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WM 2006

09.02.2012 | 17:35 Uhr

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Nachrichten - Allgemein

WM-Wochen in der ganzen Republik

Deutschlandreise - eine Bilanz

Von Oliver Hinz

Sport.ARD.de-Autor Oliver Hinz war während der WM fünf Wochen lang quer durch Deutschland unterwegs - hier sein Reisebericht.

Hohe Berge, weite Täler,
klare Flüsse, blaue Seen,
dazu ein paar Naturschutzgebiete,
alles wunderschön.

Von alledem habe ich in den letzten fünf Wochen nichts mitbekommen, obwohl ich 35 Tage unterwegs war, dabei über 9.000 Kilometer zurückgelegt und sehr wenig geschlafen habe. Fußball. Fußball. Fußball. Dafür war ich in fast allen WM-Stadien, habe spannende und weniger gute Spiele gesehen, jede Menge erlebt, neue Bekanntschaften gemacht und auch einiges über unser Land gelernt.

Meine Reise begann am 5. Juni mit dem Testspiel der "Soca Warriors" aus Trinidad & Tobago gegen den FC St. Pauli in Hamburg. Schon vor dem eigentlichen Beginn des Turniers war klar - die Stimmung ist großartig: Verbrüderungsszenen zwischen Fans aller Länder, manchmal alkoholgeschwängerte Freude aber immer friedlich. Überhaupt, wenn es einen absoluten Gewinner neben Champion Italien in dieser WM gibt, sind es die feiernden Fans.

Der Gewinner ist: Fanfest

In Tausenden strömte sie zu den "Public Viewing" genannten Fanmeilen und kreierten dort eine Atmosphäre wie im Stadion. In Hamburg musste das über 50.000 Personen fassende Heiligengeistfeld immer wieder wegen Überfüllung geschlossen werden. In Köln wurde rechtzeitig zum Englandspiel gegen Schweden ein Areal für 30.000 weitere Zuschauer eröffnet. Die Beobachter des südafrikanischen Fußballverbandes staunten nicht schlecht, die Meßlatte für 2010 hat das deutsche OK ziemlich hoch gelegt - die Fanfeste sind DIE Entdeckung dieses Turniers.

Polizisten; Rechte: WDR/Hinz Bild groß Die Polizei, Dein Freund und Scherzkeks.

Ein paar unschöne Szenen, kleine Prügeleien und so, habe auch ich gesehen, aber die Polizei hatte für mein Empfinden immer den richtigen Riecher. In der Kölner Innenstadt animierte ein Beamter auf einem Stromkasten stehend die Fans zur La Ola, damit seine Kollegen derweil einen verdächtiger Koffer untersuchen konnten, in Frankfurt posierten Bundespolizisten in voller Montur mit Fußballtouristen aller Herren Länder fürs Urlaubsfoto und in Berlin standen Beamte selbst im Eiskaffee stramm, wenn die deutsche Hymne im Fernseher erklingt.

WM oder fünfte Jahreszeit?

Apropos Fußballtouristen. Mit der eigentlichen Hauptsache, dem Sport, hatte diese WM manchmal leider nur noch am Rande zu tun. In den Stadien wimmelte es von Geschäftspartnern etlicher Sponsoren, die Leidenschaft der Fankurve reichte gerade Mal für 120 Minuten und das Elfmeterschießen. Danach trotteten die Touristen ohne erkennbare Freude oder Trauer davon. Klar, die meisten echten Fans waren ja auf den Fanfesten und fieberten dort mit. Die glücklichen, die dennoch ein Ticket fürs Spiel hatten, waren zum Teil derart übertrieben bemalt, dass ich dachte, ich wäre in Köln auf dem Alter Markt - beim Karneval.

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Nun ja, gespielt wurde dennoch. Statt feiner Leckerbissen gab's leider überwiegend Magerkost. Es gab weder das eine große Spiel, noch den einen herausragenden Spieler und kaum Tore. Das defensive 4-5-1 hat sich durchgesetzt (die deutsche Nationalmannschaft war da echt die Ausnahme. Danke). 64 Spiele und am Ende gibt's ne Lotterie: Glückwunsch Italien.

Was bleibt sonst noch nach 31 Tagen Turnier? Die Erkenntnis, dass die allermeisten Taxifahrer nicht das Geschäft ihres Lebens gemacht haben, dafür aber zahlreiche T-Shirt und Schal-Verkäufer vor den Stadien und leider auch die Schwarzhändler: 1.500 Euro kostete das Vorrundenspiel England gegen Paraguay. Die so verkauften Tickets trugen übrigens keinen Namen, sondern den Aufdruck "FIFA" oder den Namen eines Sponsors.

Und jetzt nur noch schlafen

Äußerst positiv überrascht waren die allermeisten ausländischen Gäste, die ich während dieser Zeit kennen lernte (Fußballfans wie Journalisten-Kollegen, allen voran die Engländer), über die Gastfreundschaft der Deutschen und die Offenheit. Das Bild von unserem Land wurde neu gemalt, nur viel schöner.

Am meisten überrascht davon waren wir wohl alle selbst. Hoffentlich halten der Optimismus, die Solidarität und die Dankbarkeit, die ich überall gespürt und erlebt habe, noch eine Weile an. Das haben wir uns verdient.

Jetzt, nach dem Finale in Berlin, geht's nach Hause. Schlafen.

Stand: 10.07.2006, 11:10 Uhr

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