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WM 2006

09.02.2012 | 19:08 Uhr

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Dem Regisseur gelingt der einzige Treffer

Zidane führt Frankreich ins Finale

Von Olaf Jansen

Frankreich hat das WM-Endspiel gegen Italien erreicht. Den Franzosen genügte eine starke Defensiv-Leistung sowie das Goldene Tor von Zinedine Zidane zum Triumph. Der Regisseur verwandelte in der 33. Minute einen Foulelfmeter zum 1:0-Sieg.

Nach Frankreichs Sieg, der letztlich eher herausgearbeitet als herausgespielt wurde, resümmierte Trainer Raymond Domenech wie immer sehr nüchtern: "Trotz aller Kritik von außen wussten wir immer, was wir drauf haben. Heute waren wir das glücklichere zweier gleichstarker Teams." Sein Gegenüber Luiz Felipe Scolari jammerte: "Frankreich hat verdient gewonnen. Wir haben alles gegeben, aber versäumt, ein Tor zu erzielen. Das hat den Ausschlag gegeben."

Viele hatten die Partie Portugal gegen Frankreich auf das Duell der beiden "alten Männer" reduziert: Luis Figo, 33, gegen Zinedine Zidane, 34. Die durchaus gut miteinander bekannt sind. Sie spielten ja bis vor einem Jahr in Madrid für den gleichen Verein. Doch als sie ihre Teams zum WM-Halbfinale auf den Rasen der Münchener Arena führten, schauten sie auffällig angestrengt aneinander vorbei. Wie Fremde. War natürlich alles Masche. Ein bisschen Psychokrieg im Spielertunnel konnte als Auftakt des großen Duells nicht schaden.

Als es losging, überraschten erst einmal Figos Jungs. Weil sie gleich munter nach vorn spielten. Nach vier Minuten scheiterte Deco knapp mit einem 18-Meter-Schuss, am Abpraller rutschte Pauleta knapp vorbei. Fünf Minuten später strich ein guter Distanzschuss von Maniche knapp über die Querlatte. Eine Viertelstunde lang dominierten die Südeuropäer die Partie. Dann kam Frankreich. Ganz langsam.

Zidane der ruhende Pol

Zidane wurde wieder der ruhende Pol im Mittelfeld, den er schon so überragend gegen Spanien und Brasilien gegeben hatte. Beim Bald-Pensionär liefen alle Bälle zusammen - und die "Blauen" bekamen Übergewicht. Zidane auf Ribery, Zidane auf Malouda, Zidane auf Henry. Als der Ball in der 32. Minute bei Letzterem landete, ließ sich Portugals Verteidiger Carvalho zu einer verhängnisvollen Aktion hinreißen. Im Strafraum trat er Henry das Standbein weg - Elfmeter. Der Meister höchstpersönlich trat an. Und gegen Zidanes wuchtigen Schuss ins linke Eck war Portugals Keeper Ricardo machtlos - 1:0 für Frankreich.

Wie schwer man es dieser Tage hat, wenn Gegner Frankreich erst einmal führt, bekamen die Portugiesen im Anschluss zu spüren. Bis zur Halbzeit dauerte die Schock-Phase wegen des Gegentors, danach brauchten die Figo-Jungs rund zehn Minuten, um überhaupt einmal auf's französische Tor schießen zu können. Pauleta hatte aus der Drehung abgezogen, aber nur das Außennetz getroffen. Bis dahin hätte ohnehin schon alles entschieden sein können, denn der Weltmeister von 1998 ließ in der 48. Minute eine riesige Doppel-Chance aus. Zunächst scheiterte Henry nach unwiderstehlichem Solo am Reflex Ricardos, ein paar Sekunden später entschärfte der portugiesische Keeper einen Rechts-Knaller von Ribery.

Figo und Deco zu schwach

Frankreich war und blieb überlegen. Die überragende Vierer-Abwehrkette ließ nur noch zwei vage Chancen Portugals zu, als Figo 13 Minuten vor Ende mit einem Direktschuss aus 14 Metern an Barthez scheiterte und Meira in der Nachspielzeit freistehend am Kasten der Franzosen vorbeizielte. Ansonsten litt das Spiel der Portugiesen unter der Schwäche ihrer Spielgestalter Figo und Deco, die von Vieira und Makelele fast völlig aus der Partie genommen wurden. Wenn mal jemand etwas riss, dann war das Jungstar Ronaldo. Aber auch dessen Soli endeten spätestens beim dritten oder vierten herbeieilenden französischen Gegenspieler.

Und weil die Defensive so perfekt funktionierte, konnten die Franzosen im zweiten Abschnitt auch den Leistungsabfall von Zidane verkraften. Der war in der letzten halben Stunde mit den Kräften sichtbar am Ende. Aber er muss nun ja auch nur noch einmal alle Energien bündeln. Am Sonntag im Finale gegen Italien. Das wird dann sein letzter großer Auftritt auf der Fußballbühne. Für Figo bleibt der "kleine Auftritt". Er spielt tags zuvor gegen Deutschland um Platz drei.

Stand: 05.07.2006, 22:55 Uhr

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