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Aus dem Archiv von sportschau.de
04.02.2012 | 06:05 Uhr
Deutschland gewinnt das "kleine Finale" 3:1 gegen Portugal
Von Christian Hornung
Deutschland hat die Weltmeisterschaft mit einer großartigen Gala beendet: Im Spiel um Platz drei besiegte das Team von Jürgen Klinsmann die Portugiesen nach einer berauschenden Vorstellung in der zweiten Halbzeit mit 3:1.
Bundesliga-Duell: Fernando Meira (l.) gegen Lukas Podolski
Zwölf Minuten vor Schluss durfte der Held die Bühne verlassen. Bastian Schweinsteiger klopfte sich noch einmal auf das Deutschland-Logo seines Trikots, klatschte der Menge zu und nahm die Glückwünsche der Kollegen auf der Ersatzbank entgegen. Die Party konnte beginnen. Dabei hatte die Aufstellung der Deutschen zunächst noch Zweifel genährt, dass die Mannschaft für diesen dritten Platz alles aufopfern würde. Neben den bereits verletzt abgemeldeten Michael Ballack, Arne Friedrich und Per Mertesacker fielen kurz vor dem Anpfiff auch noch Tim Borowski und Robert Huth mit kleineren Blessuren aus.
Doch schon nach gut fünf Minuten hatte keiner der 52.000 Fans in Stuttgart mehr Bedenken, dass dieses "kleine Finale" mit größtem Einsatz geführt würde. Bei einem schönen Direktschuss von Sebastian Kehl konnten die Portugiesen das 0:1 nur durch die Hand Nuno Valentes verhindern, doch Schiedsrichter Toru Kamikawa versagte den fälligen Elfmeter. Die Deutschen hielten das Tempo weiter hoch und hatten durch Miroslav Klose, der nur das Außennetz traf, gleich die nächste Gelegenheit.
Oliver Kahn zeigte eine großartige Leistung.
Doch auch die Portugiesen nutzten das Mittelfeld nur als Durchgangsstation und kamen so unbehelligt, wie das wohl nur in einem Spiel um Platz drei möglich ist, immer wieder in den deutschen Strafraum. Nach einer Viertelstunde hatten die Mannschaft von Luis Felipe Scolari dann auch die erste Großchance, doch Oliver Kahn parierte überragend gegen Pauleta, der Jens Nowotny und Christoph Metzelder zuvor locker abgeschüttelt hatte. Sebastian Kehl war der Einzige, der in dieser Phase den Überblick behielt, und der Dortmunder fand auch immer wieder Zeit für die Offensive. Seinen Heber aus 20 Metern konnte Ricardo nur mit Mühe über die Latte lenken, und auch gegen Lukas Podolskis Freistoß nach 25 Minuten musste der portugiesische Elfmeter-Held sein ganzes Können aufbieten.
Doch auch Kahn in seinem vielleicht letzten Länderspiel musste jederzeit hellwach bleiben. Deco schlenzte in einer seiner wenigen Aktionen den Ball knapp rechten Winkel vorbei (31.), der für Luis Figo aufgebotene Simao verpasste fünf Minuten später nur knapp eine große Kopfballgelegenheit. Kehl hatte sich inzwischen weiter zurückgezogen, und so machte sich beim Gastgeber nun deutlich bemerkbar, dass das offensive Mittelfeld verwaist war. Es klaffte wieder die schon aus den Duellen gegen Argentinien und Italien bekannte Lücke hinter den Spitzen Podolski und Klose, die so kaum noch in aussichtsreiche Positionen kamen.
Torsten Frings hatte selten Zeit, in Ruhe einen Ball anzunehmen.
Offenbar hatte das Trainergespann dieses Manko in der Halbzeit angesprochen, denn nach dem Wechsel lief das Spiel beinahe ausschließlich in eine Richtung. Der Sturmlauf der Deutschen wurde zehn Minuten nach Wiederanpfiff belohnt, und es war der bislang beste Vorbereiter, der sich erstmal selbst in die Schützenliste eintrug. Bastian Schweinsteiger schickte aus 25 Metern den berüchtigten "Teamgeist"-Ball auf die Reise, und Ricardo ließ sich von der Flugkurve böse überraschen. Derart beflügelt feuerte Schweinsteiger fünf Minuten später das nächste Geschoss aus der zweiten Reihe ab. Diesmal verrechnete sich Abwehrspieler Petit und fälschte den Freistoß-Flatterball unhaltbar für Ricardo zum 2:0 ab.
Bastian Schweinsteiger bekam für diesen Jubel die schönste Gelbe Karte seiner Laufbahn.
Es war noch nicht der letzte Akt in der Schweinsteiger-Gala. Der folgte in der 78. Minute, gerade in dem Moment, als Luis Figo zum letzten Länderspieleinsatz seiner großen Karriere den Rasen betreten hatte. Er kam rechtzeitig zum Gratulieren: Schweinsteiger zog zum dritten Mal außerhalb des Strafraums ab und brauchte diesmal weder die Hilfe von Torwart noch Abwehrspieler: Wie an der Schnur gezogen schlug die Kugel im rechten Winkel ein. Der Rest war Party pur in Stuttgart, und die Portugiesen bemühten sich, auch noch etwas Erhellendes dazu beizutragen. Doch da stand ihnen lange Zeit ein überragender Oliver Kahn entgegen, der gegen Deco und zweimal Ronaldo hervorragend reagierte. Ein bisschen schade für den "Titan", dass er zwei Minuten vor dem Ende dann doch noch bezwungen wurde: Nuno Gomez köpfte zum 1:3 ein, und es war ein gerechter Lohn für die Mühen der Gäste.
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