Lothar Matthäus

Die Reizfigur

Der WM-Titel 1990 machte ihn zum Megastar. Mit 150 Einsätzen ist er Deutschlands Rekordnationalspieler. Als erster Feldspieler nahm er an fünf WM-Turnieren teil. Doch als Weltmeister des verbalen Flachpasses hat Lothar Matthäus viel Glück gehabt, dass er seine Karriere nicht in Grund und Boden geredet hat.

Die Tragik eines Lothar Matthäus liegt darin, dass seine rhetorischen Fähigkeiten nur selten Schritt halten mit seinen sportlichen Darbietungen. Erst zum Ende seiner aktiven Karriere erntete "der Leitwolf" jene Anerkennung, die er wort- und gestenreich stets für sich reklamiert hatte. Dass er zuweilen in die dritte Person wechselt, wenn er über sich selbst redet ("Ein erfolgreicher Lothar Matthäus hat Vorbildfunktion. Er ist interessant."), verwundert niemanden. Man ist ihm dankbar, dass er nicht gleich den "Pluralis majestatis" bemüht.

"Fettnäpfe sind sein Leben"

Der "Spiegel" argwöhnte im Jahr 2000, Matthäus spiele "auch deshalb immer noch so leidenschaftlich gerne Fußball, weil er so leidenschaftlich gerne in der Zeitung steht." Die "Frankfurter Allgemeine" vermisste an ihm "den glaubwürdigen Versuch, auch einmal den Sprung ins Rampenlicht zu meiden." "Fettnäpfe sind sein Leben", titelte die "Bunte". In der öffentlichen Wahrnehmung war das "fränkische Plappermaul" ("Süddeutsche Zeitung") oft genug zur Witzfigur mutiert - wenngleich auf hohem sportlichen Niveau.

Trap: "Um zu siegen, brauche ich Mätthaus"

Erst die Rekorde sicherten ihm doch noch jenen Platz im Fußball-Olymp, den er schon durch den WM-Titel 1990 für sich beanspruchte. In der Tat hatte er diesem Turnier seinen Stempel aufgedrückt. Der 4:1-Sieg über Jugoslawien ging als das vielleicht beste Spiel seines Lebens in die Annalen ein. Dabei war Matthäus nie der geniale Zauberer, vielmehr ein von unbändigem Ehrgeiz getriebener Kämpfer, der Athletik, Kraft, Schnelligkeit und Siegermentalität in seinem Spiel vereinigte. Sein Coach Giovanni Trappatoni beschrieb das so: "Ich verehre Platini. Ich bewundere Maradona. Aber um zu siegen, brauche ich Matthäus."

Studentin machte ihn zum "Weltbürger"

Auch "Loddas" Privatsphäre konnte - bei seinen Präferenzen - natürlich nicht privat bleiben, bot vielmehr reichlich Stoff für Schlagzeilen. Etwa, als er sich von seiner ersten Frau Silvia scheiden ließ und die mondäne Schweizer TV-Moderatorin Lolita Morena ehelichte. Etwa, als ihn die 16 Jahre jüngere Studentin Maren Müller-Wohlfahrt, Tochter des Bayern-Mannschaftsarztes, in New York "zum Weltbürger machte". Mittlerweile ist er mit der Serbin Marianna Kostic verheiratet. Sie führt in Budapest eine Modeboutique, er zunächst die ungarische Nationalelf, bevor es ihn in die weite Welt verschlägt.

Keine Lobby im DFB

Und natürlich kann sich ein Lothar Matthäus vorstellen, auch einmal die deutsche Nationalmannschaft zu trainieren. Im Zuge der unsäglichen Völler-Nachfolge nach der EM 2004 war sein Name ja schon einmal im Gespräch. Was ihm fehlte, war eine Lobby im DFB. Denn: "Zutrauen würde ich mir das schon." Alles andere würde Fußball-Deutschland auch schwer überraschen.

Frank Menke

Montage mehrerer Fotos von Lothar Matthäus: Auf dem Spielfeld, Fotos:dpa; Montage: ARD

Lothar Matthäus dribbelt, dirigiert, jubelt. Ein begnadeter Techniker mit Übersicht - eine echte Nummer 10 eben. Das einzige, was ihm gelegentlich im Weg stand, war sein Mundwerk.

Zur Person

Name: Lothar Matthäus
Geboren: 21.03.1960 in Erlangen

Karriere-Highlights

  • Weltmeister 1990
  • Vize-Weltmeister 1986, 1982
  • Europameister 1980
  • UEFA-Cup-Sieger 1991, 1996
  • Deutscher Meister 1985 - 1987, 1994, 1997, 1999
  • Deutscher Pokalsieger 1986, 1998
  • Deutscher Supercupsieger 1987
  • Italienischer Meister 1989
  • Italienischer Supercupsieger 1989
  • Deutschlands Rekordnationalspieler mit 150 Einsätzen
  • WM-Rekordspieler mit fünf Teilnahmen und 25 Spielen