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WM 2006

07.02.2012 | 06:03 Uhr

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Trotz Kopfstoß zum besten WM-Spieler gewählt

Zidanes trauriger Abschied

Von Marcus Bark

Zinedine Zidane hat eine glanzvolle Karriere mit einem schlichten Kopfstoß beendet. Er zeigte damit auch in seinem letzten Spiel, nach dem er zum besten WM-Spieler gekürt wurde, wie eng Genie und Wahnsinn bei ihm nebeneinander liegen.

Zidane sieht Rot; Rechte: dpa Zidane sieht Rot - unrühmliches Ende einer großen Karriere.

Irgendwo würde er jetzt sitzen. Wird er weinen? Wird er sich das Elfmeterschießen überhaupt anschauen? Er war nicht mehr da, und doch war er noch die Hauptfigur. Zinedine Zidane hatte die Rote Karte gesehen, weil er Marco Materazzi die Stirn auf die Brust geschlagen hatte, als wolle er beim Karate einen Ziegel durchbrechen. Das war in der 110. Minute. Es war das Karriere-Ende, ein schlimmes Ende. Zinedine Zidane ist auch deshalb ein Weltstar geworden, weil er Dinge gemacht hat, die niemand erwartete. Den Kopfstoß hatte auch niemand erwartet.

Nie ein braver Junge

Zidane war nie ein braver Junge. Mehr als zehn Mal wurde er allein als Profi vom Feld gestellt. Oft waren die roten Karten vorhersehbar. Zidane wurde von seinen Gegnern verfolgt, gefoult, provoziert, manchmal gejagt, weil er sie narrte und die Gegenspieler das nicht ertragen konnten. Bei Zidane staute sich dann etwas an. Er konnte nicht haben, dass sie ihm die Lust am Spiel nehmen wollten, weil sie sonst keine anderen Mittel hatten. Die Zuschauer merkten an solchen Tagen, dass der Vulkan vor dem Ausbruch stand. Am Sonntag (09.07.06) gab es nicht die geringsten Anzeichen für diesen Ausbruch. Zidanes 108. Länderspiel war so glanzvoll wie viele zuvor. Mit seinem 31. Treffer für die "Equipe Tricolore", einem frech verwandelten Elfmeter, hatte er seine Mannschaft früh in Führung gebracht.

Kurz vor der zweiten Krönung

Nach der Pause trieb er sie zur Offensive an, bestimmte das Tempo, lenkte das Spiel und befehligte den Ball, der ihm wie immer gehorchte. In den Monaten vor der WM hatte Zidane bei seinem Verein Real Madrid häufig den Eindruck gemacht, als habe er den richtigen Moment zum Rücktritt verpasst. Aber im WM-Finale, dem zweiten seiner Karriere nach dem 3:0-Sieg gegen Brasilien 1998, steigerte er seine Form sogar noch in der Verlängerung. Mit 34 Jahren schien die zweite Krönung für Zidane bevorzustehen. Fast hätte Zidane das 2:1 geschossen. In der 104. Minute kam er fünf Meter vor dem Tor frei zum Kopfstoß. Gianluigi Buffon im italienischen Tor hielt. Wenig später kam der zweite Kopfstoß.

"Sinnlose Aktion"

Als seine Mannschaft ins Elfmeterschießen musste, war der Kapitän nicht da. Als seine Kollegen sich die Silbermedaille abholten, war er auch nicht da. Die Franzosen aber waren in dieser schweren Stunde bei ihm. Staatspräsident Jaques Chirac sagte im französischen Fernsehen, Zidane habe in seiner Karriere die schönsten Werte des Sports und die größten menschlichen Qualitäten verkörpert. David Trezeguet, der seinen Elfmeter verschossen hatte, verzieh sofort: "Ihm gebührt trotzdem Respekt." Und Journalisten aus aller Welt wählten ihn am Montag (10.07.06) zum besten WM-Spieler.

Trainer Raymond Domenech vermied allerdings eine Generalabsolution: "Es war eine total sinnlose Aktion." Ob Zidane das auch so sah? Was würde er sagen? Bis in den Morgen hinein war nichts zu hören. Zidane galt schon immer als schweigsamer Mensch.

Stand: 10.07.2006, 11:00 Uhr

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