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Aus dem Archiv von sportschau.de
08.02.2012 | 19:04 Uhr
Nationalmannschaft auf der Berliner Fanmeile
Von Frank Menke
La Ola auf 2,7 Kilometer Länge. Bewegte Nationalspieler. Ein gerührter Bundestrainer. Weit über eine halbe Million Deutschland-Fans im Zustand der Raserei. Die Danke-schön-Party der Nationalmannschaft auf der Berliner Fanmeile geriet zum emotionalen Höhepunkt einer an Emotionen wahrlich nicht armen deutschen Fußball-WM.
"Wir haben vier Wochen eine Party erlebt, wie es sie noch nie in Deutschland gegeben hat. Das kann man nicht toppen!" bedankte sich Jürgen Klinsmann. "Ohne euch Fans hätten wir das nie geschafft", sagte Miroslav Klose. "Inzwischen muss man Fan der deutschen Fans sein. Auch sie waren Stars dieser WM", meinte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Zum ersten Mal erlebte die deutsche Nationalmannschaft die Euphorie auf der Berliner Fanmeile hautnah und bedankte sich bei über einer halben Million Fans für die bedingungslose Unterstützung während des Turniers.
Ein ganzes Volk wie Groupies : Die Seelenlage der Anhänger, sie spiegelte sich auf ihren Transparenten wider. "Ihr seid unsere Helden und habt uns soviel Spaß gemacht", stand auf einem, "Ihr habt was bewegt" auf einem anderen. Am häufigsten war zu lesen: "Klinsi mach es" oder "Danke Klinsi". Eine musikalische Liebeserklärung mit besonderer Note gab's für den Bundestrainer von Sänger Axel Fischer: "Klinsi, du musst bleiben. Sowas habe ich noch nie gefühlt, nicht mal in der Liebe."
Doch auch im Moment seines größten Triumphes ließ sich der Bundestrainer kein Statement zu seiner Zukunft entlocken. Da mochte ihn auch Assistenztrainer Joachim Löw mit ermutigendem Kopfnicken noch so sehr animieren - Klinsmann bat um Verständnis, dass er "einige Tage" Abstand brauche. Immerhin: nur einige Tage. Doch im Grunde ist es undenkbar, dass er Mannschaft und Anhänger im Stich lässt. Das hätte mit Sicherheit einen Massenaufstand zur Folge.
Es war die Zeit für noch mehr Gefühle am Brandenburger Tor. Auf der Großleinwand wurden noch einmal alle Tore des deutschen Teams bejubelt, der Sekundentod am Ende des Halbfinales gegen Italien betrauert. Jens Lehmann sagte zum Rücktritt Oliver Kahns: "Es wird mir was fehlen. Er ist ein geachteter Konkurrent." Die Sportfreunde Stiller wandelten auf den Spuren Gotthilf Fischers, formierten die Fans mit ihrem Gassenhauer "54, 74, 90, 2006" zu Deutschlands größtem Chor. Und als Xavier Naidoo seine WM-Hymne "Dieser Weg" anstimmte, flossen bei vielen Tränen. Per Mertesacker, auf Krücken, ließ seiner Glückseligkeit freien Lauf: "Der schönste Augenblick ist jetzt im Moment."
Zwischen Rührung und Späßchen bewegte sich Michael Ballack. Zur Frage nach seiner Stimmung meinte er: "Das habe ich vergessen" - und zauberte aus Lehmanns Strumpf einen Spickzettel hervor. Dann verkündete er mit brüchiger Stimme: "Vielen, vielen Dank. Ihr seid die Geilsten!" Auch ARD-WM-Moderatorin Monica Lierhaus sagte Danke: "Für den schönsten Fußball bei dieser WM." Einen weiteren Volltreffer landete sie mit der Bemerkung: "Im Grunde bewahrt doch nur ein anderer den Pokal vier Jahre für uns auf."
Diese Weltmeisterschaft hat Fans und Nationalmannschaft in nie gekannter Weise zusammengeschweißt. Xavier Naidoo besang es mit Blick auf den nächsten ganz großen Traum so: "Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer, 2010 könnt ihr Weltmeister sein, denn diese Nation steht hinter euch, und zwar sehr." Einfach zum Heulen schön.
Stand: 09.07.2006, 16:57 Uhr
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