat seiner Fußballschule oder arbeitet für den italienischen TV-Sender RAI als Kommentator. Für einen Ausflug in die Reality-Show "Insel der Stars" allerdings erntete er überwiegend Hohn und Spott.
Eines kommt für ihn gar nicht in Frage, nämlich die Arbeit als Fußballlehrer: "Ich habe überhaupt keine Lust auf den Trainerjob, nicht mal in der Serie A. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mein Leben wieder vom Veranstaltungskalender des Fußballs bestimmen lasse, mit der ganzen Anspannung, der Vorbereitung und dem Stress der Spiele", sagt er. So ist aus dem gefeierten Star von einst auch wieder ein ganz normaler Fan geworden, dessen Herz für die sizilianischen Vereine Messina und Palermo schlägt.
Frank Menke
Links: Totó Schillaci im Viertelfinalspiel gegen Irland, das Italien mit 1:0 gewann. Das Tor schoss - natürlich - Schillaci. Am Ende wurde es zwar nicht der WM-Titel für den Gastgeber Italien, aber sechs Tore des Sizilianers reichten zumindest für Platz 3.