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Aus dem Archiv von sportschau.de
08.02.2012 | 11:53 Uhr
Italien verlässt Deutschland
Von Frank Finkbeiner
Das Flugzeug, das den neuen Weltmeister nach Hause bringen soll, steht im hintersten Winkel des Düsseldorfer Flughafens. Es ist kein spektakulärer Abschied, kein Oberbürgermeister ist da, kein Minister. Ganz geräuschlos verläuft der Abschied der Italiener allerdings nicht.
Der Pokal verlässt das Land für vier Jahre - mindestens.
Manchmal gibt es auch bei Flughafenführungen hübsche Zufälle. Eine Besuchergruppe besichtigt gerade das Rollfeld, da sagt der Busfahrer, dass es außer Hangars und Maschinen diesmal noch etwas Besonderes zu sehen geben werde: einen richtigen Weltmeister. Er steuert ein kleines Flugzeug an, das ganz hinten geparkt ist. Wenige Minuten ist der Weltmeister dann tatsächlich da. Die italienische Mannschaft steigt aus einem Bus und hinein ins Flugzeug. Hinter dem Absperrzaun ist eine Frau aus Kaarst begeistert: "Toll, dass wir das auch noch erleben dürfen." Dass die Italiener in ihren dunklen Anzügen der Besuchergruppe nicht zuwinken und sich bis auf wenige Ausnahmen auch nicht umdrehen, stört nicht: "Kann man das auch noch erwarten?"
Die Italiener haben es eilig. Zügig steigen sie die mit italienischen Fahnen geschmückte Treppe zum Flugzeug hinauf. Auf dessen Rumpf sind fröhliche italienische Spieler geklebt. Die echten Fußballer wirken aus der Entfernung nicht ganz so euphorisch. Als schon fast alle drin sind, hält aber doch noch ein Spieler lachend etwas Goldenes in die Höhe: den WM-Pokal, vielleicht aber auch nur eine Kopie. Hinter dem Absperrzaun wird gerätselt: "Ist das jetzt der Totti oder der Cannavaro?"
Glückliches Bodenpersonal
Rizzo und Fedele rollen derweil schnell den roten Teppich zusammen. Für sie ist es "der schönste Arbeitstag in unserem Leben." Die beiden Italiener vom Bodenpersonal haben Italien-Trikots angezogen, sich ein Autogramm von Gennaro Gattuso geholt und fleißig fotografiert. Jetzt strahlen sie: "Das erlebt man so hautnah nur einmal im Leben", sagt Rizzo. Während sie den Teppich wegbringen, halten noch einmal zwei Busse vor dem Flugzeug. Betreuer bringen Taschen und Spielerfrauen stöckeln hinterher.
Wasserspiele für den Weltmeister
Die Maschine fährt los und ein paar hundert Meter weiter werden sofort Fahnen entrollt. Hunderte von Fans warten seit knapp anderthalb Stunden auf der Besucherterrasse, dass ihre Weltmeister an ihnen vorbei rollen, dass sie ihre Fahnen schwenken und Lärm machen dürfen. Doch vorher muss die Maschine noch durch eine Art Waschanlage, die allerdings als Gratulation gedacht ist. Zwei Löschfahrzeuge der Flughafenfeuerwehr schicken Fontänen in den Himmel. Das Flugzeug rollt hindurch und eine Sprecherin des Flughafens ist zufrieden: "Jetzt machen wir Deutschen die Italiener ja doch noch nass."
Stand: 10.07.2006, 05:44 Uhr