Nicht nur die deutschen Medien sind im Umgang mit ihrer Nationalelf unbarmherzig. Das ist auch in Polen so. "Wir wurden von den Medien so unter Druck gesetzt, dass ich mit den Nerven am Ende war", gestand nach der geschafften WM-Qualifikation Polens Nationaltrainer Pawel Janas. Dabei lieferten die Polen nun wirklich eine blitzsaubere Quali-Runde ab. Nach acht Siegen und nur einer Niederlage daheim gegen England hatte das Team schon vor dem letzten Spieltag das WM-Ticket in der Tasche. Die zweite Niederlage in England hatte nur noch statistischen Wert.
Polen ist in Deutschland also dabei und hat aus fußballerischer Sicht ausgezeichnete Erinnerungen an das Nachbarland. Angeführt von Torschützenkönig Gregorz Lato hatten die Polen 1974 fast alles besiegt, was Rang und Namen hat. Nur an Gastgeber Deutschland und den Wassermassen in Frankfurt waren die Polen damals beim 0:1 im Kampf um den Finaleinzug gescheitert. Der Gewinn des Spiels um Platz drei gegen den enttrohnten Weltmeister Brasilien war da nur ein kleiner Trost.
Die Offensive war damals größter Trumpf der Polen. Das ist auch heute so. Torjäger Tomasz Frankowski von Wisla Krakau, der inzwischen beim spanischen Zweitligisten FC Elche spielt, traf während der Quali-Runde insgesamt siebenmal - ebenso oft wie Maciej Zurawski von Celtic Glasgow. Trainer Janas leistet sich dabei den Luxus, beide Top-Angreifer gelegentlich auf der Bank schmoren zu lassen, was ihren Ehrgeiz offenbar nur anstachelt. Flankiert werden die beiden von zwei Bundesliga-Profis: Jacek Krzynowek auf links und Ebi Smolarek auf rechts machen Dampf auf den Außenpositionen - und die Polen zu dem, was sie zweifelsohne sind: ein Top-Offensiv-Team.