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Aus dem Archiv von sportschau.de
10.02.2012 | 11:26 Uhr
Die Franzosen in der Einzelkritik
Von Christian Hornung
Sie hatten alle Chancen auf den Sieg, besonders Thierry Henry. Doch dann entschied der Ausraster von Kapitän Zinedine Zidane die Partie - er fehlte im Elfmeterschießen. Die Einzelkritik.
Fabien Barthez konnte sich kaum einmal auszeichnen.
Fabien Barthez turnte wie immer wild in seinem Fünfmeterraum herum, wirkte wenig souverän, aber das ist nichts Neues. Er machte keine entscheidenden Fehler, bekam aber auch kaum einen Ball zu halten. Im Elfmeterschießen war er auch nur Zuschauer.
Willy Sagnol zeigte eine großartige Partie. Machte die rechte Abwehrseite absolut dicht, spielte abgeklärt nach vorne und schlug einige gute Flanken. Verwandelte seinen Elfer sicher.
Lilian Thuram begann stark, hatte dann aber im Duell mit Luca Toni gelegentlich das Nachsehen. Vor allem im Luftkampf war der Manndecker erstaunlich oft zweiter Sieger.
William Gallas bewies erneut, dass er zu den stärksten Verteidigern dieses Turniers gehörte. Für den Spielaufbau tat er allerdings absolut nichts.
Eric Abidal leiste auf der linken Abwehrseite ein großes Pensum, schaltete sich oft nach vorne ein und ergänzte das Mittelfeld gut. Tauchte allerdings in der letzten halben Stunde weitgehend unter, war erst beim Elfmeterschießen wieder voll da.
Zinedine Zidane sorgte erst für Glanz, riss dann aber sein Denkmal selbst ein.
Patrick Vieira verlor in der Defensive zunächst einige Zweikämpfe, fing sich dann aber. Seine verletzungsbedingte Auswechslung war eine große Schwächung für die Franzosen.
Claude Makelele verdingte sich als persönlicher Schatten von Francesco Totti und verurteilte den Römer zu völliger Wirkungslosigkeit. Nach Tottis Auswechslung schaute er auch mal ab und an in der Offensive vorbei.
Florent Malouda zeigte sein bestes Turnierspiel, riss immer wieder Löcher in die italienische Viererkette, konnte diese aber nicht zu einem Abschluss nutzen. Er holte den Elfmeter zur Führung heraus und wurde in der 54. Minute ein weiteres Mal im Strafraum gelegt - diesmal blieb der Pfiff allerdings aus.
Zinedine Zidane traf mit einem kunstvollen Straßstoß zur Führung und hatte mit seinem Kopfball nach Sagnols Flanke in der Verlängerung die größte Chance zur vorzeitigen Entscheidung. Dann entschied er das Spiel gegen seine Mannschaft: Nach der Roten Karte für seinen Ausraster gegen Marco Materazzi fehlte der Chef im Elfmeterschießen.
Franck Ribery wirbelte bis zur totalen Erschöpfung, unterstützte mit seinen Soli Thierry Henry immer wieder in der Spitze. Vor dem Tor war er aber erneut zu harmlos.
Thierry Henry mühte sich als einzige Spitze - ein schwerer Job.
Thierry Henry musste wie meistens in diesem Turnier als einzige Spitze antreten - und hatte es lange Zeit enorm schwer. Zu Beginn des zweiten Durchgangs drehte er aber enorm auf, konnte seine "Matchbälle" aber nicht nutzen.
Alou Diarra (ab 57. Minute für Vieira) ging mehrfach ungeschickt in die Zweikämpfe und stand am Rande einer Ampelkarte. Konnte Vieiras Fehlen nicht ausgleichen.
David Trezeguet (ab 99. Minute für Ribery) sorgte mehrmals für Gefahr, ohne sich die ganz großen Chancen zu erspielen. Donnerte seinen Elfmeter an die Lattenunterkante - der entscheidende Fehlschuss dieses Endspiels.
Sylvain Wiltord (ab 107. Minute für Henry) kam zu spät, um noch Großes zu bewirken. Musste nach Zidanes Abgang nur noch helfen, die 120 Minuten über die Zeit zu bringen. Sein Elfmeter war letztlich wertlos.
Stand: 09.07.2006, 23:30 Uhr
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