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WM 2006

08.02.2012 | 12:03 Uhr

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FIFA eröffnet Untersuchung gegen Zidane

Materazzi gibt Provokationen zu

Das Rätsel um den folgenschweren Ausraster des französischen Fußballers Zinédine Zidane im Finale der Fußball-WM ist angeblich gelöst: Wie die Londoner Tageszeitung "The Times" berichtete, hatte sein italienischer Gegenspieler Marco Materazzi den Spross algerischer Eltern einer Lippenleserin zufolge als "Sohn einer Terroristen-Hure" beschimpft.

Zidane war auf Materazzi zugelaufen und hatte ihn mit einem Kopfstoß gegen den Brustkorb umgerannt. Nach Angaben seines Managers will sich Zidane "in den nächsten Tagen" zu dem Vorfall äußern.

Die FIFA hat bereits gegen den Franzosen ein Disziplinarverfahren eröffnet. Dabei werde man die Umstände der Tätlichkeit genauestens klären, wegen der Schiedsrichter Horacio Elizondo den französischen Spieler in der 110. Minute des Feldes verwiesen hatte.

Die FIFA stellte klar, dass der Hinweis auf die Tätlichkeit vom
vierten Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo gekommen sei. Dieser habe den Vorfall von seiner Position am Spielfeldrand direkt und ohne Zuhilfenahme eines Monitors gesehen und in der Folge den Schiedsrichter und dessen Assistenten über die Funkverbindung informiert. Auch Marco Materazzi könnte als Sünder überführt werden.

Materazzi räumte ein, dass er Zidane vor dem Kopfstoß beleidigt hatte, ohne den Inhalt seiner Äußerungen preiszugeben. Der Franzose habe sich vor dieser Beleidigung "super-arrogant" verhalten, verteidigte er sich nach einem Bericht der italienischen Sportzeitung "La Gazzetta dello Sport".

Auf die Frage, ob sich seine Worte gegen Zidanes Schwester gerichtet hätten, antwortete der Abwehrspieler ausweichend: Es sei "eine Beleidigung von der Art" gewesen, "wie man sie dutzende Male hört, und die uns auf dem Platz oft herausrutschen". Er habe Zidane nur kurz am Trikot festgehalten. Darauf habe ihn der Franzose herablassend gemustert und gesagt, wenn er wolle, könne er das Trikot nach dem Spiel haben. "Ich habe ihm mit einer Beleidigung geantwortet, das stimmt."

"Nicht die Mama beschuldigt"

Materazzi bestritt, Zidane einen Terroristen genannt zu haben. "Ich bin nicht gebildet, ich weiß nicht einmal, was ein islamistischer Terrorist ist - und meine einzige Terroristin ist sie", fügte der 32 Jahre alte Materazzi dem Bericht zufolge mit einem Blick auf seine zehn Monate alte Tochter hinzu. Die Kleine lag demnach an seiner Seite in dem Flugzeug, das Italiens Weltmeister-Elf in die Heimat flog. Materazzi beteuerte zudem: "Und ich habe ganz bestimmt nicht die Mama von Zidane beschuldigt - für mich ist die Mama heilig."

Die Tageszeitung "Corriere della Sera" verwies darauf, dass der Spieler von Inter Mailand seine eigene Mutter im Alter von 14 Jahren verloren habe und gewiss niemals die von Zidane beleidigt hätte.

Lippenleser nicht einig

Die "Times" beauftragte die als Gutachterin für britische Kriminalverfahren zugelassene Jessica Rees, Videobilder vom Streit zwischen Zidane und Materazzi auszuwerten. Mit Hilfe eines italienischen Dolmetschers las Rees von Materazzis Lippen die Worte "der Sohn einer Terroristen-Hure" ab, anschließend dann: "Verpiss' dich doch einfach". Andere Lippenleser kamen nach Angaben des brasilianischen TV-Senders Globo zum Ergebnis, Materazzi habe Zidanes Schwester als "Hure" beschimpft.

Video

Zidanes Manager Alain Migliaccio sagte, Materazzi habe Zidane nach dessen Worten etwas "sehr Ernstes" gesagt. "Er wollte mir aber nicht sagen, was", sagte Migliaccio der BBC. Zidane habe nicht darüber sprechen wollen", aber er wird darüber in den nächsten Tagen reden". Üblicherweise bleibe Zidane gelassen, am Sonntagabend im Berliner Olympiastadion sei aber "etwas in ihm explodiert". Der Spieler sei über den mit einer Roten Karte bestraften Ausraster in seinem letzten Spiel "sehr enttäuscht und traurig; er wollte nicht, dass es so zu Ende geht". Italien hatte ich nach Zidanes Platzverweis den WM-Titel im Elfmeterschießen geholt.

sid | Stand: 11.07.2006, 11:10 Uhr

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